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1000 M2: Kreative Stube auf Zeit

Das Gebäude an der Rorschacher Mariabergstrasse entwickelt sich zur Hochburg für kreatives Schaffen. Film, Malerei, Skulpturen, Druck – das Spektrum der Künstler ist breit. In zwei Jahren müssen sie die Räume wieder räumen. Ein Problem ist das nicht.
Jolanda Riedener
Skulpturen, Malerei und Musik: Künstler Patrick Benz arbeitet vielfältig und hat sich sein Atelier entsprechend eingerichtet.

Skulpturen, Malerei und Musik: Künstler Patrick Benz arbeitet vielfältig und hat sich sein Atelier entsprechend eingerichtet.

Jolanda Riedener

jolanda.riedener@tagblatt.ch

Der alte Holzboden im ersten Stock knarrt. Patrick Peyrots Schreibtisch steht vor einer Fensterfront. «Der Raum hat mir auf Anhieb gefallen», sagt der 39-Jährige, der Skulpturen macht und fotografiert. Im angrenzenden Zimmer ist Schwemmholz ausgelegt, dazwischen Metall – alles in Flussbeten oder Wäldern gefunden. «Die Skulpturen erzählen Geschichten», sagt er.

Ein Drittel des Gebäudes an der Mariabergstrasse ist zur Zwischennutzung vermietet, einer der Mieter ist Patrick Peyrot. «Je besser die Idee, desto günstiger die Miete», so lautet das Konzept der Besitzerin Isa Stürm, das bis 2020 läuft. Im Raum nebenan ist Peyrots Partnerin Beatrice Madach eingemietet. Die Filmschaffende lebt in Berlin. «In Berlin gibt es ein übersättigtes Angebot an Kunstschaffenden», sagt Peyrot. Anders in Rorschach. «Hier gibt es grosses Potenzial, das es zu Nutzen gilt. Freiräume sind deshalb wichtig für unsere Gesellschaft.» Mit seinem Atelier ist er glücklich. Auch mit dem fairen Preis. Es ist zentral gelegen, nahe an seiner Wohnung und der Schule, was er als Vater schätze. Der gelernte Reklamengestalter arbeitet neben seinem künstlerischen Schaffen als freier Mitarbeiter im Bereich Werbetechnik. Neben Skulpturen stellt er Fotografien her. «Das kreative Umfeld hier ist toll. Man motiviert sich gegenseitig. Das gibt eine positive Dynamik», sagt Peyrot. Er hoffe, dass er sein Atelier allenfalls noch länger als bis 2020 behalten kann. Andererseits sei es für ihn auch gut, nicht zu lange an einem Ort zu bleiben: «Dann kann man sich selber ­wieder reflektieren und etwas neues Angehen. Das hat auch etwas Gutes.»

Trennwand entfernt und Teppich entsorgt

Im Erdgeschoss hat sich Patrick Benz eingerichtet. Sein Atelier ist gross und hell, eine Trennwand hat er herausgebrochen. Den biederen Teppich herausgerissen. Stattdessen gibt es dort eine kleine Bühne und sogar eine Bar. «Ich bin kreativ tätig, seit ich 20 Jahre alt bin», sagt Benz. Der gelernte Steinbildhauer arbeitet seit 15 Jahren selbstständig. In seinem Atelier malt er vor allem. «Die Branche hat sich verändert», sagt Benz. Bildhauer seien weniger gefragt, Grabsteine würden immer häufiger importiert statt hier in Auftrag gegeben.

Benz wohnt seit einiger Zeit in Rorschach, lebte davor länger in St. Gallen. Zwischennutzung ist für ihn kein Fremdwort: In St. Gallen lebte er in einer ehemaligen Eisenbähnlerwohnung, heute Bahnhof Nord. «Wir hatten unseren Freiraum und das hat sehr gut funktioniert.» Im Rahmen des Zwischennutzungsprojekts hat er nun im September sein Atelier von St. Gallen nach Rorschach verlegt. Neben Skulpturen, Malerei oder Grabmäler, stellt er Druckgrafiken her und macht Musik. Mit Küttelbenz, ein Duo zusammen mit Richi Küttel, steht er hin und wieder auf Bühnen in der ganzen Schweiz. Obwohl er in vielen Bereichen tätig ist, sei ihm Qualität wichtig. «Mir geht es vor allem ums Thema. Kunstform und Material sind dabei untergeordnet.»

Gleich nebenan verschönert Dominik Fröhlich unter dem Pseudonym Da Leone Autos. Der 26-Jährige arbeitet an Beschriftungen, Folierungen, Textildrucken oder entwickelt Logos. «Ich finde des Zwischennutzungsprojekts eine gute Sache», sagt Fröhlich. Er schätze den Austausch mit den anderen Mietern. «Wir trinken ein Bier zusammen oder treffen uns zum Kaffee.» Für den benachbarten Vespaclub hat er auch Beschriftungen hergestellt. Das monatliche Treffen, bei dem sich die Mieter austauschen, habe er bisher aber leider wegen der Arbeitszeiten verpasst. Der Rorschacher ist Lastwagen-Chauffeur. Am Foliengeschäft arbeitet er in seiner Freizeit, zum Ausgleich, wie er sagt. Ausgefallene Muster, Länderflaggen oder Markenlogos druckt er auf Spezialfolie. Zurzeit läuft das Geschäft gut, dennoch kommt ihm das befristete Mietverhältnis entgegen: «Wer weiss schon, was in zwei Jahren ist.»

www.patrickbenz.ch

www.peyrot-contemplation.com

www.passionfruit-films.de

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