2013 ist auch ein Jubeljahr

Fertigstellung des neuen Hauptbahnhofs vor 100 und Einweihung der HSG-Gebäude auf dem Rosenberg vor 50 Jahren. Die Stadt St. Gallen kann im neuen Jahr gewichtige Jubiläen feiern.

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Im Dezember 1913 wurde das neue Hauptgebäude des Bahnhofs St. Gallen eingeweiht. 100 Jahre später wird über den Platz davor diskutiert. (Bild: Urs Bucher)

Im Dezember 1913 wurde das neue Hauptgebäude des Bahnhofs St. Gallen eingeweiht. 100 Jahre später wird über den Platz davor diskutiert. (Bild: Urs Bucher)

Für 2013 gibt es – anders als etwa 2012 mit dem Jubiläum 1400 Jahre Gallus – bis ins 19. Jahrhundert hinein wenig runde Geburtstage. Am bemerkenswertesten ist da vielleicht die Stiftung des Bären- oder Sankt-Gallus-Ordens durch Kaiser Friedrich II. im Jahr 1213, also vor 800 Jahren. Damit sollten verdienstvolle Persönlichkeiten geehrt werden. Der Orden ist schon lange eingeschlafen.

Weniger zum Jubilieren als zum Nachdenken eignete sich die Erinnerung an 1413. Es markiert einen der Tiefpunkte der Geschichte des Klosters St. Gallen: Damals waren dort gerade noch zwei Mönche anzutreffen. Und vor 300 Jahren, 1713, wurde über der Stadt als grösster Weiher der Mannenweier angelegt.

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Reichlicher feiern kann man in diesem Jahr mit Blick zurück aufs 19. Jahrhundert. 1813 wurde die Verwaltung der Klostergüter dem Katholischen Administrationsrat übergeben. Als Geschenk zum 200-Jahr-Jubiläum erhält der Dom einen neuen Altar. Über den geplanten Goldreif darüber wurde bereits ausgiebig diskutiert.

Für ein Jubiläum muss sich auch die Stadtmusik rüsten: Sie wurde 1863, also vor 150 Jahren, gegründet.

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Mehr Spuren im Jubiläumskalender 2013 hinterlassen hat 1913. So wurde am 5. Januar 1913 die evangelisch-reformierte Kirche Heiligkreuz eingeweiht. In der Nähe befanden sich zuvor ein Pulverturm und die Richtstätte des Abts. Das Programm zum 100-Jahr-Jubiläum ist – anhand von Daten aus der Baugeschichte der Kirche – bereits 2012 angelaufen. Es setzt starke musikalische Akzente.

Am 19. März 1913 überflog Flugpionier Heinrich Otto Kunkler als erster Pilot die ganze Gallusstadt in 1500 Metern Höhe. Dies in einem selbstkonstruierten «Flugapparat».

Auf den 11. Oktober 1913 hin wurde die Trasseeführung der Appenzeller Bahn von Herisau aus geändert: Nun führte das Gleis nicht mehr nach Winkeln, sondern nach Gossau. Zwischen dem «Alten Zoll» in Herisau und dem Gübsensee ist aus dem alten Trassee ein Wanderweg geworden.

Aber auch die städtische Bildung kann 2013 jubilieren: An der Kirchgasse wurde das Schulhaus für die Lehrlingsausbildung eröffnet. Vor 100 Jahren war es zugleich Sitz der Schulbehörden. Zudem wurde 1913 beim Schibenertor das Union-Lichtspieltheater eröffnet.

Schliesslich stand 1913 auch im Zeichen des Ausbaus des öffentlichen Verkehrs: Das städtische Tramnetz wurde bis ins Riethüsli erweitert. Vor allem aber konnte vor 100 Jahren der neue Hauptbahnhof eröffnet werden. Erbaut wurde er zwischen 1911 und 1913. Das Hauptgebäude konnte am 23. Dezember 1913 seiner Bestimmung übergeben werden. Damals war der neue Hauptbahnhof als Sitz einer Kreisdirektion IV der SBB gedacht. Diese wurde dann nicht errichtet, so dass lange Zeit viele Räume in den Obergeschossen leer standen oder provisorisch genutzt wurden. Dies bis zum Einzug der bis heute dort residierenden Migros-Klubschule in den 1980er-Jahren.

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1963, also vor 50 Jahren, konnte auf dem Rosenberg die neue Anlage der damals in Hochschule für Wirtschafts und Sozialwissenschaften (HSG) umgetauften Handelshochschule (HHS), der heutigen Universität St. Gallen, bezogen werden. Dass der junge Walter Förderer den Architekturwettbewerb dafür gewann, war eine grosse Überraschung. Die Realisierung des Baus war zudem ein Zeichen der Aufbruchstimmung, die vor 50 Jahren in St. Gallen herrschte. Im Wintersemester 2013/14 waren an der HSG 1114 Studierende immatrikuliert.

Ein anderes Gebäude kann 2013 ebenfalls einen kleinen Geburtstag feiern: Am 21. September 1963 wurde das Waaghaus nach einer umfassenden Sanierung in der heutigen Form wieder eingeweiht. Vorausgegangen waren der Renovation heftige politische Diskussionen. In der Volksabstimmung sprach sich dann ein Zufallsmehr von 301 Städterinnen und Städtern für den Erhalt des heutigen historischen Bijous aus.

Zusammengestellt: J. O./vre