ST.GALLEN: Digitale Revolution an der Uni

Die Universität St.Gallen widmet ihren Festtag zentralen Entwicklungen in Wirtschaft und Gesellschaft: Digitalisierung und schwindendes Vertrauen. Lord Griffiths, Moderator des St. Gallen Symposiums, ernennt sie zum Ehrensenator.

Fritz Bichsel
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Brian Griffith (rechts), Lord of Fforestfach, wird zum Ehrensenator der HSG ernannt. (Bild: Urs Bucher)

Brian Griffith (rechts), Lord of Fforestfach, wird zum Ehrensenator der HSG ernannt. (Bild: Urs Bucher)

ST.GALLEN. Traditionen prägen den öffentlichen Dies academicus der unter ihrem einstigen Namen HSG bekannten Uni mit Vorlesung am Freitagabend und Treffen mehrerer hundert Leute am Samstag: farbiger Auftritt von Studentenverbindungen, Festansprachen, Auszeichnungen für Verdienste, Musik – dieses Jahr vom vierzigköpfigen Kammerchor der Kantonsschule am Burggraben –, unter den Teilnehmern die Spitzen von Kantonsrat und Kantonsregierung sowie prominente Vertreter von Bildung und Wirtschaft. Thematisch befasst sich die Universität auf dem Rosenberg am Festtag aber mit Fragen zur Zukunft.

Weltweite Bedeutung bewahren

Mit gut 8000 Studierenden ist die Uni St. Gallen im weltweiten Vergleich klein. In den Wirtschaftswissenschaften hat sie jedoch eine grosse und eine der weltweit führenden Fakultäten.

Die Digitalisierung verändere auch alle Tätigkeitsfelder einer Universität, erläutert Rektor Thomas Bieger in seiner Rede. Wie die «Industrie 4.0» bedinge das eine «Universität 4.0». Mit der Globalisierung als einer der Folgen der Digitalisierung konzentrierten sich Budgets und führende Köpfe auch bei Universitäten auf weniger Standorte. Dabei wolle die Uni St. Gallen «noch deutlicher zu jenen gehören, die zumindest in einzelnen Forschungsfeldern eine globale Ausstrahlung haben».

Digitale Technik verändert das Lehren und Lernen. Die Uni St. Gallen erarbeitet hier Innovationen, persönliche Betreuung bleibt aber zentral, wie Thomas Bieger betont. Für die Forschung und für die Anwendung von Wissen zur Digitalisierung sieht der Rektor Herausforderungen bis zu neuen Führungsmodellen, von einzelnen Unternehmen bis zu internationalen Organisationen. Den Sozialwissenschaften falle die Aufgabe zu, diese Entwicklungen kritisch zu begleiten.

Glaube an den Pioniergeist

«St. Gallen war immer eine Pionierin in der Umsetzung neuer Technologien», sagt Rektor Bieger. «So sind wir auch heute zuversichtlich, dass die vom Bildungsdepartement, der Industrie- und Handelskammer und weiterer Akteuren beabsichtigte Informatikoffensive erfolgreich sein wird und die HSG einen wesentlichen Beitrag dazu leisten wird.» Der Präsident der Studentenschaft, Dardan Zeqiri, sieht die Zukunft von Lehre und Forschung digital. Trotzdem bleibe Bildung ein sozialer Prozess mit direktem Austausch unter Menschen. Universitäten würden also nicht überflüssig. Zur HSG sagt Dardan Zeqiri, es bestehe Gefahr, dass sie in Mittelmässigkeit abrutsche. Er sieht aber bereits Ansätze und weitere Chancen, dies zu verhindern. Mit den Folgen des schwindenden Vertrauens in Politik, Unternehmen oder Medien befasst sich Professorin Antoinette Weibel. Sie zeigt auf, dass dieser Verlust teuer zu stehen kommt. Und dass Vertrauen auch durch weitgehende Kontrolle nicht ersetzt werden könne, auch nicht durch teure Systeme wie bei Banken. Für Unternehmen sei das Bewahren von Vertrauen durch entsprechende Betriebskultur nicht allein bei Kunden, sondern auch bei den Mitarbeitenden ein entscheidender Erfolgsfaktor.

Ehrungen und Auszeichnungen

Brian Griffiths – als Lord of Fforestfach Mitglied des britischen Oberhauses – wurde als Moderator zum Gesicht des St. Gallen Symposium der HSG. Für seine Verdienste ernennt ihn die Universität zum Ehrenmitglied ihres Senats.

Für herausragende Forschungstätigkeit verleiht die HSG vier Wissenschaftern die Ehrendoktorwürde: Yakow Amihuid (USA), Ajay Kohli (USA), Lilija Schewzowa (Russland/England) und Peter Wakker (Niederlande). Alle Geehrten nehmen die Auszeichnung persönlich entgegen in St. Gallen. Feiern kann die Uni auch die Auszeichnung ihres Assistenzprofessors Emmanuel Alloa: Die Fondation Lastis Internationale in Genf verleiht ihm ihren diesjährigen Preis zur Förderung junger Forscher.