16 Kremationen pro Arbeitstag

Der Trend bestätigt sich: Die Zahl der Kremationen hat in St. Gallen im letzten Jahr nochmals zugenommen. Weiter rückläufig sind dafür die Erdbestattungen. Grosser Beliebtheit erfreuen sich Führungen durch das Krematorium im Feldli.

Markus Stehle
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Mehr Kremationen, mehr Führungen: Das Stadtsanktgaller Krematorium im Friedhof Feldli. (Archivbild: Urs Bucher)

Mehr Kremationen, mehr Führungen: Das Stadtsanktgaller Krematorium im Friedhof Feldli. (Archivbild: Urs Bucher)

Für insgesamt 123 Vertragsgemeinden nimmt das Krematorium im Friedhof Feldli in St. Gallen Einäscherungen vor. Waren es 2011 deren 3512, wurden 2012 bereits 3869 Feuerbestattungen durchgeführt. Dies entspricht einer Zunahme von rund 350 Kremationen. «Das liegt im Rahmen», sagt Adrian Rüesch, Präsident der Stiftung Krematorium St. Gallen. Der prozentuale Anteil an Kremationen steige kontinuierlich. Der letztjährige Anstieg sei aber nicht aussergewöhnlich. Neben den Feuerbestattungen für die Vertragsgemeinden führt das Krematorium jährlich weitere bis zu 300 Einäscherungen für zahlreiche andere Auftraggeber durch.

50 Prozent gesunken

Der letztjährige Zuwachs an Einäscherungen bewegt sich zwar im Normalbereich. Auffällig ist aber, dass das Verhältnis der Zahl an Kremationen und Erdbestattungen immer weiter auseinander geht. Die Zahlen belegen, wie sich die Schere innert der letzten zehn Jahre geöffnet hat. Der Vergleich der Jahre 2001 und 2011 etwa spricht eine klare Sprache: Während die Gesamtzahl der Bestattungen – mit rund 4300 und 4200 – in etwa gleich war, halbierte sich die Zahl der Erdbestattungen beinahe. Die Gegenüberstellung der Jahre 2002 und 2012 zeigt ein ähnliches Bild.

«Es besteht ein klarer Trend zur Kremation», sagt Adrian Rüesch. Historisch betrachtet beruhe die langjährige Aufwärtstendenz einerseits auf der Abnahme religiös bedingter Vorbehalte gegenüber der Einäscherung, anderseits auf einer grösseren Sensibilität gegenüber der Umwelt. Diese wird durch eine Erdbestattung weit mehr belastet.

Ansonsten könne heutzutage aber kein weiterer, konkreter Grund für die kontinuierliche Zunahme ausgemacht werden, sagt Rüesch. «Die Einäscherung hat sich unterdessen einfach als die gängige Bestattungsart durchgesetzt.»

Rund 16 Kremationen täglich

In der Einäscherungsanlage im Friedhof Feldli werden im Jahresdurchschnitt rund 16 Kremationen pro Arbeitstag durchgeführt. Bis zu 24 Einäscherungen können es an Spitzentagen sein. Spürbaren Einfluss auf die Auslastung der Kremationsöfen haben laut Adrian Rüesch etwa Grippewellen sowie Wetterveränderungen mit drastischen Temperaturstürzen und -anstiegen, da diese jeweils zu mehr Todesfällen führen.

Gefragte Führungen

2012 waren im Feldli allerdings nicht nur mehr Kremationen zu verzeichnen, auch die Zahl der Führungen durch das Krematorium ist angestiegen. Vor allem im Frühling und im Herbst komme es vermehrt zu Anfragen, sagt Ursula Lauper. Sie ist Geschäftsführerin der Stiftung Krematorium St. Gallen und führt Teilnehmerinnen und Teilnehmer von Rundgängen gemeinsam mit einem Betriebsmitarbeiter durch die Geschichte des Krematoriums und seine technischen Anlagen.

«Das Angebot wird zum Beispiel gerne von Schulklassen genutzt, die den Tod im Religionsunterricht thematisieren», erklärt Ursula Lauper. Auch Konfirmanden, Angestellte in Pflegeberufen sowie Privatpersonen würden vermehrt an solchen Führungen teilnehmen.

Weniger Hemmungen

«Heutzutage hat die Bevölkerung der Thematik gegenüber wohl weniger Hemmungen», sagt Ursula Lauper zur grösseren Nachfrage. Oft würden sich die Teilnehmer nicht zuletzt deshalb über die Prozesse informieren, weil sie Gewähr für das Funktionieren der Abläufe haben wollten, sagt Ursula Lauper. «Sie wollen die Garantie haben, dass die richtige Asche in die richtige Urne eingebettet wird. Diesem Wunsch entsprechen wir gerne.» Zudem interessiert gemäss Ursula Lauper oft, wie die Krematoriums-Mitarbeiter mit ihrer Arbeit umgehen. «Die Besucherinnen und Besucher geben uns auf den Führungen oft ein gutes Feedback. Wir pflegen hier einen würdigen Umgang mit Verstorbenen, und die Leute sind froh, das zu sehen.»