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ST.GALLEN: Am Ende wurde es noch politisch

Eigentlich war der Besuch von EU-Botschafter Michael Matthiessen in St. Gallen als eher apolitische Exkursion geplant. Eine aktuelle Nachricht aus Brüssel kam dann aber in die Quere.
Richard Clavadetscher
EU-Botschafter Michael Matthiessen lässt sich die Fisba-Produktion erklären. Rechts von ihm die Regierungsräte Benedikt Würth und Fredy Fässler. (Bild: Urs Bucher)

EU-Botschafter Michael Matthiessen lässt sich die Fisba-Produktion erklären. Rechts von ihm die Regierungsräte Benedikt Würth und Fredy Fässler. (Bild: Urs Bucher)

Richard Clavadetscher

richard.clavadetscher@tagblatt.ch

Doch, St. Gallen und die Ostschweiz wissen zu beeindrucken. Wenn sie dies nicht mit der Landschaft tun können wie am gestrigen schneereichen und neblig-düsteren Tag, sind da noch ­weitere Trümpfe zur Hand: die Hightech-Firma Fisba AG in St. Gallen etwa.

Beeindruckt war gestern ­niemand Geringerer als EU-Botschafter Michael Matthiessen. Der Däne war auf Einladung der St. Galler Regierung und insbesondere von Finanzchef Benedikt Würth in seiner Eigenschaft als Präsident der Konferenz der Kantonsregierungen aus Bern angereist. Matthiessen liess sich, begleitet von Regierungspräsident Fredy Fässler, Finanzchef Benedikt Würth und Volkswirtschaftsdirektor Bruno Dammann, während zweier Stunden das Unternehmen Fisba erklären, den weltweit führenden Anbieter kundenindividueller optischer Komponenten, Systeme und Mikrosysteme.

Dabei begnügte sich Mat­thiessen nicht nur damit, dass ihm Verkaufsdirektorin Li Simon und Martin Forrer, Leiter ­Forschung und Entwicklung, die Verankerung in den Märkten der Welt sowie die Produktepalette erklärten. Der EU-Botschafter zog sich hernach Reinraumkleidung an und erkundete die Produktion an Ort und Stelle.

Die Schweiz erkunden

Das Interesse des Diplomaten war offensichtlich, und dies nicht nur an den Produkten und deren Produktion: Matthiessen erkundigte sich über die Nationalität der Mitarbeiter (23 Länder sind vertreten) und deren Ausbildung, den Anteil ausländischer Mitarbeiter am Standort St. Gallen sowie die Zahl der Grenzgänger. Auch über das Lehrlingswesen wollte er Informationen. Ihm war schon bekannt, dass die duale Berufsbildung, wie sie die Schweiz kennt, nicht nur einer der Erfolgsfaktoren der hiesigen Wirtschaft ist, er sieht sie ebenso als ein Mittel zur Verhinderung von Jugendarbeitslosigkeit. «Sie wissen, dass diese in einigen Mitgliedsländern der EU sehr hoch ist», so der Diplomat.

EU-Botschafter Matthiessen hat sein Amt vor rund 15 Monaten angetreten, und er hat sich vorgenommen, in dieser Funktion die Schweiz zu erkunden. Deshalb der Besuch in St. Gallen. Er kenne die Schweiz zwar schon als Tourist, so der Botschafter, aber sie als Diplomat zu erkunden, sei etwas anderes. Das so ­erworbene Wissen könne er in Brüssel einbringen und dabei mithelfen, dass dort die Schweiz besser verstanden werde. Gerade das politische System sei ja nicht leicht zu begreifen, und da sei es durchaus sinnvoll, es vor Ort zu studieren.

Matthiessens Besuch in St. Gallen beschränkte sich nicht nur auf den Besuch der Firma Fisba. Im Anschluss daran zogen sich die St. Galler Regierungsräte und ihr Gast ins Regierungsgebäude zum politischen Austausch zurück. Als Abschluss des Besuches war noch ein Treffen mit Vertretern von St. Galler Unternehmen geplant.

Erfahren auf diplomatischem Parkett

EU-Botschafter Michael Mat­thiessen ist erfahren auf dem diplomatischen Parkett. Das Ende des Kalten Kriegs und die deutsche Wiedervereinigung erlebte er als Stabschef des dänischen Ministerpräsidenten Poul Schlüter. 1992 wechselte er in die dänische Vertretung in Brüssel. Auch wie es ist, wenn die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger nicht so entscheiden, wie es die Politiker gerne hätten, ist dem Mann in den frühen Sechzigern nicht fremd, schliesslich sprachen sich die Dänen 1992 knapp gegen die Verträge von Maastricht aus.

Diese Erfahrung, die sich durch freundliche Gelassenheit ausdrückt, war Matthiessen auch gestern anzumerken – mit einer Ausnahme allerdings: Der Zufall wollte es nämlich, dass just in das Mediengespräch bei Fisba die Nachricht platzte, die EU befriste die Anerkennung der Schweizer Börsenregulierung auf ein Jahr, um den Druck für ein Rahmenabkommen aufrechtzuerhalten. Von den Medien bestürmt, dazu Stellung zu nehmen, zeigte sich Matthiessen plötzlich schmallippig: Er könne dazu nichts sagen, denn er kenne das Papier noch nicht – Punkt!

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