St.Gallen, Glarus und Graubünden prüfen gemeinsame Spitalplanung – Hanselmann wehrt sich gegen Kritik der FDP

Dass St.Gallen in der Spitalpolitik mit Graubünden und Glarus zusammenspannen will, kommt für die FDP unerwartet. Seriöse Planung sehe anders aus, kritisiert die Partei. Gesundheitschefin Heidi Hanselmann widerspricht. 

Adrian Vögele
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Die Region Sarganserland hofft, dass eine überkantonale Zusammenarbeit das Spital Walenstadt retten könnte.

Die Region Sarganserland hofft, dass eine überkantonale Zusammenarbeit das Spital Walenstadt retten könnte. 

Gian Ehrenzeller, KEYSTONE

Plötzlich nimmt die Diskussion über neue, grenzübergreifende Spitalregionen in der Ostschweiz Fahrt auf. Vor kurzem kündigte die St.Galler Gesundheitschefin Heidi Hanselmann an, eine gemeinsame Spitalliste mit den beiden Appenzell werde geprüft. Auch im Süden tut sich etwas: Am Montag traf sich Hanselmann mit ihren beiden Amtskollegen aus Graubünden und Glarus, Peter Peyer und Rolf Widmer. Die drei Gesundheitsdirektoren haben vereinbart, eine kantonsübergreifende Spitalplanung anzustreben. Sie werden ihren Regierungen bis Mitte Februar eine Absichtserklärung unterbreiten, wie es in einer Mitteilung der Kantone heisst. Zur Debatte steht eine Zusammenarbeit in allen Bereichen der stationären Versorgung – Akutsomatik, Psychiatrie, Rehabilitation. Die Abklärungen sollen zeigen, wie sich eine stärkere Kooperation auf die Patientenströme auswirken würde und wie die Tarife und Spitallisten ausgestaltet werden müssten. Die Kantonsspitäler Glarus und Graubünden hatten in der Vernehmlassung zur St.Galler Spitalstrategie bereits grenzübergreifende Modelle angeregt. Das Sarganserland hofft, dass am Spital Walenstadt dank einer Zusammenarbeit mit den beiden Nachbarkantonen ein stationäres Angebot erhalten bleibt.

Konkrete Auswirkungen auf Standorte noch offen

Das Ziel sei, dass alle drei Kantone die gleichen Kriterien für ihre Spitallisten anwenden würden, teilt Hanselmann auf Anfrage mit. «Erster Schritt dazu ist die gemeinsame Verabschiedung einer Absichtserklärung. In dieser werden Vorgaben und Ziele für das kantonsübergreifende Projekt formuliert und die Verbindlichkeit, diesen Weg zusammen zu gehen, bekräftigt.» Was eine solche Kooperation für die einzelnen Spitalstandorte bedeutet, ist noch offen. Jedenfalls wollen die Kantone Synergien nutzen, ohne das Angebot auszubauen.

Die St.Galler FDP, die schon lange eine grenzübergreifende Spitalplanung fordert, ist erfreut über den Inhalt dieser Ankündigung. «Der Zeitpunkt erstaunt aber», schreibt Fraktionschef Beat Tinner. «Erst vor kurzem schickte die Regierung eine neue Spitalstrategie in die Vernehmlassung – die Auswertung derselben ist aktuell im Gang und dennoch wartet die Gesundheitsdirektorin bereits mit neuen Ideen auf. Nach seriöser Planung und koordiniertem Vorgehen sieht das nicht aus.» Die FDP gehe nach dieser «Kehrtwende» davon aus, «dass es um die Spitäler noch viel prekärer steht, als die Regierung zugibt».

Das Kantonsparlament soll die Spitalstrategie, welche die Schliessung der stationären Abteilungen an fünf Standorten vorsieht, ab April beraten. Wann definitive Entscheide über kantonsübergreifende Spitalplanungen fallen, ist derzeit offen und hängt von allen beteiligten Kantonen ab.

Hanselmann sieht keinen Widerspruch zur Spitalstrategie

Hanselmann betont allerdings: «Wir sprechen hier von zwei Dingen, der Spitalplanung auf der obersten Planungsebene zum einen und der Spitalstrategie des Kantons, welche direkt auf die Spitalstandorte bezogen ist, zum andern.» In der kantonsübergreifenden Spitalplanung mit gemeinsamen Kriterien für die Spitallisten gehe es beispielsweise darum, welche Mindestfallzahlen erfüllt sein müssten, welche Vorgaben für Ausbildungsplätze bestünden und an wen welches Leistungsangebot vergeben werden solle. «Dieser Prozess behindert die Weiterentwicklung der Spitalstrategie nicht, er läuft parallel dazu.»

Die Gesundheitschefin wehrt sich auch gegen den Eindruck, die interkantonale Planung sei eine neue Idee. «Wir seitens des Kantons St. Gallen haben die interkantonale Zusammenarbeit schon lange und immer wieder gesucht. Für die Umsetzung braucht es aber Partner. Offensichtlich ist die Zeit jetzt reif, dass andere Kantone auf das Angebot der gemeinsamen Spitalplanung einsteigen, was erfreulich ist.»

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