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Kommentar

St.Gallen braucht dringend junge Ärzte

Am 10. Juni entscheidet das St.Galler Stimmvolk über die Einführung eines medizinischen Masterstudiums. Warum die Vorlage ein Ja verdient.
Andri Rostetter
Ärztinnen vor der Notaufnahme des Kantonsspitals St.Gallen. (Bild: Ralph Ribi)

Ärztinnen vor der Notaufnahme des Kantonsspitals St.Gallen. (Bild: Ralph Ribi)

Andri Rostetter, stv. Chefredaktor

Andri Rostetter,
stv. Chefredaktor

Es waren chaotische Szenen, die sich Mitte Mai in einer Arztpraxis in Abtwil abspielten. Das Telefon klingelte pausenlos, Menschen standen Schlange bis ins Treppenhaus, der Betrieb war lahmgelegt. Der Grund für den Aufruhr: Der Arzt hatte das Ende seiner Praxis angekündigt. So heftig fallen die Reaktionen zwar selten aus, wenn eine Praxis schliesst. Doch das Beispiel zeigt, wie rasch Ängste hochkochen, wenn es um die medizinische Grundversorgung geht.

Diese Sorgen sind durchaus begründet. In der Ostschweiz gibt es zu wenig Ärzte. Das Problem wird sich in den kommenden Jahren verschärfen. Die Hälfte der Mediziner in der Grundversorgung im Kanton St. Gallen ist über 55 Jahre alt. Werden keine Nachfolger gefunden, dürften Dutzende Praxen geschlossen werden. Allgemeinmediziner fehlen überall, auch im Ausland. Um Personal aus der Schweiz anzulocken, investieren grenznahe deutsche Spitäler in die Ausbildungsmöglichkeiten für ihre Ärzte. Auch Arbeitsbedingungen und Löhne werden im Ausland zunehmend attraktiver. Die ersten deutschen Ärzte kehren der Schweiz deshalb bereits den Rücken.

Nur ein Bruchteil der Ärzte kehrt zurück

Für die Ostschweiz sind solche Nachrichten besonders beunruhigend. Abgesehen vom Tessin gibt es schweizweit keine Region, die derart stark von ausländischen Medizinern abhängig ist. Mittlerweile stammen 44 Prozent der Ärzte im Kanton St. Gallen aus dem Ausland. In der Ostschweiz verschärft sich die Lage durch einen entscheidenden Nachteil: Hier werden keine Ärzte ausgebildet. Wer Medizin studieren will, muss nach Zürich, Basel oder Bern gehen. Von den fertig ausgebildeten Ärzten kehrt nur ein Bruchteil in die Ostschweiz zurück. Die meisten bleiben in der Region, in der sie ihr Studium absolviert haben. Genau hier setzt der St. Galler Medical Master an: Angehende Ärztinnen und Ärzte sollen ihren Abschluss künftig in St. Gallen machen können – und dann in der Ostschweiz bleiben.

Das Vorhaben ist ambitioniert, aber nicht überrissen. Schon seit 2009 arbeiten das St. Galler Kantonsspital und die Universität Zürich in der Ärzteausbildung zusammen. Für den geplanten Medical Master wird diese Kooperation ausgeweitet. Künftig soll sich die Universität St. Gallen massgeblich an der Ausbildung der Ärzte beteiligen. Entsprechend ausgerichtet ist das Lehrangebot: Die angehenden Mediziner sollen auf dem Rosenberg in Management und Governance geschult werden – angesichts der steigenden Kosten und der zunehmend komplexeren Strukturen des Gesundheitswesens eine zukunftsträchtige Kombination. Das gilt auch für die Interprofessionalität der Ausbildung: Studentinnen und Studenten, die sich für St. Gallen entscheiden, werden einen Teil ihrer Ausbildung mit angehenden Pflegefachleuten im gleichen Hörsaal verbringen. Sinnvollerweise ist deshalb auch die St. Galler Fachhochschule mit ihrer Pflegeausbildung eingebunden.

Überschaubare Kosten

Personal und Infrastruktur sind weitgehend vorhanden. Das Kantonsspital hat schon heute 40 Medizinprofessoren auf der Lohnliste, die Uni St. Gallen verfügt über jahrzehntelange Erfahrung im Aufbau von Studiengängen. Und mit Zürich steht ein starker Partner im Hintergrund. Die Kosten bleiben überschaubar: Der Staatsbeitrag soll sich ab 2024 auf jährlich 5,8 Millionen Franken belaufen. Schon heute zahlt der Kanton St. Gallen für die Ärzteausbildung pro Jahr 3,7 Millionen Franken an auswärtige Universitäten. Die effektiven Mehrkosten lägen damit bei 2,1 Millionen – oder 4 Franken pro Einwohner.

Der Medical Master wäre nicht nur mit Blick auf die Ärztesituation ein Gewinn. Mit einer schweizweit einzigartigen Ausbildung für die medizinische Grundversorgung könnte St. Gallen seinen Ruf als exzellenter Bildungsstandort stärken. Das wäre für die gesamte Region ein willkommener Impuls. Die Vorlage verdient deshalb ein Ja.

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