Stefan Angehrn ist kein Dealer

Die Thurgauer Staatsanwaltschaft will das Verfahren gegen Ex-Boxer Stefan Angehrn wegen Drogenhandels einstellen. Belastet hatte ihn der Hammerwerfer Patric Suter. Dieser verbüsst wegen dreifachen Mordes eine lebenslange Haftstrafe.

Nina Ladina Kurz
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Stefan Angehrn kann aufatmen: Das gegen ihn laufende Verfahren wird eingestellt. (Bild: Donato Caspari)

Stefan Angehrn kann aufatmen: Das gegen ihn laufende Verfahren wird eingestellt. (Bild: Donato Caspari)

KREUZLINGEN. Der Thurgauer Stefan Angehrn, der bekannteste Schweizer Boxer in jüngerer Zeit, kann aufatmen. Die Thurgauer Staatsanwaltschaft wird das Verfahren gegen Angehrn wegen Drogenschmuggels und -handels im grossen Stil fallen lassen. Dies vermeldet der «Tages Anzeiger». Staatsanwalt Marcel Keller bestätigt: «Ich habe die Parteien darüber informiert, dass ich das Verfahren einstellen werde», sagt Keller. Die Einstellungsverfügung werde in Kürze erfolgen. «Bis dahin möchte ich mich nicht zu den Gründen, die zur Einstellung führten, äussern.»

Offensichtlich ergaben die Ermittlungen keine Hinweise auf eine Verwicklung des 48-Jährigen in den Drogenhandel.

Stefan Angehrn weilt zurzeit in den Ferien in der Türkei. Zum Fall schweigt er vorläufig. Seine Anwältin habe ihm von einer Stellungnahme abgeraten, bis das Verfahren offiziell eingestellt sei.

Von einem Mörder beschuldigt

Für Angehrn begann das Verfahren im Oktober 2012. Um sieben Uhr morgens stürmten Polizisten sein Haus in Oetwil an der Limmat. Angehrn wurde in Handschellen abgeführt und sass 36 Stunden im Frauenfelder Kantonsgefängnis in Untersuchungshaft. Der Grund: Er wurde beschuldigt, Drahtzieher eines Drogenrings zu sein. Laut der Anklageschrift soll Angehrn seit 2008 mit Komplizen rund 115 Kilo Kokain aus Deutschland in die Schweiz geschmuggelt und hier vertrieben haben. Die Transporte hätten zwischen April und Oktober 2008 stattgefunden. Ein Teil des Kokains sei auch nach Lipperswil, Angehrns damaligem Domizil, geliefert worden.

Ausgesagt hatte dies Patric Suter, ein ehemaliger Weggefährte des Ex-Boxers. Suter sitzt zurzeit wegen des Grenchner «Schenkkreis-Mords» eine lebenslange Haftstrafe ab. Der Schweizer Rekordhalter im Hammerwerfen wurde wegen dreifachen Mordes verurteilt. Anfang Jahr hat das Solothurner Obergericht das Urteil bestätigt.

Suter hoffte auf Strafmilderung

Wie Stefan Angehrn unserer Zeitung in einem früherem Interview sagte, trafen sich die beiden Männer im Fitness-Center in Wil. Der Schaffhauser Suter verkaufte kurze Zeit später Schlankheitsprodukte für die gleiche Firma wie Angehrn. «Wir haben uns seither vielleicht fünfmal gesehen», sagt Angehrn. Eine Freundschaft habe sich nicht entwickelt. Weshalb Suter gegen ihn aussagte, wisse er nicht. Es habe keinen Streit zwischen ihnen gegeben. «Er war mir eigentlich sympathisch», sagt Angehrn. Der Vorwurf gegen ihn sei «ein Witz».

Im Oktober 2012 kam es zu einer Konfrontationseinvernahme. Dabei habe Suter während eineinhalb Stunden eisern geschwiegen, sagt Angehrn. «Er konnte mir nicht in die Augen sehen.»

Gemäss dem «Tages Anzeiger» hatte Suter laut Gerichtsunterlagen nur gegen Angehrn ausgesagt, um eine strafmildernde Wirkung zu erhalten.

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