25 Jahre im Dienst der Armen

Die Hiob-Brockenstube in Wittenbach hat dieser Tage ihr 25jähriges Bestehen gefeiert. In dieser Zeit wurden nicht nur etliche Möbel verkauft. Dank der «Brocki» wurde zahlreichen Menschen geholfen – hier und in der Dritten Welt.

Fernando Trabadelo
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Dienstchauffeur Timothy Kägi und Standortleiterin Ursula Zeltner von der Hiob-Brockenstube in Wittenbach setzen sich für Menschen in Not ein. (Bild: Fernando Trabadelo)

Dienstchauffeur Timothy Kägi und Standortleiterin Ursula Zeltner von der Hiob-Brockenstube in Wittenbach setzen sich für Menschen in Not ein. (Bild: Fernando Trabadelo)

WITTENBACH. Seit einem Vierteljahrhundert werden Wecker, Sofas, Schmuckstücke und Kaffeemaschinen in der Hiob-Brockenstube an der St. Gallerstrasse 1 in Wittenbach verkauft. Doch diese «Brocki» ist nicht nur ein Laden für Schnäppchenjäger. Viel mehr ist sie ein staatlich anerkanntes Hilfswerk.

Eine «Wegwerfgesellschaft»

Vor 30 Jahren wurde der Verein Hiob-International gegründet. Um für ihre Hilfsaktionen finanziell aufzukommen, betreibt die Organisation schweizweit Brockenstuben. Der Erlös aus den Verkäufen fliesst in die Zentrale nach Steffisburg. Mit diesem Geld werden Hilfsgüter aus Spitälern, Arztpraxen sowie Gewerbe- und Industriebetrieben erworben, rezykliert und an die Dritte Welt vermittelt.

Ursula Zeltner betreibt seit 17 Jahren den Standort in Wittenbach. In dieser Zeit habe sich vieles gewandelt. «Das Konsumverhalten hat sich drastisch verändert», sagt sie. Heute werfe man ausgediente Güter viel eher weg, als sie in eine «Brocki» zu bringen. «Vor 50 Jahren wäre es undenkbar gewesen, intakte Möbel wegzuwerfen», sagt Ursula Zeltner. Zudem seien für viele Leute Angebote von Billig-Möbelhäusern reizvoller als die gebrauchten Möbelstücke in der Brockenstube.

Studenten in der «Brocki»

«Die treusten Käufer sind Seniorinnen und Senioren», sagt Ursula Zeltner. Bei der jungen Generation zeichne sich überraschenderweise ein Wandel ab: Früher hätten Jugendliche und junge Erwachsene einen Bogen um Brockenstuben gemacht, heute seien diese Läden wieder angesagter. Die Gründe dafür sind verschieden: «Meistens kommen Studenten mit kleinen Budgets, die aber Wert auf Qualität legen. Oder auch Liebhaber von Antiquitäten», sagt die «Brocki»-Leiterin.

Mehr als nur Schnäppchen

Die «Brocki» in Wittenbach beschränkt sich nicht nur auf den Verkauf von gebrauchten Gegenständen. Auch Wohnungs- und Hausräumungen werden angeboten. «Ein grosser Teil der Möbel, gerade auch hochwertige Stücke, stammen aus solchen Hausräumungen», sagt Zeltner. Zudem habe man auf diese Weise schon vielen Leuten helfen können, die sich in einer misslichen Lage befunden haben. Ein angenehmes Unterfangen seien Hausräumungen jedoch nicht immer. «Von verwahrlosten Wohnungen bis hin zu Liegenschaften, in denen Menschen zuvor tagelang tot gelegen haben, ist alles dabei», sagt Ursula Zeltner. Zahlreiche Kunden seien nicht in der Lage, ihre Liegenschaft oder diejenige von engen Verwandten zu räumen. Diese Menschen befinden sich laut Zeltner in einer schwierigen Situation und seien für die Arbeit der Brockenstube sehr dankbar.

Zweite Chance geben

Die Brockenstube hilft nicht nur Menschen in Drittweltländern, auch die eigenen Angestellten haben einen speziellen Hintergrund. «Unsere Brockenstube ist Teil des Wiedereingliederungsprogramms des Regionalen Arbeitsvermittlungszentrums (RAV)», sagt Ursula Zeltner. In ihrer Brockenstube können soziale Arbeitsstunden geleistet und Integrationsprogramme absolviert werden. «Dass wir Menschen dabei helfen, sich wieder in der Gesellschaft einzugliedern, bereitet uns grosse Freude», sagt sie. Einige der aktuell beschäftigten Mitarbeiter hätten ein solches Integrationsprogramm absolviert und seien gleich in der «Brocki» geblieben. Sie zählen laut Zeltner zu ihren «fleissigsten und motiviertesten» Mitarbeitern.