25 Jahre für Kinder und Kirche

Die Katechetin Agnes Kappeler begleitete über 500 Schüler zur Erstkommunion – in diesem Jahr zum letzten Mal. Einst übernahm die Engelburgerin diese Aufgabe durch Zufall. Und blieb ihr 25 Jahre lang treu.

Noemi Heule
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Ihre Arbeit im Stiftsbezirk behält Agnes Kappeler bei. Erstkommunikanten betreut sie künftig nicht mehr. (Bild: Hanspeter Schiess)

Ihre Arbeit im Stiftsbezirk behält Agnes Kappeler bei. Erstkommunikanten betreut sie künftig nicht mehr. (Bild: Hanspeter Schiess)

ENGELBURG. Schritte hallen in den Gängen; sie sind mit Heiligenfiguren und Ölgemälden geschmückt. Vor dem Fenster ragt das Kloster in den grauen Himmel. Erst in der Pause der Buebeflade wird die Stille durchbrochen von johlenden, kreischenden, spielenden Schülern. «Ich mag es, wenn hier Leben einkehrt», sagt Agnes Kappeler. Mit ihrem bunten Schal hebt sie sich von den Grautönen im Hintergrund ab.

Zeit für Familie

80 Prozent ihrer Arbeitszeit verbringt die 62-Jährige als Sekretärin im St. Galler Klosterbezirk. Die übrigen 20 Prozent unterrichtet sie an der Primarschule in Engelburg Religion. Seit 25 Jahren bereitet sie Drittklässler auf die Erstkommunion vor. In diesem Jahr hat sie mit ihren 19 Schützlingen letztmals die Taufkerze angezündet.

An den Anfang erinnert sie sich noch genau. Damals empfing ihre Tochter zum ersten Mal die Hostie. Nun ist diese selber Mutter. «Ich will mir für mein Enkelkind Zeit nehmen», begründet Agnes Kappeler den Schritt, kürzerzutreten. Den Religionsunterricht der Erst- und Zweitklässler werde sie noch ein, zwei Jahre weiterführen.

Postlehre statt Lehrerseminar

«Die Erstkommunion ist ein Höhepunkt im Leben eines Kindes», sagt Agnes Kappeler. Als Katechetin wollte sie aber nicht nur ein Fest organisieren, sondern christliche Werte vermitteln. Über 500 Kinder hat sie in 25 Jahren unterrichtet. «Jedes von ihnen stand an einem anderen Punkt» sagt sie. Die einen treten nach der Kommunion den Ministranten bei, andere sieht sie im Gottesdienst nicht wieder. Trotzdem hofft sie, dass jeweils etwas haften bleibt. Überhaupt habe sie die positive Energie der Kinder immer wieder motiviert weiterzumachen.

«Eigentlich», sagt sie, «wäre ich gerne Lehrerin geworden.» Nach der Sekundarschule sei eine pädagogische Ausbildung aber nicht in Frage gekommen. «Es war klar: Jetzt wird gearbeitet.» Agnes Kappeler machte eine Lehre bei der Post. Später hängte sie die Handelsschule an und arbeitete bei einer Bank, im Treuhand- und Reisebüro.

Per Zufall zur Kirche

Purer Zufall führte schliesslich zur Ausbildung als Religionslehrerin. «Man könnte es wohl auch Fügung nennen», sagt sie. Auf der Suche nach einem Bürojob übernahm sie das Sekretariat der katechetischen Arbeits- und Medienstelle in Weinfelden, obwohl sie mit Religion sonst wenig zu tun hatte.

Durch diese Arbeit lernte sie die Ausbildung zur Religionslehrerin kennen. «Da habe ich gemerkt, dass es auch anders geht.» Anders als sie die Religion als Kind erlebt hatte – nämlich streng und einengend. Agnes Kappeler liess sich selber zur Katechetin ausbilden und unterrichtete bald Religion in ihrem Wohnort Engelburg. «Damals war die Kirche noch präsenter in der Gesellschaft», erinnert sie sich. Dafür seien die Kinder heute selbstbewusster als vor einem Vierteljahrhundert.

Abschied mit einem Lachen

Wehmut über das baldige Ende ist Agnes Kappeler nicht anzumerken. Schliesslich sei das Fest jeweils auch mit viel Organisationsarbeit und hohen Erwartungen verbunden. «Für viele stehen Geschenke und eine gelungene Inszenierung im Vordergrund.» Dagegen versuchte sie anzukämpfen, indem sie die Eltern bereits in den Unterricht mit einbezog.

Dies sei aber nur ein Weg, wie man die Vorbereitung zur Erstkommunion gestalten könne. «Nun schaffe ich Platz für neue Kräfte und Ideen.» Schliesslich müsse man aufhören, solange die Arbeit Freude bereitet.

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