STERNSTUNDE FÜR THURGAUER FUSSBALLER: Mutter von Basel-Held Michael Lang: "Es war gewaltig, was abging"

Der Egnacher Michael Lang hat am Mittwoch für den FC Basel das entscheidende Tor gegen Manchester United geschossen. Seine Mutter war im Stadion und stand minutenlang einfach da vor Glück.

Markus Schoch
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Michael Lang mit seinem Vater Peter und seiner Mutter Priska nach dem Sieg von Basel gegen Manchester United. (Bild: PD)

Michael Lang mit seinem Vater Peter und seiner Mutter Priska nach dem Sieg von Basel gegen Manchester United. (Bild: PD)

Frau Lang, Ihrem Sohn fehlten im Fernsehinterview nach dem Spiel im ersten Moment die Worte. Wie ging es Ihnen, als der Schiedsrichter abpfiff?
Priska Lang: Ich war überwältigt und sass an einem Ort, wo ich um mich herum niemanden kannte. Ich stand einfach ein paar Minuten da und habe alles auf mich einwirken lassen. Erst nachher bin ich zum Rest der Familie und zu Freunden gegangen. Dazu muss ich sagen, dass ich bei einem Match nie neben meinem Mann sitze.

Warum nicht?
Wir haben das immer schon so gemacht. Ich kommentiere zuweilen das Geschehen auf dem Spielfeld, während mein Mann gar nichts sagt und auch nichts hören will.

Wie haben Sie den Match erlebt?
In der ersten Halbzeit habe ich immer wieder auf die Uhr gesehen und war nach einer halben Stunde froh, dass der FC Basel noch kein Tor erhalten hatte. Schliesslich sagte ich mir, es wäre super, wenn wir mit einem 0:0 in die Pause gehen könnten.

Danach drehte Basel auf.
Meine Hoffnung war, dass ManU ein bisschen nervös werden würde, was dann auch tatsächlich der Fall war. Der FC Basel kam mit mehr Selbstvertrauen aus der Kabine und liess sich nicht hinten reindrücken, sondern ging vermehrt in den Angriff, was mich zuversichtlich stimmte.

Dann erzielte Ihr Sohn in der vorletzten Minute der regulären Spielzeit das 1:0.
Nicht zu früh und nicht zu spät. Wäre es beispielsweise in der 60. Minute gefallen, hätte vieles passieren können. Dann wäre ManU vielleicht so aufgekommen, dass Basel unter dem Druck zusammengebrochen wäre und fünf Gegentore kassiert hätte. Ich weiss es nicht.

Konnten Sie mit Ihrem Sohn nach dem Spiel feiern?
Wir sind jeweils im Bereich, wo die Angehörigen sich aufhalten können. Michael hatte einen Interview-Marathon zu bewältigen, doch er teilte uns mit, dass er auf jeden Fall noch zu uns kommen würde. Nach etwa einer Stunde war er dann da. Wir tranken zusammen etwas und genossen den Moment, bevor wir nach Hause fuhren. Es war gewaltig, was abging. Baschi war einer der ersten, der auf ihn zukam und gratulierte.

Ihr Sohn hat bereits gegen Benfica Lissabon beim historischen 5:0 getroffen. Das Tief scheint er definitiv überwunden zu haben.
Er war auch am letzten Wochenende gegen Sion Torschütze. Die Mannschaft hat sich gefunden. Und ich glaube, das ist es, was es ausmacht. Viele zweifelten am Anfang, ob Raphael Wicky der richtige Trainer sei. Uns ging es nicht anders. Michael hat aber immer gesagt, dass Wicky jemand sei, der sein Handwerk verstehe. Er sei ein hervorragender Trainer. Das Spiel gegen die Portugiesen war ein Glücksmoment und gleichzeitig Wendepunkt. Die Mannschaft hat gesehen, was möglich ist, wenn alle an einem Strick ziehen. Dann hat sie Blut geleckt. Der Match gegen ManU wird in die Geschichte eingehen und ist mit dem Namen von Michael Lang verbunden. Er hat mir gesagt, er wisse nicht, wann er das realisiere. Im Moment sicher nicht.

War das Siegtor gegen ManU das wichtigste Goal Ihres Sohnes in seiner Karriere?
Er hat es selber gesagt, und dann ist es so für ihn. Doch Michael hat den Ball auch schon in anderen entscheidenden Momenten über die Torlinie gedrückt. Beispielsweise 2013, als er und Xherdan Shaqiri die Schweiz an die WM schossen.

Aber Albanien ist nicht ManU, bei dem am Schluss Superstar Zlatan Ibrahimovic auf dem Platz stand.
Das ist so. Als sich Ibrahimovic am Spielfeldrand eingelaufen hat, kam Unruhe im Stadion auf. Selbst viele Basler Fans zückten ihr Handy, um ein Foto von ihm zu machen. Es war gewaltig. Ich denke aber auch an Paul Pogba. Es ist wahnsinnig, was der am Ball kann.

Ihr Sohn ist nicht erste Wahl in der Nati. Sind seine Karten besser geworden nach dem Spiel am Mittwoch?
Dass er nur selten aufläuft, hat nichts mit ihm zu tun, sondern mit Stephan Lichtsteiner, der auf der gleichen Position spielt. Er ist Captain, und einen Captain setzt man nicht auf die Bank, wenn er fit ist und nicht schwerwiegende Fehler macht - und vielleicht nicht einmal dann. Es ist das Los von Michael, in der Nati die Nummer 2 zu sein. Das wird sich auch auf die WM hin im nächsten Jahr in Russland nicht ändern, denke ich.

Jetzt kommt das entscheidende Auswärtsspiel gegen Benfica. Ihre Prognose?
Es kommt darauf an, wie die Portugiesen reagieren. Sie haben noch keinen Punkt geholt und werden sich vor eigenem Publikum zum Schluss ein Stück weit rehabilitieren wollen. Sie werden topmotiviert sein. Die Basler wissen, dass sie punkten müssen und nicht auf die Hilfe von ManU hoffen dürfen. Ich bin zuversichtlich, dass es Basel ins Achtelfinal schafft.

Werden Sie am 5. Dezember im Stadion live dabei sein oder vor dem Fernsehgerät sitzen?
Ich habe am Tag des Spiels Gemeinderatssitzung und werde mir das Spiel anschliessend zu Hause ansehen. Bis jetzt waren wir auch noch nie bei einem Auswärtsspiel des FC Basel in der Champions League. Bei den Meisterschaftsspielen sitzen wir oft auf der Tribüne in fremden Stadien.

Zurück zu Ibrahimovic. Konnte Ihr Sohn als Matchwinner das Leibchen mit ihm tauschen?
Michael hat ihn gefragt, aber Ibrahimovic hatte es bereits Mohamed Elyounoussi gegeben. Michael hat dann dasjenige von Chris Smalling bekommen.