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ST.GALLEN: Einfach nur da sein

Der Ostschweizer Filmemacher Thomas Lüchinger porträtiert in seinem neuen Film vier Personen aus unterschiedlichen Kulturen, die Menschen in der letzten Phase ihres Leben begleiten. Die St.Gallerin Elisabeth Würmli ist eine von ihnen.
Marion Loher
Elisabeth Würmli: «Ich versuche herauszuspüren, was die Sterbenden brauchen.» (Bild: Urs Bucher)

Elisabeth Würmli: «Ich versuche herauszuspüren, was die Sterbenden brauchen.» (Bild: Urs Bucher)

ST.GALLEN. Elisabeth Würmli hat keine Angst – weder vor dem Sterben noch vor dem Tod. «Ich glaube fest daran, dass nach dem Tod etwas Gutes kommt und die Seele weiterlebt», sagt sie. Die 58jährige St.Gallerin begleitet schwerkranke und sterbende Menschen in der letzten Phase ihres Lebens. Ziel ist es, Betroffenen und Angehörigen die Lebensqualität so lange wie möglich zu erhalten oder diese sogar noch zu fördern. Umgangssprachlich ist dabei oft von Sterbebegleiterin oder Sterbehelferin die Rede. Fachorganisationen wie Palliative Ostschweiz wehren sich allerdings gegen diese Begriffe, da sie meistens mit Sterbeorganisationen wie Exit oder Dignitas in Verbindung gebracht werden.

Damit hat Elisabeth Würmli nichts zu tun. Sie arbeitet seit gut drei Jahren freiwillig für den Hospiz-Dienst St.Gallen. Und seit neuestem wirkt die verheiratete Mutter eines erwachsenen Sohnes auch in einem Film mit, genauer gesagt in Thomas Lüchingers Dokumentarfilm «Being There – da sein». Ein Film über vier Personen aus unterschiedlichen Kulturkreisen, die Menschen in ihrer letzten Lebensphase begleiten (siehe Zweittext).

«Bei Lüchingers Film mitzumachen, war eine schöne Erfahrung», sagt Elisabeth Würmli, obwohl sie sich zuerst schon habe daran gewöhnen müssen, immer von einem Kamerateam begleitet zu werden. Und das auch während sehr persönlichen Momenten, etwa als sie am Bett einer älteren Frau sass und mit ihr deren letzten Stunden des Lebens verbrachte. Das sei sehr emotional gewesen, erinnert sie sich. Mehr als drei Monate haben die Dreharbeiten gedauert. Mit der Zeit habe sie die Kamera und das Team im Raum jedoch gar nicht mehr bemerkt.

Nach 30 Jahren als Lehrerin kam es zum Bruch

In einem Film hat Elisabeth Würmli noch nie mitgemacht. Aber es war ihr nicht ganz fremd, vor einem grösseren Publikum zu sprechen. Bevor sich die St.Gallerin zur freiwilligen Begleiterin des Hospiz-Dienstes ausbilden liess, hatte sie als Lehrerin während beinahe 30 Jahren Bewegung und Sport unterrichtet, zuletzt an der Kantonsschule Burggraben.

Elisabeth Würmli investierte viel Zeit und Energie in ihren Beruf. Als Lehrerin hatte sie einen hohen Anspruch an sich selber. Die Angst, zu versagen, trieb sie immer weiter an, immer noch mehr zu tun. An einen erholsamen Schlaf war über Jahre nicht zu denken. Das rächte sich. Plötzlich ging nichts mehr. Sie erlitt einen Zusammenbruch. Diagnose: Burn-out. Die Sportlehrerin wurde krank geschrieben. Sie machte eine Therapie, begann zu meditieren. Sie entschied sich, ihren Beruf an den Nagel zu hängen und etwas Neues zu wagen. Das war vor über fünf Jahren.

«In Kontakt mit Schwerkranken und Sterbenden bin ich bereits während meiner Zeit als Lehrerin gekommen.» Sie hatte eine gute Freundin, die schwer erkrankt war, bis zu ihrem Tod begleitet. Und auch eine ältere kranke Frau, die im Altersheim lebte, besuchte sie regelmässig und kümmerte sich um sie bis zu ihrem Lebensende.

Respekt vor dem Mysterium Tod

Die Hospiz-Mitarbeitende bezeichnet die Arbeit mit Schwerkranken und Sterbenden als Seelenarbeit. Für sie gehören Körper, Geist und Seele zusammen. «In der letzten Phase des Lebens aber ziehen sich Körper und Geist langsam zurück und die Seele rückt in den Mittelpunkt.» Dann etwas für die Seele zu tun, sei besonders wichtig. Elisabeth Würmli versucht zu spüren, was die Menschen, die sie begleitet, brauchen. «Manchmal ist es ein liebes Wort oder eine Berührung. Einige finden zur Ruhe, wenn ich singe, leise Musik spiele oder eine Geschichte vorlese.» Oft jedoch genüge es, einfach nur da zu sein, dem Schwerkranken oder Sterbenden das Gefühl zu geben, dass er nicht alleine sei.

Trotz der Nähe zu sterbenden Menschen hat die 58-Jährige «grossen Respekt» vor dem Mysterium Tod. «Mit- und Feingefühl sind unabdingbar, um Menschen in dieser Lebensphase beizustehen.»

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