«Steinbock», Tägerwilen: Genuss-Pilgern empfohlen

Bis vor fünf Jahren verband man den «Steinbock» in Tägerwilen mit Felix Bischof, einem Spitzenkoch in der Thurgauer Gastronomie und leidenschaftlichem Kunstsammler.

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Bis vor fünf Jahren verband man den «Steinbock» in Tägerwilen mit Felix Bischof, einem Spitzenkoch in der Thurgauer Gastronomie und leidenschaftlichem Kunstsammler. Mit der Übergabe an Thomas Schwarz im Jahr 2003 beendete Bischof seine berufliche Karriere und zeigte in seiner Nachfolgeregelung Fingerspitzengefühl. Denn Thomas Schwarz zählt sich zu den letzten wenigen «Verrückten», die alles selber herstellen – trotzt Kostenoptimierung und Rentabilitätsmaximierung.

Geschätzte Verrücktheit

Im 17. und 18. Jahrhundert hiess der «Steinbock» «Taverne zum Bock» und diente Wanderern auf dem Pilgerweg zwischen Konstanz und Einsiedeln als Raststätte. Die heutigen Genuss-Pilger wissen Thomas Schwarz' «Verrücktheit» zu schätzen: In seiner Küche verarbeitet er fast ausschliesslich Produkte aus der Umgebung. Weil «Kochen nur mit frischen Produkten wirklich Freude» macht, betont Thomas Schwarz. Und das Essen erst recht, muss man anfügen. Frisch heisst gleichzeitig auch saisonal: Viermal im Jahr wechselt Schwarz die Abendkarten und sechsmal pro Jahr bietet er seinen Gästen kulinarische Reisen in die Toscana, Provence, nach Apulien, Spanien oder ins Bündnerland und Tessin.

Wild und mehr

Die kompetente und freundliche Bedienung machte uns die Tagesspezialitäten schmackhaft (Rehrücken mit Blaukraut und Spätzli oder Risotto mit Steinpilzen), aber wir hatten unsere Wahl bereits getroffen. Blattsalate mit Trauben, Birnenwürfeln und Räucherkäsestreifen an Mostdressing (12.50), gefolgt von einer Poulardenbrust an einer ausgewogenen Portwein-Orangen-Sauce mit gebratenen Feigen und Kürbisgnocchi (28.–). Die zweite Hauptspeise, frische Kalbsleber mit Rösti (24.–), zählt im «Steinbock» zu den Klassikern, genauso wie der Hackbraten mit Kartoffelstock oder Rindsschmorplätzli an Biersauce. Auf Empfehlung tranken wir einen Château Lalaurie aus dem Languedoc (25.–/5dl), den es im «Steinbock» im Offenausschank gibt und die Geschmacksnuancen perfekt abrundete.

Der See ist nicht weit

Auf der wilden und farbigen Herbstkarte empfiehlt Thomas Schwarz auch Hirschsteak mit Steinpilzen, Rotkraut, Spätzli, dazu den Apfel mit Preiselbeeren und glasierte Kastanien (34.–). Fischliebhaber gehen im «Steinbock» nicht vergessen, schliesslich liegt der See nicht weit entfernt. Das Forellenfilet wendet Schwarz in einer Haselnusspanade und reicht dazu Limonensauce, herbstliches Gemüse und Reis (25.–).

Unser Eindruck: Thomas Schwarz geizt weder mit der Verwendung von frischen Produkten noch mit den Portionen. Satt wird man jedoch nicht nur in kulinarischer Hinsicht – in der alten Gaststube mit Kachelofen stimmt das Ambiente zur Philosophie des Chefs. Caroline Leuch

Steinbock, Tägerwilen


Hauptstrasse 85
Thomas Schwarz
Telefon 071 669 11 72
www.steinbock-taegerwilen.ch
Öffnungszeiten: Mo–Fr 11–14.30 und ab 17.30 Uhr, samstags ab 17.30 Uhr, Sonntag Ruhetag
Karte: Mittagsmenus 15.– bis 30.–, A-la-carte-Hauptgerichte 25.– bis 39.–

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