100 Tage im Kochamt und eine präsidiale SP

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Frischgewählte Politiker haben in der Regel eine Schonfrist von 100 Tagen. So lange wartet die Presse jeweils, bis sie um ein erstes Interview anfragt. Vreni Giger ist keine Politikerin, sondern Spitzenköchin mit 17 Gault-Millau-Punkten und wirtete bis vergangenen Sommer noch im St. Galler «Jägerhof». Seit neustem – seit 100 Tagen! – ist Giger im «Rigiblick» in Zürich tätig. Der «Tages-Anzeiger» nimmt diese runde Zahl zum Anlass für ein Interview. Vreni Giger verrät darin einiges. Zum Beispiel, dass sie im «Rigiblick» mit «100-prozentiger Konzentration» daran arbeiten müsse, dass aus möglichst jedem Gast ein Stammgast werde. Sie erzählt auch von den Startschwierigkeiten am neuen Ort: von Gästen, die zu lange auf die Rechnung warten mussten, und von Lieferanten, mit denen die Zusammenarbeit noch nicht klappe. Eine Pfanne habe sie heute nur noch selten in der Hand, sie probiere aber jede Sauce und helfe beim Anrichten der Teller. Das ist ein erfreulich handfestes Fazit – im Gegensatz zu den hohlen Phrasen, die viele Politiker nach 100 Tagen dreschen. (rbe)

Ebenfalls frisch im Amt ist US-Präsident Donald Trump. In den vergangenen Tagen hat er so viele Dekrete unterzeichnet, dass man sich im Internet schon darüber lustig macht. Satire kommt nun auch von unerwarteter Seite: Die kantonale SP hat ein Video veröffentlicht, in dem Parteisekretär Guido Berlinger-Bolt(Bild) den amerikanischen Präsidenten mimt. Mit ernster Miene und grosser Geste unterschreibt er eine «Executive Order Ja zur erleichterten Einbürgerung der dritten Generation». In einem anderen Video ist es ein Dekret gegen die Unternehmenssteuerreform III, wobei diesmal Berlinger-Bolts Kollege Dan Hungerbühler als Unterzeichner am Tisch sitzt. Merke: Bei der SP darf jeder einmal Präsident spielen. Und ob die Dekrete tatsächlich wirken, zeigt sich am Abstimmungssonntag. (rbe)