ST.GALLEN: Abschied von einem, der stets Sonne im Herzen hatte

Am Samstagmorgen haben Familie, Verwandte und Freunde in St.Gallen Abschied von Heinrich Thorbecke genommen. Der Unternehmer und Henkel-Erbe verstarb vergangenen Samstag mit 80 Jahren an einem Herzinfarkt.

Sebastian Keller
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Die Trauergemeinde nach der Abdankungsfeier vor der reformierten Kirche St.Laurenzen in St.Gallen. (Bild: seb)

Die Trauergemeinde nach der Abdankungsfeier vor der reformierten Kirche St.Laurenzen in St.Gallen. (Bild: seb)

Hunderte Trauergäste waren in die reformierte Kirche St.Laurenzen im Herzen der Stadt St.Gallen gekommen, um sich von Heinrich Thorbecke zu verabschieden und seiner Frau Gabi und der Familie ihr Beileid auszudrücken. In der über einstündigen, von Blasmusik umrahmten Feier wurde eines Mannes gedacht, der eine grosse Trauergemeinde hinterlässt. Mit persönlichen Worten und Anekdoten – vorgetragen etwa von seinen Söhnen Christian und Andreas - wurde das Bild eines Mannes gezeichnet, der grosszügig, aber nicht grossspurig war, der zuhören konnte, der Humor besass, gerne reiste und nicht zuletzt gerne arbeitete. Kurzum: Eines Menschenfreundes.

Heinrich Thorbecke, 1936-2017. (Bild: Michel Canonica)

Heinrich Thorbecke, 1936-2017. (Bild: Michel Canonica)

Er fühlte sich auch noch in seinem fortgeschrittenen Alter als Unternehmer. «Er war ein Mann, der immer Sonne im Herzen hatte», beschrieb es einer seiner Söhne. Auch deshalb sollte die Abdankung ein Fest sein und kein Trauerspiel, wie der Pfarrer einen Wunsch des Verstorbenen an die Trauergemeinde trug. Thorbecke besuchte regelmässig den Gottesdienst in dieser Kirche. «Er war fromm, hing es aber nicht an die grosse Glocke», sagte der Pfarrer.

In den Kirchenrängen sassen Familienmitglieder und Freunde ebenso wie Vertreter aus Sport, Kultur, Gesellschaft, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik. Mehrere amtierende und mehrere ehemalige St.Galler Regierungsräte sowie nationale Politikerinnen und Politiker erwiesen Heinrich Thorbecke die letzte Ehre.

Die Trauergemeinde widerspiegelte das breite Engagement des Verstorbenen. Er war Förderer, Gönner, Stiftungsrat, Gründer, Ehrenmitglied von und bei verschiedenen Organisationen. So sassen auch Handballer des TSV St.Otmar in den Kirchenbänken – in ihren Sporttrikots. Heinrich Thorbecke war Sponsor – und nicht zuletzt – grosser Fan des St.Galler Handballvereins.

Der in Düsseldorf aufgewachsene Heinrich Thorbecke war Erbe des deutschen Persil-Waschmittel-Pioniers Fritz Henkel, der den Henkel-Chemiekonzern gegründet hatte. 1973 eröffnete Thorbecke in Herisau seine eigene Bank, die er später nach St.Gallen zügelte. Die auf das Anlagegeschäft konzentrierte Privatbank veräusserte er 2003 an die St.Galler Kantonalbank.

Im Jahr 2007 erwarb das Ehepaar Thorbecke die «Oberwaid» am östlichen Stadtrand St.Gallens. Sie bauten das ehemals von Baldegger Schwestern geführte Kurhaus für 85 Millionen Franken zu einem Kurhotel mit 144 Zimmern mit Privatklinik aus.

Das Wirtschaftsmagazin Bilanz führte ihn Jahr für Jahr unter den 300 Reichsten Schweizern. Das Vermögen wird in der aktuellsten Rangliste auf 950 Millionen Franken geschätzt.