200 Parkplätze verschieben

ST.GALLEN. Am Schibenertor soll eine neue Parkgarage gebaut, am Unteren Graben die bestehende erweitert werden. Dafür werden 200 oberirdische Parkplätze in und um die Altstadt aufgehoben. Diese Idee prüft der St.Galler Stadtrat.

Reto Voneschen
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Der Stadtrat will nicht nur das Problem der Parkplätze auf dem Marktplatz (Bild) lösen, sondern auch in den anstossenden Gassen und in der benachbarten Innenstadt oberirdische Parkplätze aufheben. (Bild: Urs Jaudas)

Der Stadtrat will nicht nur das Problem der Parkplätze auf dem Marktplatz (Bild) lösen, sondern auch in den anstossenden Gassen und in der benachbarten Innenstadt oberirdische Parkplätze aufheben. (Bild: Urs Jaudas)

Seit dem Volksnein zur Neugestaltung von Marktplatz, Bohl und Blumenmarkt wird über die noch bestehenden rund 50 oberirdischen Parkplätze in der mittleren und nordwestlichen Altstadt gestritten. Dagegen, dass diese öffentlichen Plätze für ein neues Umgestaltungsprojekt aufgehoben werden sollen, wehrt sich kaum jemand. Streitpunkt zwischen links und rechts ist aber, ob dies ersatzlos oder erst nach dem Bau einer neuen Parkgarage unter «Union» und Blumenmarkt geschehen kann.

Information erst im September

Offiziell hat der Stadtrat noch nicht entschieden. In einer ziemlich verklausulierten Mitteilung von vorgestern Mittwoch wurde angedeutet, in welche Richtung es gehen soll: Es werde ein Gesamtkonzept angestrebt, die Parkplätze auf dem Marktplatz würden sicher nicht ersatzlos aufgehoben, und man habe Gespräche mit den Verantwortlichen zweier spruchreifer Parkgaragen-Projekte (Neubau «Union plus» und Ausbau UG24) geführt. Um das Gesamtkonzept auf den Weg zu bringen, brauche es jetzt weitere technische Abklärungen. Beraten und entscheiden wolle der Stadtrat nach den Sommerferien. Mit einer Information der Öffentlichkeit sei im September zu rechnen, wurde am Mittwoch vertröstet.

Grundidee am Radio enthüllt

Nun ist aber bereits seit gestern Donnerstag klar, welches Gesamtkonzept die Stadtregierung konkret verfolgt. Baudirektorin Patrizia Adam gab darüber dem «Regionaljournal Ostschweiz» von Radio SRF Auskunft. Der Stadtrat will demnach den Neubau der Parkgarage Union plus und den Ausbau der bestehenden Parkgarage am Unteren Graben ermöglichen.

Im Gegenzug sollen in und um die Altstadt bis zu 200 oberirdische öffentliche Parkplätze aufgehoben werden. So sollen dem öffentlichen und dem Langsamverkehr mehr Flächen zur Verfügung gestellt und punktuelle Neugestaltungen des öffentlichen Raums ermöglicht werden.

Noch nichts entschieden

Der Stadtrat wolle eben keine isolierte Lösung allein für die fünfzig Marktplatz-Parkplätze, bestätigte Patrizia Adam gestern ihre Aussagen im Radio. Man wolle eine umfassendere Lösung anstreben und die Problematik von Parkplätzen und Suchverkehr breiter angehen. Dafür brauche es jetzt zusätzliche technische Abklärungen. Und entschieden, so betonte Patrizia Adam gestern, sei noch rein gar nichts. Der Stadtrat werde sich nach Vorliegen aller Fakten mit dem Thema auseinandersetzen und einen Beschluss fassen.

Daraus, dass sie persönlich die Umsetzung des angedachten Gesamtkonzepts mit Verlegung von 200 oberirdischen Parkplätzen in die neue Parkgarage Union plus und ins ausgebaute UG24 unterstützt, macht die städtische Baudirektorin keinen Hehl. Weitere Details zum stadträtlichen Ansatz für ein Parkplatz-Gesamtkonzept, für die Altstadt und direkt anstossende Gebiete gibt sie dann aber nicht preis. Wer das Grundgerüst dieser Idee und die Geschichte der letzten Jahre kennt, kann sich aber das eine oder andere zusammenreimen.

Perimeter ausdehnen

Ein Punkt ist, wo die gegen 200 aufzuhebenden oberirdischen öffentlichen Parkplätze zu suchen sind. Die im Mai 2011 abgelehnte Vorlage zur Neugestaltung von Marktplatz, Bohl und Blumenmarkt sah bereits vor, nach dem Bau der neuen Parkgarage Schibenertor 148 Parkplätze aufzuheben. 50 befinden sich auf dem Marktplatz und dem Blumenmarkt sowie in der anstossenden nordwestlichen Altstadt (Metzger-, Engel-, Kirchgasse). Dazu war die Aufhebung von rund 100 Plätzen in der anstossenden Innenstadt angedacht – von der Grabenhalle über den Blumenbergplatz bis zur Bahnhof- und Poststrasse.

Neu verfolgt der Stadtrat die Idee, die aufzuhebenden oberirdischen Parkplätze nicht bloss an einem, sondern an zwei Orten zu kompensieren: in der redimensionierten neuen Parkgarage «Union plus» am Schibenertor und im ausgebauten UG24. Damit könnte der Perimeter für aufzuhebende Parkplätze auf die Ostseite der Altstadt ins Gebiet Platztor ausgedehnt werden. Oberirdische Parkplätze hat es hier neben dem UG24, an der Böcklinstrasse oder am ehemaligen Standort des Bienenhüslis.

Neu bauen und ausbauen

Über die zwei im Gespräch stehenden Parkgaragen ist ebenfalls einiges bekannt. Das Projekt «Union plus» ist eine abgespeckte Version der Parkgarage Schibenertor aus der abgelehnten Marktplatzvorlage. Hinter dem Vorhaben stehen unter anderem die City-Parking AG und die Helvetia-Versicherungen, der das Haus Union gehört. Das Parkhaus soll vollumfänglich von privaten Investoren finanziert werden.

Seit einiger Zeit in Planung ist auch der Ausbau des bestehenden Geschäfts- und Parkhauses UG24. Aktuell gibt es dort 92 öffentliche Parkplätze; hinzu kommen rund 120, die privat vermietet werden. Das Gebäude soll ab Herbst 2015 aufgestockt werden. Die so entstehenden Büroräume soll die Universität belegen. Weitere Parkplätze wären in Untergeschossen möglich. Bei einer ersten Präsentation des Vorhabens im August 2012 war die Rede davon, dass so sicher mehr als 50 neue Parkplätze erstellt werden könnten.