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ST.GALLEN: Ein Pilz soll Masten vor Pilzen schützen

Die St.Galler Firma Mycosolutions hat ein Produkt entwickelt, das Telefonmasten langfristig schützt. Die Swisscom erhofft sich dadurch erhebliche Kosteneinsparungen.
Christina Klein
Die Swisscom plant, statt umweltschädlicher Stoffe einen Pilz zum Schutz ihrer Holzmasten einzusetzen. (Bild: Patrick W. Zimmermann/Getty)

Die Swisscom plant, statt umweltschädlicher Stoffe einen Pilz zum Schutz ihrer Holzmasten einzusetzen. (Bild: Patrick W. Zimmermann/Getty)

In der Schweiz stehen rund eine halbe Million Telefonmasten aus Holz. Die Swisscom möchte die Verwendung umweltschädlicher Holzschutzstoffe verringern. Diese werden gebraucht, um die Masten vor holzzersetzenden Pilzen zu schützen. Das Biotech-Unternehmen Mycosolutions, ein Ableger der Empa, hat dafür ein Produkt entwickelt. «In der Natur gibt es für jeden Schädling auch einen Nützling», sagt Francis Schwarze, der Gründer von Mycosolutions. Die Lebewesen würden in der Natur ihr Gleichgewicht beibehalten. Als Beispiel nennt Schwarze Blattläuse, die Blätter fressen, und Marienkäfer, die wiederum diese Läuse fressen, was dafür sorgt, dass weniger Pflanzen geschädigt werden. Dieses Prinzip war Vorbild für Schwarzes Forschung. Er suchte und fand einen natürlichen Gegenspieler für den Schaden­erreger – einen Pilz. Das Projekt wurde im Rahmen der Kommission für Technologie und Innovation des Bundes gemeinsam mit der Swisscom entwickelt. Für diesen Zweck züchtete Schwarze auf Maisspindelgranulat den Pilz Trichoderma harzianum.

Die Swisscom führt momentan einen erweiterten Feldversuch durch, wobei rund 3000 Holzmasten mit dem Granulat behandelt werden. «Wir erwarten eine erhebliche Kostenreduktion durch das Pilzprodukt», sagt der Leiter der technischen Verwaltung der Swisscom, Mark Neuhaus. Momentan haben die Holzmasten in der Schweiz eine «Lebensdauer» von rund 30 Jahren. Laut Neuhaus wurden auch alternative Materialien getestet. Holz sei aber nach wie vor die beste Lösung für die Masten und werde auch in Zukunft verwendet werden. Und Francis Schwarze sagt, dass 30 Jahre im Vergleich zu den Nachbarländern eine ­lange Zeitspanne seien. Erreicht werde das nur durch Bor, das resistent gegen holzzersetzende Pilze ist, dafür aber den Boden und das Holz auslaugt. Der giftige Stoff würde ins Grundwasser gelangen und so der Umwelt und den Menschen schaden.

Weniger Giftstoffe und längere Haltbarkeit

Durch das neue Pilzprodukt kann die Haltbarkeitsdauer der Holzmasten erhalten oder sogar erhöht werden – und das bei ­Verwendung deutlich weniger gif­tiger Stoffe. Telefonmasten werden üblicherweise mit einer Lösung aus Kupfer und dem Bindemittel Chrom imprägniert. Doch keiner dieser Stoffe kann den Moderpilz aufhalten. Deshalb wird auf Bor zurückgegriffen. Mit dem Pilzgranulat kann die Metallkonzentrationen vermutlich erheblich reduziert werden.

«Das Projekt war eine vor­ausschauende Handlung», sagt Mark Neuhaus von der Swisscom. Noch gebe es kaum Probleme mit den Masten. Jedoch sei es wahrscheinlich, dass Bor und Chrom hierzulande irgendwann verboten werden, da sie es in anderen Ländern teilweise schon sind. In diesem Fall hätte die Swisscom eine Alternative. Noch ist das neue Pilzprodukt nicht zugelassen. Läuft beim Feldversuch aber alles wie geplant, soll der Pilz – sobald die Zulassung eingeholt wurde – flächendeckend zum Einsatz kommen.

Christina Klein

christina.klein

@tagblatt.ch

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