ST.GALLEN: Für Notfälle gerüstet

Fahrsicherheit, Brandschutz, Erste Hilfe: Postauto Ostschweiz schult die Chauffeure, um bei Unfällen wie in St.Gallen gewappnet zu sein. Und wenn dem Fahrer schwarz vor Augen wird?

Christina Klein/Mengia Albertin
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Das in St.Gallen verunfallte Postauto. (Bild: Stapo SG)

Das in St.Gallen verunfallte Postauto. (Bild: Stapo SG)

Sieben Personen haben sich am Donnerstagabend bei einem Postauto-Unfall in der Stadt St.Gallen leicht verletzt und wurden ins Spital gebracht. Dem 60-jährigen Busfahrer soll schwarz vor Augen geworden sein, worauf er die Kontrolle über den Bus verloren hatte und frontal gegen einen Baum prallte. Er werde in den nächsten Tagen befragt, sagte Dionys Widmer, Mediensprecher der Stadtpolizei St.Gallen.

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Die Busfahrer tragen eine grosse Verantwortung. Wer in einen Bus einsteigt, legt seine Sicherheit in die Hände eines Unbekannten. "Unsere Chauffeure sind sich dessen zu 120 Prozent bewusst. Sie sind stolz darauf, so viel Verantwortung tragen zu dürfen", sagt Postauto-Sprecher Urs Bloch. Die Fahrer würden gründlich auf ihre Aufgabe vorbereitet. Das strenge Aufnahmeverfahren bestehe aus einer Theorieprüfung, Kontrollfahrten und dem verkehrspsychologischen "Schuhfried-Test". Dieser bewertet unter anderem die Reaktionszeit, Aufmerksamkeit und Konzentration. Zudem müssten alle potenziellen Chauffeure eine medizinische Eintrittsuntersuchung absolvieren – diese gewähre, "dass das künftige Fachpersonal der Arbeitsbelastung standhalten kann".

Regelmässig Tests und Kurse besuchen
Alle fünf Jahre müssen die Fahrer in eine ärztliche Kontrolluntersuchung, ab dem 50. Lebensjahr alle drei Jahre. Die Chauffeure müssen ausserdem regelmässig Pflichtkurse in einer internen Fahrschule besuchen. Dabei werden Themen behandelt wie Fahrsicherheit, Brandschutz oder der Umgang mit aggressiven Fahrgästen.

"Gesetzlich darf eine Arbeitsschicht nicht länger als fünf Stunden am Stück dauern", sagt Hans Koller, Mediensprecher von Bus Ostschweiz. Zwischendurch müsse eine Pause von einer halben Stunde gemacht werden. Fühle sich ein Fahrer unwohl, müsse er selber einen Ersatz suchen. Kommt es trotzdem zu einem Unfall, ist Postauto Ostschweiz vorbereitet. "Wird ein Fahrer in einen Unfall verwickelt, besteht jederzeit die Möglichkeit, praktische und emotionale Unterstützung zu bekommen." Bereits am Unfallort komme geschultes Personal zum Einsatz, um die Fahrer zu unterstützen. Sie müssen mit den Konsequenzen leben: Liegt die Schuld beim Fahrer, gibt es Fälle, in denen der Führerausweis entzogen werde. Dies komme selten vor, sagt Koller – "und auch nur dann, wenn die Fahrer das allgemein geltende Strassenverkehrsrecht verletzt haben".

Unfälle wie am Donnerstag gibt es nicht oft. Laut Postauto Ostschweiz wurden im vergangenen Jahr 35 Unfälle registriert – gemäss Koller "häufig durch Drittpersonen verschuldet".

Die psychischen Folgen nach solchen Ereignissen basierten häufig darauf, ob ein Unfall selbst- oder fremdverschuldet gewesen sei "und ob weitere Personen davon betroffen waren", sagt der freischaffende St.Galler Verkehrspsychologe Martin Keller. "Der Unfalllenker erholt sich jetzt erst einmal zu Hause", sagt Urs Bloch. "Wenn er sich bereit fühlt, kann er seine Arbeit wieder aufnehmen."
 

Notbremse bisher nur in Zügen

Dem Postautochauffeur wird plötzlich schwarz vor Augen, er kommt von der Strasse ab und prallt mit dem Postauto gegen einen Baum. Das Risiko, dass man als Passagier einen derartigen Unfall erlebt, ist klein. Und doch gibt es Tage, da ist man mittendrin. Was aber kann ein Fahrgast tun, um sich selber vor Verletzungen zu schützen? Und weiss jeder, was zu tun ist im Notfall?
 
"Ein Unfall wie am Donnerstagabend in St.Gallen ereignet sich meistens so schnell, dass man als Fahrgast kaum reagieren kann", sagt Urs Bloch, Mediensprecher der PostAuto Schweiz AG. Dennoch könne man einiges für seine Sicherheit tun. "In der Regel fährt man in einem Postauto am sichersten, wenn man sitzt oder sich gut an einer Stange festhält", sagt Bloch. Je nach Tageszeit sei das Postauto unterschiedlich gut gefüllt, und es sei nicht möglich, dass alle Fahrgäste einen Sitzplatz hätten. "Dann ist es sinnvoll, sich gut festzuhalten." Dies schützt in der Regel auch vor Stürzen.
 
Wie Urs Bloch sagt, kommt es am häufigsten zu einem Unfall, wenn ein Postautoschauffeur brüsk bremsen muss, weil ihm ein anderes Auto den Weg abschneidet oder ein Fussgänger unvermittelt auf die Strasse läuft.
 
"In Panik reagieren Menschen irrational"
Was eine allfällige Notruf-Auslösung nach einem Unfall betrifft, so läuft die Alarmierung der Rettungs-Einheiten für Postautos wie bei anderen Unfällen auch. "Intern wird nach einem Vorfall via Fahrdienstleiter die Abteilung Unternehmenssicherheit der Post und dann die entsprechende Abteilung von PostAuto informiert." Eine Notruf-Sprechanlage in den Fahrzeugen gibt es nicht. Ebenso wenig wie Plakate, die darauf hinweisen, was ein Passagier im Notfall zu tun hat. Laut dem Mediensprecher würde ein solches ohnehin nichts nützen. "Gerade wenn in einer Extremsituation Panik ausbricht, reagieren die Menschen oft völlig irrational", sagt Bloch. Ein Plakat würden die Fahrgäste gar nicht mehr lesen. Hinzu komme, dass jeder Unfall anders ablaufe. "Hier eine Formulierung zu finden, die allgemeingültig ist, ist fast unmöglich."
 
Apparate für Notfälle gibt es in Postautos dennoch. Gut markiert sind etwa die Fensterhämmer. "Die Fahrgäste wissen, dass sie diese im Notfall verwenden könnten", ergänzt Bloch. Neben den Nothämmern gibt es in Postautos auch Vorrichtungen, um eine allenfalls blockierte Türe von Hand öffnen zu können. Jedes Postauto ist gemäss dem Mediensprecher mit Feuerlöschgerät, Bordapotheke und Warnweste ausgerüstet. "Ausserdem besitzt jede Fahrerin und jeder Fahrer ein Handbuch mit Richtlinien und Checklisten, in dem genau geregelt ist, welche Sicherheitsvorkehrungen zu treffen sind und wie im Falle eines Ereignisses vorgegangen werden muss."
 
Zusätzlich würden die Postautos tagsüber mit Abblendlicht fahren, und seit dem 1. Januar 2007 sei jedes Fahrzeug ab Inverkehrssetzung mit einem digitalen Fahrtenschreiber ausgerüstet.
 
Postautos mit Fahrassistenten ausrüsten
Noch ist unklar, wie es zum besagten Unfall in St.Gallen kommen konnte. Für Aussenstehende stellt sich die Frage, ob ein allfälliger Notstopp einen derartigen Unfall nicht hätte verhindern können. In Zügen gibt es die Notbremse. In Postautos hingegen nicht. "Es ist aber gut möglich, dass die Hersteller in Zukunft auch in den Postautos Fahrassistenten einbauen, wie man sie schon von neueren Autos kennt", sagt Urs Bloch. Dazu könnte auch ein Bremsassistent gehören, der regiert, sobald sich das Postauto einem Hindernis nähert. (lex)