199 erliegen der Verlockung Bern

64 St. Gallerinnen und 135 St. Galler drängt es in den Nationalrat – deutlich mehr als vor vier Jahren. Auch die beiden St. Galler Sitze im Ständerat sind begehrt: Neun Personen kämpfen darum.

Regula Weik
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In zwei Monaten werden die Sitze im Nationalratssaal neu verteilt. (Bild: ky/Peter Klaunzer)

In zwei Monaten werden die Sitze im Nationalratssaal neu verteilt. (Bild: ky/Peter Klaunzer)

ST. GALLEN. Zwölf Sitze hat der Kanton St. Gallen im Nationalrat. Einer wird frei: CVP-Nationalrätin Lucrezia Meier-Schatz zieht sich aus der nationalen Politik zurück. Ein Blick auf frühere Wahlgänge zeigt: Bisherige sind vor einer Abwahl nicht gefeit. Vor vier Jahren erwischte es SVP-Vertreter Elmar Bigger; glückliche Erbin war die Grünliberale Margrit Kessler. Von links bis rechts ist unbestritten: Wer neu nach Bern gewählt werden will, muss sich ins Zeug legen – zeitlich und finanziell; über ersteres reden Kandidaten und Parteien gern, bei letzterem geben sie sich schweigsamer.

Acht Listen mehr als 2011

Begrenzte Erfolgsaussichten, immenser Aufwand – 199 St. Gallerinnen und St. Galler lassen sich davon nicht abschrecken. Das sind 23 Interessierte mehr als vor vier Jahren (plus zwölf Prozent). Damals drängelten 176 Kandidatinnen und Kandidaten auf einen der zwölf Sitze.

Auch die Anzahl Listen ist mit 23 deutlich höher als vor vier Jahren (15), aber tiefer als vor acht Jahren (24). Unter den aktuellen Listen finden sich etablierte Parteien wie auch altbekannte, chancenlose sowie einige Newcomer wie Parteifrei SG, IP Integrale Politik, Sarah Bösch – das Original, DPS Direktdemokratische Partei Schweiz, Piratenpartei SG AR AI oder Marcel Giger, Amden, parteilos.

Zwei Listen sind noch nicht bereinigt: Liste 22 Schweizer Demokraten (vor acht Jahren hatten sie sich als erste für die Teilnahme an den nationalen Wahlen entschieden und die Liste 1 ergattert) und Liste 23 Marcel Giger, Amden, parteilos.

Ein knappes Drittel Frauen

32,2 Prozent der Kandidierenden sind Frauen. Der Frauenanteil liegt damit tiefer als vor vier (33,5) und vor acht Jahren (32,9 Prozent). Es gibt eine reine Frauenliste – jene von Sarah Bösch; auf vier Listen findet sich keine Frau – bei der DPS, der Piratenpartei, den Schweizer Demokraten und bei Martin Giger.

Neun drängt es in den Ständerat

Heute vertreten Karin Keller-Sutter (FDP) und Paul Rechsteiner (SP) den Kanton St. Gallen im Ständerat. Beide möchten ihre Aufgabe weiterführen. Dennoch gibt es um die beiden Sitze ein Gerangel: Sieben weitere Kandidatinnen und Kandidaten drängt es in den Ständerat – bekannte Namen und Nobodys. Es kandidieren neu: Richard Ammann (Abtwil, BDP), Thomas Ammann (Rüthi, CVP), Yvonne Gilli (Wil, Grüne), Andreas Graf (Steinach, Parteifrei), Margrit Kessler (Altstätten, GLP), Thomas Müller (Rorschach, SVP) und Hans Oppliger (Frümsen, EVP).

Bis Ende Monat bleibt den Parteien noch Zeit, um allfällige Listenverbindungen bekanntzugeben. Dabei interessiert vor allem eine Frage: Finden die Grünliberalen noch einen Partner? Die Partei steht derzeit alleine da und muss um ihren Sitz – jenen von Margrit Kessler – bangen. Die Grünliberalen holten vor vier Jahren den Sitz dank der Listenverbindung mit der BDP; steigen sie alleine in die Wahlen, dürfte er weg sein.

Zur Wiederwahl treten folgende elf Nationalrätinnen und Nationalräte an: Toni Brunner, Roland Rino Büchel, Lukas Reimann und Thomas Müller (alle SVP); Jakob Büchler und Markus Ritter (beide CVP); Claudia Friedl und Barbara Gysi (beide SP); Walter Müller (FDP), Yvonne Gilli (Grüne) und Margrit Kessler (Grünliberale).

www.wahlen.sg.ch