STECKBRIEFSTECKBRIEFSTECKBRIEF: «Wir haben ein Auge aufs Wasser und die Kasse»

Mini Büez

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«Gisela, du gehörst einfach hierhin», sagen mir die Leute. Seit 14 Jahren bin ich hier Bademeisterin, nachdem die schöne Anlage am Untersee komplett neu gemacht wurde. Das Amt im Seebad Ermatingen teilen wir uns zu zweit. Ich habe das grössere Pensum. Vor fünf Jahren übernahm ich hier die Leitung, als der damalige Chef in eine andere Badi wechselte. An schönen Tagen sind jeweils auch Aushilfen an der Kasse, damit die Leute mit ihrem Rucksack nicht einfach ohne zu bezahlen reinschleichen.

Das kommt hie und da vor. Diesbezüglich sind wir streng, gehen sofort hin und geben den Tarif durch. Fünf Franken kostet der Eintritt für Erwachsene, zwei für Kinder und Studenten. «Ach so, man muss zahlen?», sagen sie dann. Einige kehren daraufhin um und laufen davon. Aber un­sere Arbeit muss ja auch bezahlt werden. Fast täglich höre ich, unsere Badi sei die sauberste weit und breit.

Wir haben natürlich nicht nur die Kasse im Auge, sondern auch das Wasser. Auch für die Lebensrettung sind wir bestens ausgerüstet und geschult. All vier Jahre muss ein entsprechender Kurs wiederholt werden. Gott sei Dank haben wir in all den Jahren nie einen Notfall gehabt. Oft denke ich am Abend: «Es war zwar streng heute. Aber es ist schön, dass nichts passiert ist.»

Wir Bademeister sind von der Gemeinde Ermatingen angestellt. Ihr gehört die Badi. Für die Pflege der Umgebung können wir auf die Unterstützung des Bauamts der Gemeinde zählen. Die sind immer zur Stelle. Das läuft super. Ein Gärtner mäht uns den Rasen. Wir selber haben auch immer etwas zu tun. Die Arbeit geht uns nie aus. Ich geniesse es auch, wenn zwischendurch mal wegen des Wetters keine Gäste kommen. Dann kann ich alle aufgestauten Arbeiten erledigen, um die Badi in Schuss zu halten.

Unsere Besucher kommen zum Teil von weit her, von Frauenfeld, Weinfelden, Winterthur, Zürich. Viele kommen auch von Deutschland. Für einige Einheimische ist es bei uns am Wochenende zu voll. Ein Trend sind derzeit Stand-up-Paddles. Ich schaue, dass sie nicht in der Badezone in den See gehen. Das ist zu ge­fährlich für die Schwimmer. Die Stand-up-Paddler müssen an den Rand des Strandbades ausweichen. Mein Tag in der Badi kann schnell zwölf Stunden lang sein. Es braucht Herzblut. Doch ich bin der Typ dafür.

Um 20 Uhr schliesse ich jeweils die Garderoben. Das Gelände ist aber nie geschlossen. Das Beizli, das separat verpachtet ist, hat immer so lange offen, wie Gäste da sind. Und an der Grillstelle hat es oft auch Leute bis in die Nacht. Wenn ich am Abend gehe und eine Clique dort noch feiert, gehe ich hin und sage, sie sollen anständig bleiben und keine Sauerei hinterlassen. Das nützt fast immer.

Im Winterhalbjahr arbeite ich als Masseurin im Säntispark. Das passt. Dort läuft in der kalten Jahreszeit eher mehr. Beide Jobs sind schön. In der Badi sind wir immer etwas vom Wasserstand des Sees abhängig. In diesem Sommer ist er bisher tief. Deshalb ist unser Sprungturm leider schon die ganze Saison gesperrt. Im letzten Jahr war das ganz anders. Da kam der See beim Hochwasser im Juni bis zur Kasse und den Garderoben, setzte das Beachvolleyfeld unter Wasser. Dafür ist in diesem Jahr das Wetter sehr gut. In diesen Sommerferien hatten wir erst einen Tag geschlossen.

Für leichten Unmut sorgt das Fahrverbot zur Badi, das seit 2016 gilt. Jetzt müssen die Gäste einige Schritte laufen. Die Polizei hat auch schon Bussen verteilt. Doch das ist nicht meine Sache.

Notiert: Silvan Meile

Name Gisela Laube

Beruf Bademeisterin

Alter60

Wohnort Schweizersholz