Steuerbilanz
150 Gesuche für Corona-Steuerrabatt im Kanton St.Gallen – und so wenig offengelegtes Schwarzgeld wie noch nie

Vom St.Galler Steuererlass für krisengebeutelte Firmen wurde bisher nur wenig Gebrauch gemacht. Stark gesunken ist die Summe des offengelegten Schwarzgelds – auf 82 Millionen Franken.

Adrian Vögele
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Die Zahlungsmoral der St.Galler bei den Steuern war im vergangenen Jahr gut – trotz Corona.

Die Zahlungsmoral der St.Galler bei den Steuern war im vergangenen Jahr gut – trotz Corona.

Bild: Christian Beutler / KEYSTONE

Die St.Gallerinnen und St.Galler zahlen weiterhin brav Steuern – trotz Coronakrise: Dies stellt das kantonale Steueramt in seiner Jahresbilanz fest. Die Zahlungsmoral sei «sehr robust». 90 Prozent der Rechnungen bei der Einkommens- und Vermögenssteuer sind bezahlt, der Wert ist gleich hoch wie im Vorjahr. Leicht verschlechtert hat sich bei den juristischen Personen der Zahlungseingang bei der direkten Bundessteuer – von 96 auf 90 Prozent.

123 von 150 Hilfsgesuchen sind erledigt

Der Kanton bietet einen Corona-Steuererlass für Unternehmen und Selbstständigerwerbende in Notlagen an. Der Rabatt beträgt 40 Prozent, maximal aber 10'000 Franken. Davon hätten aber erst wenige Firmen Gebrauch gemacht, so das Steueramt. Bis Ende 2020 trafen 151 Gesuche ein, davon sind 123 erledigt. Bisher sind Steuererlasse im Umfang von rund 170'000 Franken bewilligt. Die Summe sei noch tief, weil viele Veranlagungen noch ausstehend seien. Allerdings startete die Massnahme auch erst im vergangenen Oktober. «Wir rechnen damit, dass die Zahlen hier noch zunehmen werden», sagt Felix Sager, Leiter des Steueramts. Gastrobranche, Hotellerie und Eventbranche sind bei den Gesuchen stark vertreten – aber auch Branchen mit Kundenkontakt wie Autogaragen, Einzelhandel oder Physiotherapie.

82 Millionen Franken Schwarzgeld: Trend bei Selbstanzeigen sinkt

Felix Sager, Leiter Steueramt Kanton St.Gallen.

Felix Sager, Leiter Steueramt Kanton St.Gallen.

Bild: Urs Bucher

Stark gesunken ist die Summe des Schwarzgelds, das die St.Gallerinnen und St.Galler offengelegt haben. Die Zahl der straflosen Selbstanzeigen hat sich gegenüber 2019 fast halbiert – von 404 auf 217 Fälle. 82 Millionen Franken Schwarzgeld wurden offengelegt, das ist laut Steueramt «das schwächste Resultat» seit Einführung der straflosen Selbstanzeige. Den Spitzenwert hatte der Kanton im Jahr 2017 erzielt: Fast 1300 Fälle, rund 550 Millionen Franken Schwarzgeld. Der abnehmende Trend beim Schwarzgeld sei zu erwarten gewesen, schreibt das Steueramt. Der automatische Bankdatenaustausch der Schweiz mit dem Ausland läuft nun bereits seit Jahren. «Viele Steuerpflichtige haben ihre Hausaufgaben inzwischen gemacht», sagt Sager.

Straflose Selbstanzeigen im Kanton St.Gallen

Hinterzogenes Vermögen in Mio. Franken
20102011201220132014201520162017201820192020Jahr0200400600

Die Gesamtsumme des deklarierten Schwarzgeldes seit 2010 im Kanton St.Gallen steigt auf 2,85 Milliarden Franken. Das entspricht 160 Millionen Franken Mehreinnahmen für Kanton und Gemeinden sowie 36 Millionen für den Bund.

80 Prozent des neu offengelegten Schwarzgelds liegen im Inland

Besonders auffallend ist, dass inzwischen über 80 Prozent des in St.Gallen offengelegten Schwarzgelds gar nicht im Ausland, sondern im Inland liegen, wo nach wie vor das Bankgeheimnis gilt. Manche Steuerzahler nutzen demnach die Gelegenheit, gleich auch bei ihren inländischen Vermögen reinen Tisch zu machen.

Im Informationsaustausch mit dem Ausland erhält der Kanton St.Gallen mit Abstand am meisten Meldungen aus Deutschland: Über 45'000 waren es im Jahr 2019, auf dem zweiten und dritten Platz folgten Österreich (16'000) und Italien (5500). Für das Jahr 2020 haben Deutschland und Italien noch keine Daten geliefert, die Zahl der Meldungen aus Österreich ist etwas gesunken.

Liechtenstein gibt Rätsel auf

Bei den hinterzogenen Vermögen spielte in früheren Jahren der Bankenplatz Liechtenstein eine grosse Rolle: Als der Informationsaustausch mit dem Fürstentum angekündigt wurde, wurden in St.Gallen sehr hohe Summen an Schwarzgeld auf Liechtensteiner Konten gemeldet. Inzwischen hat sich der Liechtensteiner Anteil bei den hinterzogenen Vermögen, die durch straflose Selbstanzeigen ans Licht kamen, stark reduziert: Er beträgt noch rund acht Prozent. Allerdings: Bei der Anzahl Meldungen aus dem automatischen Datenaustausch mit Liechtenstein gab es im vergangenen Jahr einen sprunghaften Anstieg, von 5300 auf über 16'000. Kommt da nochmals eine Menge St.Galler Schwarzgeld ans Licht? «Wir können uns diese hohe Zahl an Meldungen bislang nicht erklären», sagt Sager. Dazu seien derzeit Abklärungen mit der eidgenössischen Steuerverwaltung im Gang.