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ST.GALLEN: FHS St.Gallen gibt Verschwörungstheoretiker Daniele Ganser eine Bühne

Die Fachhochschule St.Gallen setzt bewusst auf Provokation: Sie lädt den umstrittenen Historiker Daniele Ganser an ihren Networking-Tag ein. Die Universität St.Gallen hat seinen Lehrauftrag nicht verlängert.
Katharina Brenner
Hat kürzlich seinen Lehrauftrag an der Universität St.Gallen verloren: der umstrittene Historiker Daniele Ganser. (Bild: pd)

Hat kürzlich seinen Lehrauftrag an der Universität St.Gallen verloren: der umstrittene Historiker Daniele Ganser. (Bild: pd)

«Ich finde, wir haben es mit der Einladung hervorragend getroffen.» Das sagt Sigmar Willi, Leiter FHS Alumni und Verantwortlicher des Networking-Tags an der Fachhochschule St.Gallen (FHS). Daniele Ganser ist als einer von vier Rednern bei der Veranstaltung am 7. September angekündigt. Der Historiker und Publizist stellt bei seinen Auftritten die offizielle Geschichtsschreibung in Frage und präsentiert Verschwörungstheorien.

«Daniele Ganser wird in seinem Vortrag seine Version der Geschichte der Schweiz erzählen. Die Zuhörer können sich dann ihr eigenes Bild machen», sagt Willi. Man vertraue auf die Fähigkeit des Publikums, zwischen Verschwörungstheorie und Wahrheit unterscheiden zu können. Die Fachhochschule setze mit Ganser sehr gezielt auf Provokation. Der Networking-Tag steht unter dem Motto «Der gute König – Demokratie auf dem Prüfstand».


Einladung erfolgte bereits im Spätherbst

Der Name Daniele Ganser und die St.Galler Hochschulpolitik hatten erst vor wenigen Tagen Schlagzeilen gemacht, als publik wurde, dass die Universität St. Gallen Gansers Lehrauftrag nicht verlängert. «Die Einladung erfolgte im Spätherbst, also vor der Aufregung um den Lehrauftrag an der Universität St.Gallen», sagt Willi.

Für andere Teilnehmer des Networking-Tags kommt die Einladung Gansers überraschend. Im Anschluss an die vier Vorträge sprechen am Nachmittag auf einem Politpodium neben anderen FDP-Präsidentin Petra Gössi, der St.Galler SP-Ständerat Paul Rechsteiner und der St.Galler SVP-Nationalrat Roland Rino Büchel. Alle drei wussten bis gestern nicht, dass Ganser am Networking-Tag einen Vortrag halten soll. «Es stört mich nicht, wenn Daniele Ganser an diesem Anlass auftritt», sagt Büchel.

«Dort gibt es Gelegenheit, ihm zu widersprechen»

«Auf einem Podium vertrete ich meine Meinung – unabhängig davon, was im Vorfeld referiert wurde», sagt FDP-Präsidentin Petra Gössi. Sie nimmt am 7. September am Politpodium des Networking-Tags teil, den die Fachhochschule St.Gallen (FHS) ausrichtet. Wenige Stunden zuvor wird Daniele Ganser einen Vortrag zum Thema «Geschichte und Gegenwart der Schweizer Demokratie» halten. «Die FHS muss selber wissen, wen sie einladen und welche Inputs sie am Networking-Anlass haben will», sagt Gössi. Und die FHS weiss, wen sie einlädt: Sie setzt mit Ganser gezielt auf Provokation. «Der Networking-Tag ist keine trockene, wissenschaftliche Veranstaltung», sagt der Verantwortliche und Leiter FHS Alumni, Sigmar Willi. Von der Wissenschaftlichkeit kommt Ganser immer wieder ab. Die ETH entliess den Historiker, nachdem er die offizielle Version zu den Anschlägen vom 11.September in Frage gestellt hatte. Ebenso wirft Ganser die Frage auf, ob hinter Terroranschlägen statt Islamisten westliche Geheimdienste steckten.

«Es spricht im Sinne der Meinungsfreiheit nichts dagegen, dass an einer solchen Veranstaltung auch spezielle Typen auftreten. Dort gibt es ja auch Gelegenheit, ihm zu widersprechen», sagt der St.Galler SVP-Nationalrat Roland Rino Büchel, der neben Gössi am Networking-Tag auf dem Politpodium sitzen wird. Er finde es sogar besser, solche Diskussionen direkt zu führen, statt Meinungen über die sozialen Medien zu verbreiten. Dort hat Ganser viele Anhänger. «Ich war schockiert, wie aggressiv die Community um Ganser reagierte», sagt Medienpionier und Autor Roger Schawinski in der «Ostschweiz am Sonntag» (Ausgabe vom 8. April). Er war am 24. Februar 2017 Gast in der «Arena»-Sendung, in der Ganser und Moderator Jonas Projer aneinander gerieten.

Politikwissenschafter als Moderator

Der Moderator am Networking-Tag, ein Politikwissenschafter, werde eingreifen, sollten Gansers Ausführungen zu weit gehen, sagt Willi. Dass die Einladung Gansers dem Ruf der Fachhochschule schaden könnte, glaube er keineswegs. «Ganz im Gegenteil.» Während die FHS auf Ganser setzt, hat sich die Universität St.Gallen kürzlich von ihm getrennt. Sein Lehrauftrag wurde gestrichen – wie 2016 an der Universität Basel. Beides Mal begründet mit einer Neuorganisation. Gegenüber der «Schweiz am Sonntag» sprach der verantwortliche Geschichtsprofessor an der HSG von einer Reform des Studiengangs: Wie bei allen anderen Betroffenen «war medialer Druck kein Entscheidungskriterium». Ganser sieht das anders. Anfang Woche schrieb er auf Facebook: «Meine Vorträge zu 9/11 und WTC7, die auf Youtube publiziert wurden, haben auch beim Entscheid der Universität St.Gallen eine gewichtige Rolle gespielt.» Wer an einer Schweizer Universität arbeite und kritische Fragen zu 9/11 stelle, riskiere seinen Job. (kbr)

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