150 Millionen für erste Etappe

RORSCHACH. Was seit zwei Jahren öffentlich bekundete Absicht war, wird bereits verwirklicht: Der Weltkonzern Würth baut in Rorschach seinen Sitz für die internationalen Geschäfte und ein Ausbildungszentrum – die erste Etappe ab jetzt bis Frühjahr 2013.

Fritz Bichsel
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21 500 Quadratmeter zwischen Churerstrasse und See kaufte Würth für das Zentrum beim Hauptbahnhof Rorschach. Der grössere Teil ist nach Abbrüchen nun baureif. (Bild: Hardy Buob)

21 500 Quadratmeter zwischen Churerstrasse und See kaufte Würth für das Zentrum beim Hauptbahnhof Rorschach. Der grössere Teil ist nach Abbrüchen nun baureif. (Bild: Hardy Buob)

Konzernleiter und Mitarbeiter von Würth, Vertreter von Kanton und SBB, Unternehmer und Politiker von Stadt und Region, Mitarbeiter der Stadt und Planer finden sich zusammen zum ersten Spatenstich. Auf beide Seiten verteilen Redner von Konzern und Behörden viel Lob für die Abwicklung des Verfahrens in kürzester Zeit (Bericht auf Seite «ostschweiz»). Regie führt der Goldacher Beat Ulrich als Standortförderer des Kantons.

Das Interesse der Journalisten von Fernsehen, Radio und Zeitung konzentriert sich auf den Mann, der einen kleinen Betrieb in Deutschland zum Konzern mit 60 000 Mitarbeitern führte: Reinhold Würth, schon 60 Jahre beruflich engagiert und noch kein bisschen müde.

Vergabe der Aufträge läuft

21 500 Quadratmeter zwischen Churerstrasse und See belegt Würth. Nach Abbrüchen ist das Areal bereit. Mit den Vorarbeiten betraute Würth regionale Firmen wie Eberle oder Gerschwiler.

Den ersten grossen Brocken, die Baumeisterarbeiten, sicherte sich der international tätige Riese Strabag mit Hauptsitz in Österreich. Auf 150 Mio. Franken schätzt Würth die Kosten für Bau und Einrichtung der ersten Etappe (fast zwei Drittel des geplanten Komplexes). Michel Kern, Mitglied der Konzernleitung und Leiter der nach Rorschach ziehenden Würth International, sieht auch für Unternehmen der Region Chancen auf Aufträge. Wenn sie beim Preis mithalten können – und noch besser, wenn sie Würth-Kunden sind.

Auch öffentlich zugänglich

Bisher hat Würth in Rorschach etwa zehn Mitarbeiter. Mit dem Zentrum sollen es mittelfristig 200 bis 300 werden und könnten es einst 500 sein. Auch wer nicht bei Würth arbeitet, wird in dieses Gebäude gehen können – zum Beispiel bei Ausstellungen mit Kunstwerken aus der Sammlung von Reinhold Würth oder bei Anlässen regionaler Organisatoren im Kongresssaal mit 500 Plätzen. Wann die weitere Etappe gebaut wird, hängt vom Wachstum des Konzerns ab.

Michel Kern rechnet damit, dass sie innerhalb der «Vision 2020» (bis zum Jahr 2020 von 8 auf 20 Milliarden Euro Umsatz, von 60 000 auf 100 000 Mitarbeiter) kommt. Also bald nach der ersten.

Stadtpräsident Thomas Müller heisst Würth willkommen, angesichts von 89 Prozent Ja zum Bodenverkauf auch im Namen der Bürgerschaft.

Er erinnert daran, dass auf diesem Gelände schon früher ein deutscher Unternehmer tätig war: Claude Dornier mit seinem Wasserflugzeug «Libelle», bevor er die Flugzeugwerke in Altenrhein aufbaute.

In langer Tradition

Engagement ausländischer Unternehmer in Rorschach hat lange Tradition. Die Kaufmannsfamilien im Leinwandhandel waren aus Italien eingewandert. Den mit Abstand grössten Betrieb, die Feldmühle, gründeten Amerikaner.

Sogar die «Schweizerische Armeeconservenfabrik Rorschach», aus der sich Roco und Frisco entwickelten, hatte ein eingewanderter Deutscher gegründet.

ostschweiz 29

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