STECKBORN: Taucher findet Granate im See

Einer der 26 Helfer der Aktion «Tauchen gegen Müll» hat in Ufernähe des Untersees ein Geschoss entdeckt. Gefahr bestand zu keinem Zeitpunkt. Spezialisten der Armee kümmerten sich um den Fund.

Samuel Koch
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Nicht das Geschoss, aber eine Plastikflasche zeigt dieser Taucher hier im drei Grad kalten Wasser. (Bild: Sandra Büchi/PD)

Nicht das Geschoss, aber eine Plastikflasche zeigt dieser Taucher hier im drei Grad kalten Wasser. (Bild: Sandra Büchi/PD)

Samuel Koch

samuel.koch@thurgauerzeitung.ch

«Bleigranate 48», 20 bis 30 Zentimeter gross, schwer und vermutlich aus dem Zweiten Weltkrieg. Diesen Fund haben Taucher der Putzaktion «Tauchen gegen Müll» am Samstagvormittag in Ufernähe von Steckborn gemacht.

Mittlerweile existiert die Granate der Schweizer Armee nicht mehr, wie Mediensprecher Daniel Reist sagt. Sie ist von Spezialisten der Armee aus Bern in einem speziell dafür vorgesehenen Lastwagen mit Panzerbehältern ins Kompetenzzentrum für Kampfmittelbeseitigung nach Thun abtransportiert worden. «Dort haben sie Spezialisten kontrolliert detonieren lassen.» Für Reist ist ein solcher Fund nichts Aussergewöhnliches: «Jährlich werden bei Wanderungen oder Suchaktionen Hunderte von Sprengsätzen früherer Jahre entdeckt.» Eine Gefahr für die Steckborner Bevölkerung habe aufgrund der geringen Menge Sprengstoff in der Granate zu keiner Zeit bestanden.

Sicherheitshalber zurück ins Wasser gelegt

Alarmiert wurden die Sprengstoffspezialisten von der Kantonspolizei Thurgau, die eine Meldung der Taucher erhalten hatte, wonach in etwa 50 bis 100 Metern vom Ufer entfernt ein Sprengstoff gefunden worden sei. Entdeckt hat ihn Tauchlehrer René von Gunten. «Sie hat ausgesehen wir eine Bierflasche», sagte von Gunten gegenüber Tele Top. Der Fundgegenstand habe sich aber schwerer angefühlt, und bei näherem Hinsehen habe er bemerkt, dass etwas nicht stimmte. «Wir haben uns zuerst schon sehr erschrocken», sagt Sandra Büchi, die Mitorganisatorin von «Tauchen gegen Müll». René von Gunten und sein Team hätten zuerst nicht gewusst, worum es sich beim Gegenstand handelt. Deshalb sei es kurz etwas hektisch geworden. «Danach haben sie den Gegenstand sicherheitshalber und vorsichtig wieder zurück ins Wasser gelegt und markiert», sagt die Tauchlehrerin, bis Polizei und Spezialisten da gewesen seien.

Trotz des Zwischenfalls mit der Granate sei die Putzete im rund drei Grad kalten Wasser um die Schiffsanlegestelle und den Steckborner Hafen erfolgreich gewesen. 26 Taucher haben in Dreiergruppen bis in Tiefen von 22 Metern insgesamt knapp 260 Kilogramm Abfall gefunden. Elf Helfer und zwei Fischer standen den Tauchern bei der Bergung zur Hilfe. Unter den Sachen waren nebst dem speziellen Fund auch ein Trottinett, ein Velo oder eine Kabelrolle. «Viele Gegenstände waren mit Muscheln übersät», sagt Büchi. Denn das Tauchen um den Hafen sei normalerweise verboten. Auch deshalb sei die Granate lange Zeit in Ufer­nähe des Sees gelegen, ohne dass sie jemand gefunden hätte. Am meisten aber sammelten die Taucher Glasflaschen und Schrott wie Rohre oder Stangen. Wegen der gefundenen Granate fanden die Taucher für den Tag die ironische Bezeichnung: «Putzaktion mit Bombenstimmung».