ST.GALLEN: Das grosse Schweigen über Schüsse vom Spielplatz

Auf einem Spielplatz an der Burgstrasse sind Schüsse gefallen. Der Vorfall geschah bereits im April 2016, doch weder Kantonspolizei noch Staatsanwaltschaft wollen sagen, was genau passiert ist.

Tim Naef
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Auf welchem St. Galler Spielplatz genau geschossen wurde, bleibt vorerst unklar. (Bild: Trix Niederau (30. Mai 2005))

Auf welchem St. Galler Spielplatz genau geschossen wurde, bleibt vorerst unklar. (Bild: Trix Niederau (30. Mai 2005))

Tim Naef

tim.naef

@tagblatt.ch

«Der Beschuldigte schoss mit einer Schusswaffe vom Kinderspielplatz her zweimal auf den Geschädigten», schreibt die Kantonspolizei St. Gallen. Als Ortsangabe wird die Burgstrasse in St. Gallen angegeben, als Tatzeitpunkt der 16. April 2016. Kommuniziert wurden die Vorkommnisse allerdings erst am Montag an der jährlichen Medienkonferenz zur Kriminalstatistik. Doch: Wer hat geschossen? Und auf wen? Wurde jemand verletzt? Und wenn ja, wie schwer? – Viele Fragen bleiben unbeantwortet. Auf Nachfrage verweist die Kantonspolizei an die Staatsanwaltschaft St. Gallen. Doch auch da winkt man ab. «Ich kann nichts zu den Vorkommnissen an der Burgstrasse sagen», sagt Mediensprecher Andreas Baumann. Auf weiteres Nachhaken entgegnet er: «Es handelt sich um ein laufendes Verfahren. Jegliche weitere Auskunft würde die gesamten Strafuntersuchungen gefährden.»

«Kriminalstatistik ist Sache der Kantonspolizei»

Doch wenn sich niemand zur Straftat äussern will, weshalb wurde sie überhaupt veröffentlicht? Die Kantonspolizei begründet das Vorgehen mit dem ­standardisierten Verfahren rund um die Krimi­nalstatistik. «Sämtliche Fälle werden erfasst und an das Bundesamt für Statistik weitergeleitet», sagt Mediensprecher Gian Andrea Rezzoli. «Diese Fälle werden dann automatisch publik gemacht.» Baumann pflichtet bei: «So, wie die Kantonspolizei den Fall beschrieben hat, geht das für die Staatsanwaltschaft in Ordnung – mehr kann nicht gesagt werden.» Rezzoli verweist darauf, dass die Beschreibung in der Kriminalstatistik zum Fall Burgstrasse sehr kurz sei und keine weiteren Schlüsse zulasse. «Für die Kantonspolizei ist der Fall abgeschlossen.»

Auf die allgemeine Frage, wann und weshalb über ein ­Verbrechen kommuniziert wird, zitiert Rezzoli Artikel 74 der Schweizerischen Strafprozessordnung. Dieser besagt, dass über hängige Verfahren nur orientiert wird,

• wenn die Bevölkerung bei der Aufklärung einer Straftat mitwirken kann;

• zur Warnung oder Beruhigung der Bevölkerung;

• zur Richtigstellung unzutreffender Meldungen oder Gerüchte

• oder wegen der besonderen Bedeutung eines Straffalles. Da weder die Kantonspolizei noch die Staatsanwaltschaft über den Fall orientiert haben, ist offenbar beim vorliegenden Fall keines der Kriterien erfüllt.

Was an jenem 16. April 2016 an der Burgstrasse wirklich geschehen ist, wird wohl erst im Rahmen eines Gerichtsverfahrens geklärt.