ST.GALLEN: Die App, die Leben rettet

Am Mittwoch hat die Kantonspolizei St.Gallen ihre neue Notruf-Applikation vorgestellt. Dank einem genauen Ortungssystem und der automatischen Übermittlung von Krankheitsdaten soll die Webanwendung Leben retten - und der Polizei die Arbeit erleichtern.

Adrian Grzonka
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Das entsprechende Symbol antippen, und schon ist der Notruf ausgelöst. Die neue retteMi.ch Webanwendung übermittelt mit dem Notruf  genauste Informationen über den Standort sowie die Gesundheitsdaten des Hilferufenden. (Bild: Urs Bucher)

Das entsprechende Symbol antippen, und schon ist der Notruf ausgelöst. Die neue retteMi.ch Webanwendung übermittelt mit dem Notruf genauste Informationen über den Standort sowie die Gesundheitsdaten des Hilferufenden. (Bild: Urs Bucher)

ST.GALLEN. Einmal mit dem Finger über den Bildschirm streichen, die App antippen und den Notruf auslösen – so einfach kann mit der neu lancierten Web-Applikation der Kantonspolizei in Notsituationen Hilfe angefordert werden. Nicht nur einfach und schnell ist die Webanwendung, sie übermittelt auch genaue Angaben zum Standort des Hilferufenden sowie deren Krankheitsdaten – Informationen, die unter Umständen über Leben und Tod entscheiden.  "Mit der App können wir sicherstellen, dass die richtige Hilfe so schnell wie möglich an den richtigen Ort gelangt", sagt Gian Andrea Rezzoli, Mediensprecher der Kantonspolizei St.Gallen.

Der schlaue Lebensretter
"Die neue App, welche das Ostschweizer Polizeikonkordat zusammen mit den Kantonen Freiburg und Waadt entwickelt hat, ist eine Weiterentwicklung des Smartlocators, welchen die Kantonspolizei bereits seit zwei Jahren erfolgreich nutzt", sagt Aurelio Zaccari, Leiter der Kantonalen Notrufzentrale St.Gallen. Der Smartlocator - ein intelligentes Ortungssystem, welches den Standort der per Anruf Hilfe anfordernden Person genau bestimmt - habe die Rettung schon mehrfach vereinfacht. "Oft wissen Leute nicht genau, wo sie sich befinden." Dies habe sich in den letzten Jahren mit der permanenten Verfügbarkeit von Ordnungssystemem wie GPS verstärkt. Speziell in den Bergen könne die Ortung lebensrettend sein. "Im Juli diesen Jahres etwa haben wir einen Anruf eines Fotografen erhalten, der auf der Seebenalp bei Oberterzen in der Nacht Sterne fotografiert hat." Der Verletzte habe nur sagen können, dass er sich bei einer Hütte am See befinde. Dank des Smartlocators, mit dem der Verunfallte mittels SMS der Notrufzentrale bestätigen kann, dass seine Koordinaten für die Rettung verwendet werden dürfen, habe eine aufwendige Ortung mit Suchtrupps vermieden werden können - und der Fotograf schnellstmöglich aus einer gefährlichen Situation befreit werden können.

Genau und schnell
Der erprobte Smartlocator wurde nun in das neue Rettungs-App (www.rettemich.ch) integriert, welche es für diverse Betriebssysteme gibt. Wird sie aufgerufen, kann der Hilfesuchende zwischen den verschiedenen Notfallnummern 112, 117, 118 und 144 auswählen. Danach wird er direkt mit der jeweils nächsten Notrufzentrale verbunden. Der dort Angewählte erhält mit dem Anruf die genauen Ortungsdaten sowie Gesundheitsdaten wie Blutgruppe, Allergien und chronische Erkrankungen, welche der Nutzer bereits bei der Inbetriebnahme der Webanwendung eingegeben hat.

Schnelle Übermittlungs-App liess sich Zeit
Bis die schnelle Notruf-App benutzt werden konnte, ist einige Zeit vergangen. Die neue Applikation sollte gemäss Plänen der Polizei bereits Anfang Juli zur Verfügung stehen. In der Folge verzögerte sich dann allerdings die Freigabe im Apple Store.

Für die Installation, Dokumentation und Inbetriebnahme der Webanwendung hat die Kantonspolizei St.Gallen insgesamt 16'000 Franken aufgewendet - mehr als die anderen beteiligten Polizeikorps. Für Benutzer ist die App kostenlos.