Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Interview

Stefan Küng vor dem Tour-de-Suisse-Start: "Ich bin gefragt auf dem Markt"

Heute beginnt in Frauenfeld die 82. Tour de Suisse. Stefan Küng ist mit seinem Team BMC gerüstet für das Mannschaftszeitfahren über 18,3 Kilometer. Der 24-jährige Thurgauer steht aber noch vor weiteren Herausforderungen.
Daniel Good
Maturand und Veloprofi: Stefan Küng hat auch schon die Olympischen Spiele 2020 in Tokio im Visier. (Bild: Keystone)

Maturand und Veloprofi: Stefan Küng hat auch schon die Olympischen Spiele 2020 in Tokio im Visier. (Bild: Keystone)

Stefan Küng, Sie können heute in Ihrer Heimat ins Leadertrikot der Tour de Suisse fahren. Wie steht es um Ihre Form?

Gut. Ich habe die Hausaufgaben gemacht. Seit ich mich am 8. April bei einem Sturz am Kiefer verletzt habe, geht es nur noch aufwärts. Natürlich bin ich sehr motiviert, weil wir quasi vor meiner Haustüre vorbeifahren. Ich freue mich sehr. Das Wetter spielt mit. Frauenfeld wird dieses Wochenende ein grossartiges Radsportfest erleben. Zudem werden viele Bekannte und Freunde an der Strecke sein. Das ist sonst kaum je der Fall, weil wir ja oft weit entfernt von der Ostschweiz Rennen bestreiten.

Wie viele Probefahrten hat Ihr Team auf der Strecke des heutigen Mannschaftszeitfahrens absolviert?

Wir sind den Parcours dreimal abgefahren. Einmal locker, dann zweimal intensiv mit verschiedenen Geschwindigkeiten, insbesondere in den Steigungen. Wir müssen wissen, wie viel es in den Schlüsselstellen leiden mag, damit wir bis zum Schluss durchziehen können.

Welche Mannschaft ist heute der stärkste Gegner Ihres Rennstalls BMC?

Sehr wahrscheinlich die Profis von Sunweb, wenn man die Startliste anschaut. Sie haben uns bereits an der WM 2017 auf den zweiten Platz verdrängt.

Sie waren schon in der vergangenen Saison im gelben Trikot des Gesamtersten unterwegs. Was ist das für ein Gefühl?

Super. Ein Traum aus der Kindheit geht in Erfüllung. Es sollte jeden Tag so sein. Alle Schweizer kennen die Tour de Suisse. Und ich weiss: Bis jetzt bin ich der Beste im Feld.

Die 82. Tour de Suisse beginnt in Frauenfeld, wo Sie das Gymnasium besucht haben. Wollten Sie schon als Kantonsschüler Radprofi werden?

Ja, sicher. Das Velofahren war für mich immer das Wichtigste, natürlich nicht immer zur Freude meiner Mutter. Aber ich habe die Schule nicht vernachlässigt. Ich war aber nur ein halbes Jahr in Frauenfeld. Die Matura habe ich in Wil gemacht. Die Schule stand immer hinter meinen sportlichen Ambitionen. Weil ich an einer Junioren-WM teilnahm, konnte ich sogar den Maturatermin verschieben. Als Kind habe ich mir vorstellen können, Förster zu werden.

Auch in dieser Saison hatten Sie Stürze mit Verletzungsfolgen. Einmal renkten Sie sich die Schulter aus, bei Paris–Roubaix erlitten Sie einen Kieferbruch. Gibt Ihnen das nicht zu denken?

Nein, darüber zerbreche ich mir nicht den Kopf. Stürzen gehört zum Profiradsport. Auch für die beiden Rennstürze in diesem Jahr kann ich nichts. Einzig 2016, als ich an der Zeitfahr-Meisterschaft mit über sechzig Stundenkilometern zu Fall kam, musste ich mir vorwerfen, zu viel riskiert zu haben.

Ihr Manager Olivier Senn ist zugleich Generaldirektor der Tour de Suisse. Müssen Sie deshalb besonders gut fahren? Stehen Sie unter speziellem Druck?

Nein, gar nicht. Wenn mir jemand Druck macht, bin ich es selber. Ich will ja unbedingt gewinnen. Die Personen in meinem Umfeld stehen zum Glück immer zu mir und zu dem, was ich mache. Das war zum Beispiel nach dem Kieferbruch wichtig für mich.

Wie geht es mit Ihrem Team weiter? Bis jetzt wurde ja noch kein Hauptsponsor für die kommende Saison gefunden.

Man ist immer noch auf der Suche, aber bis jetzt hat sich nichts Konkretes ergeben. Deshalb führt mein Management Gespräche mit anderen Mannschaften. Auch andere Profis unseres Rennstalls sind sich natürlich am Umsehen. Am liebsten wäre es mir aber schon, weiter für BMC zu fahren. Ich muss jedoch keine Angst vor der Zukunft haben. Ich bin auf dem Markt ein gefragter Mann.

Worauf legen Sie besonderen Wert in einem neuen Team?

Zu hundert Prozent im Vordergrund stehen die sportlichen Perspektiven. Ich muss mich weiterentwickeln können, sowohl physisch, als auch technisch und taktisch.

Sie haben in dieser Tour de Suisse mindestens noch eine zweite Chance, eine Etappe zu gewinnen. Morgen in einer Woche findet im Tessin ein Einzelzeitfahren statt.

Natürlich habe ich diese Prüfung im Fokus. Es muss mein Ziel sein, mich in den langen Zeitfahren zu verbessern. Auch im Hinblick auf die Olympischen Spiele 2020 in Tokio. Man muss in dieser Disziplin immer neue Reize setzen, um schneller zu werden. Deshalb bestreite ich in dieser Saison auch das EM-Zeitfahren. Ich habe Nachholbedarf.

Unter normalen Umständen werden Sie die Tour de Suisse nicht gewinnen. Beschäftigt Sie das?

Nein, überhaupt nicht. Ich fokussiere mich auf das, was ich kann. Und versuche, das so gut wie möglich zu machen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.