150 Jahre im Dienste der Kranken

Der Notker-Verein feiert heute nachmittag im Pfalzkeller in St. Gallen sein 150-Jahr-Jubiläum. Er ist einer der ältesten Vereine für Krankenpflege in der Schweiz und ein wichtiger Teil des städtischen Spitex-Systems.

Claudia Schmid
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Pionierprojekt: Das Notker-Stübli am Rosenbergweg 21 war die erste Tagesstätte für Demenzkranke in der Schweiz. (Bild: Peer Füglistaller)

Pionierprojekt: Das Notker-Stübli am Rosenbergweg 21 war die erste Tagesstätte für Demenzkranke in der Schweiz. (Bild: Peer Füglistaller)

Der Notker-Verein wurde 1865 von den katholischen Pfarreien Dom und St. Georgen gegründet. Während mehr als 100 Jahren führten Ordensschwestern des Instituts Menzingen die Krankenpflege aus. 1979 wurden die letzten Frauen ins Mutterhaus zurückgerufen. Der Verein stellte darauf diplomierte Krankenschwestern und Hauspflegerinnen ein. Heute beschäftigt er 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das Angebot umfasst den Spitex-Dienst, das Tagesheim Notker-Stübli am Rosenbergweg, eine temporäre Nachtstätte und Zusatzleistungen wie den betreuten Fahrdienst, den Wäschedienst oder Pédicure und Coiffeur.

Materielle Not als Auslöser

Zum 150jährigen Bestehen des Notker-Vereins ist eine Jubiläumsschrift erschienen. Bei seiner Gründung im 19. Jahrhundert sei die materielle Not gross gewesen, die Versorgung der Kranken ein Problem, werden darin die Zustände um 1865 beschrieben. «In den Anfängen ahnte noch niemand, dass dies der Beginn eines innovativen und vielfältigen Unternehmens sein sollte», sagt Heike Major, die seit 1983 Geschäftsführerin des Notker-Vereins ist. Bis heute erfolge ein stetiger Ausbau der Dienstleistungen. Major: «Lag in den Gründerzeiten der Schwerpunkt bei der Unterstützung der Armen, sind heute wirtschaftliches Denken und Handeln gepaart mit sozialem Engagement wichtige Bestandteile unseres täglichen Wirkens.»

Pioniergeist erhalten

Pionierarbeit leistete der Notker-Verein allerdings nicht nur in den Anfängen, sondern auch in der jüngeren Vereinsgeschichte. Ein Beispiel dafür ist das Notker-Stübli, das 2001 am Rosenbergweg 21 eröffnet wurde. Der Notker-Verein war damit die erste Spitex-Organisation in der ganzen Schweiz, die neben der Erbringung von Spitex-Leistungen auch noch ein Tagesheim führte.

Früher an zwei Wochentagen geöffnet, können heute Besucherinnen und Besucher mit einer Demenzerkrankung von Montag bis Freitag im Notker-Stübli verweilen und auch übernachten. Ziel des Angebots ist es, diesen Personen Lebensqualität zu bieten und die pflegenden Angehörigen zeitlich und wo nötig finanziell zu entlasten.

Leistungsauftrag der Stadt

Der Spitex-Dienst des Notker-Vereins erfüllt im Stadtkreis Centrum einen Leistungsauftrag der Stadt. Zu den Kerngeschäften zählen dabei die Krankenpflege und die Hauswirtschaft, die während sieben Tagen in der Woche angeboten wird. Auch an Sonn- und Feiertagen sowie in der Nacht decken die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter alle möglichen medizinischen Leistungen inklusive Körperpflege ab.

«Die Pflege der immer älter werdenden Generationen wird das Gesundheitswesen in Zukunft vor grosse Herausforderungen stellen», ist Heike Major überzeugt. Die Nachfrage nach Spitex-Leistungen werde ebenfalls stark zunehmen. Die Spitex-Organisationen müssten aber auch immer komplexere Anforderungen meistern. Als Beispiele dafür nennt die Geschäftsführerin des Notker-Vereins die Neuordnung der Pflegefinanzierung, die Zusammenarbeit mit der öffentlichen Hand, das ständig komplexer werdende Abrechnungssystem sowie die allgemein steigenden gesetzlichen Anforderungen für den Tätigkeitsbereich der Spitex.

Heike Major Geschäftsführerin Notker-Verein/Spitex Centrum (Bild: pd)

Heike Major Geschäftsführerin Notker-Verein/Spitex Centrum (Bild: pd)

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