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Staunend durch Vorarlberg: Es riecht nach geschnittenem Nadelholz und Braunvieh

Vorarlberg ist mehr als das, was man von der Schweiz aus sieht: Das Ressort Ostschweiz war auf Entdeckungstour. Zu Fuss, mit Velo, Motorrad, Seilbahn und Auto – von Fussach bis Riezlern.
Galerie am Flexenpass zwischen Lechtel und Klostertal.
Veloweg zwischen Lauterach und Wolfurt.
Wallfahrtskirche Bildstein oberhalb von Bregenz.
Hund in Hard.
Blick ins Nadelgehölz aus der Karrenseilbahn.
Aussicht zum Bodensee vom Karren (976 m ü. M.), dem Hausberg von Dornbirn.
Ortsende von Mittelberg im abgeschiedenen Kleinwalsertal.
Hirschegg im Kleinwalsertal, das nur über das bayrische Oberstdorf erreichbar ist.
Die Bregenzer Ach zwischen Au und Schnepfau im Bregenzerwald.
Passstrasse zum Faschinajoch zwischen Sonntag und Damüls.
10 Bilder

Vorarlberg erfahren

Singend auf dem Sattel

Vorarlberg ist Veloland – solange man im Rheintal unten bleibt. Zwischen Bregenz und Feldkirch ist es flach. Sehr flach. Und die Gärten sind sauber herausgeputzt, die Rasen kurz geschnitten und die Wiesen akurat gemäht. Wo noch ein Büschel Gras aufsteht, mäht der Bauer nochmals drüber. Hat sich etwas Laub und Strassenstaub angesammelt auf dem Vorplatz, lärmt bald der Outdoor-Staub­sauger. Wer mit dem Velo durchs Ländle fährt, hat seine Sinne geschärft, schmeckt, sieht und hört das Leben, hat Musse, die Vorgärten zu bestaunen und die Bildstöckli am Wegrand oder an den Hausfassaden zu bemerken.

Beim etwas vernachlässigten Bahnhof Hard-Fussach ist noch nichts zu spüren vom fein herausgeputzten Ferienland. Doch gleich dahinter beginnt eines der vielen Einfamilienhausquartiere, hier schlägt das Herz der Vorarlberger. Der Veloweg führt mitten durch das Idyll, vorbei an holzgeschindelten Häusern, modern gestalteten Dorfplätzen und gepflegten Gemüsegärten. Grün ist es, die Grillen zirpen, und mitten im Quartier steht eine Bäckerei. Dort treffen sich Frauen zum Kaffeeklatsch, und die Bäckerin weiss das Neuste vom Dorf. Weiter geht’s den grünen Velowegweisern nach Richtung Lauterach, Wolfurt, Schwarzach, die Dörfer sind fast zusammengewachsen. Singen möchte man auf dem Velosattel – und länger weiterfahren, als das Ländle gross ist. (chs)

Ohne Velo am Bodensee

Dümmer geht’s nimmer. Auf dem Auhafendamm in Hard, in der naturgeschützten Mündung der Bregenzerach, unter Pappeln und Weiden die prächtige Aussicht auf den See und der neidvolle Blick auf die Segelboote und erst recht auf die Schwimmerinnen, die lachend die Ufersteine emporkraxeln. Nie mehr an einem Sommertag ohne Badehose und ohne Velo an dieses Seeufer, das im Gegensatz zum schweizerischen durchwegs öffentlich ist. Vor allem nicht ohne Velo, weil zur Not gäbe es in Hard den FKK-Strand. Alle andern fahren Velo, von Uralt über Renn und Schick bis E-Bike; die wenigen, die zu Fuss unterwegs sind, tragen Badehose, stossen Kinder oder ziehen ­Hunde. Was für eine blöde Idee, die drei ­Vorarlberger Seegemeinden im Auto zu erkunden, bei 32 Grad am Steuer staustossweise durch Bregenz, die «Seestadt», die durch Bahnlinie und Strasse so schmerzhaft vom Wasser getrennt ist, kennt man leider von unseren Seeorten. Dumm auch, auf einen Happen im Wolford-Restaurant unter den Strumpfmodelflaggen und auf die gegrillte Forelle im Klosterkeller Mehrerau zu verzichten, weil in Lochau vielleicht Besseres käme. Kommt nicht, wie eine Runde im Ortszentrum zeigt, also gibt’s schäbige Wienerle an der Imbisstheke des Strandbads. Im Blick hinter dem Gitter allseits Wasservergnügen. Geschieht dem bade­hosenlosen Autofahrer recht! Der steht wieder im Stau. Ärger haben es wohl nur die Soldaten in der Bregenzer Kaserne, pardon «Kommandogebäude Oberst Bilgeri». Letzte Notiz: Einmal Matchbesuch im traumhaft seenahen Stadion von Schwarz-Weiss Bregenz, so traurig die jüngste Clubgeschichte auch ist. (mel)

Mit Kindern auf den Karren

Erst darf der Abfall hoch. Ein Mitarbeiter rollt Tonnen in die Kabine. Ungeduldig patschen Kinder im Warteraum der Talstation ihre Hände gegen die Scheibe. Sie wollen auch hoch. Auf 976 Meter. Auf den Karren, den Hausberg von Dornbirn. Die Fingerabdrücke verblassen gerade, als die zweite Kabine der Seilbahn den Hang hinabgleitet. Kinder und Begleiterinnen steigen ein, die Türen schliessen sich, da klackt das Drehkreuz, und jemand ruft: «Mir wellet au no mit!» Eine Seniorenwandergruppe aus dem schwäbischen Ravensburg schiebt Körper und Teleskopstöcke in die Kabine.

Die Fahrt führt über die Dornbirner Ach, frisch gemähte Rasen und Baumwipfel. Und dauert keine fünf Minuten. Oben fahren die Senioren ihre Stöcke aus und gehen schnellen Schrittes zur Aussichtsplattform. Sie ragt etwa zehn Meter aus dem Felsen, umrahmt von einer Glasbrüstung auf Ellbogenhöhe. Die Schritte der Schwaben werden langsamer, sie haben «wacklige Knia». Anders die Kinder: Sie springen auf die Plattform, einer zieht dem anderen den Hut vom Kopf, Hände patschen gegen Glas. Dass es unter ihnen aussieht wie in Los Angeles – die Strassen mit Autos wie Ameisen, die dichte und doch verstreute Besiedelung – und dass hier drei Länder untrennbar eine Landschaft bilden, davon wissen die Kinder noch nichts. Die schwäbischen Senioren verabschieden sich mit einem «Tschüssle». (kbr)

Über den Riedberg ins Séparée

Manche sind lieber für sich. In der Familie der Vorarlberger Regionen ist das Kleinwalsertal der entfernte, spleenige Verwandte. Umschlossen von Bergen, nur auf Umwegen übers Ausland erreichbar. Im Mittelalter liessen sich hier die Walser nieder – sie hatten das Wallis verlassen und auf der Suche nach neuem Siedlungsgebiet mühsam einen Alpenpass nach dem anderen überwunden. Heute geht’s einfacher. Rein ins Auto, rein in den Achraintunnel. Die Route führt über Lingenau und Hittisau durch eine sanfte Hügellandschaft nach Osten.

Früher als erwartet grüsst der schwarze Adler auf gelbem Grund: Willkommen im Allgäu! Jetzt kann es ja nicht mehr weit sein. Schon stellt man sich auf eine geruhsame Gondelei bis zum Ziel ein, schmunzelt noch über den Ortsnamen Balderschwang – doch dann kommt der Riedberg: der höchste befahrbare Pass Deutschlands. Mit 1407 Metern über Meer vermag er zwar auf dem Papier weder Österreicher noch Schweizer zu beeindrucken. In natura jedoch erweist er sich als klein, aber giftig. Nach der steilen Abfahrt landet man mit rauchenden Bremsen in einem weiten Tal, ein hübscher Blick nach Norden ins Allgäu tut sich auf. Aber nix da, rechts abbiegen und nach Süden weiter, zurück nach Vorarlberg! Die Strasse führt an Oberstdorf und seiner Skischanze vorbei, über die Staatsgrenze und hinein ins Kleinwalsertal, das Familien- und Rentnerparadies. In Riezlern wimmelt es von Wandervögeln. Noch rasch die Beine vertreten, bevor das Casino öffnet? Es ist übrigens das einzige in Vorarlberg nebst jenem in Bregenz. In Mittelberg sind die Steilhänge, die den Weg nach Restösterreich versperren, schon zum Greifen nah. Spätestens in Baad dann heisst es: Hierbleiben, umkehren – oder zu Fuss weiter, wie seinerzeit die Walser. (av)

Mit dem Töff durch die Mitte

Wer gemütlichen Kurvenspass fürs ­Motorrad sucht, muss nicht gleich zur Sil­vretta-Hochalpenstrasse hoch. Mitten durch Vorarlberg reicht vollkommen. Nach Feldkirch links weg Richtung Rankweil beginnen die schmalen Täler. Es riecht nach geschnittenem Nadelholz und Braunvieh. Die Strasse schlängelt sich gemächlich nach oben durch Dörfchen mit klangvollen Namen: Satteins, Röns, Schnifis. Und natürlich, bevor sich die Passstrasse gegen das Faschinajoch emporschraubt, durch das hübsche Sonntag. Wie Sonntag fühlt es sich auch kurz nach der Passhöhe und der Hahnenköpfle-Galerie an. Die Gastronomie in Damüls ist noch im Winterschlaf. Für die Bergbahnarbeiter wird in einer Imbissbude dennoch gekocht. Backerbsensuppe, ein paar Brocken Fleisch und Brot sind noch übrig. Weniger Glück hat der nachfolgende Biker. Für ihn gibt es nur noch ein Mezzo-Mix. Der Zuckerspiegel der Pensionistin, die ihren Bus verpasst hat, wird mit Schorle und Semmel noch notdürftig stabilisiert. Dann gehen die Läden runter. Die Kurven hinunter an die Bregenzerach sind ein Hochgenuss, die Strasse nach Mellau unter den Rädern, den Off-Beat der Bregenzerwälder Trinkerballade «Vo Mello bis ge Schoppornou» im Ohr. Die Rundfahrt endet mit einem Abstecher durch Schwarzenberg – vom Biker vorhin liebevoll «black mountains» genannt – übers Bödele und wieder hinunter nach Dornbirn. (hrt)

Durchblick statt Tunnelblick

Arlberg. Das Loch zieht magisch an. Das Ende des Tunnels ist für viele Reisende der Anfang des Südens. Doch die Strasse durchs Klostertal hat es in sich. Sie ist unfallträchtig und für manche der Anfang vom Ende. Dabei vermitteln einem die zahlreichen Kreuze und Bildstöcke am Strassenrand den Eindruck, dass Gott hier stets auf dem Beifahrersitz mitfährt.

Kilometerlanger Tunnelblick? Nein, danke. Spannender, da gratis spektakuläre Ausblicke mitgeliefert werden, ist der Flexenpass. Vor Stuben beginnt das Staunen über die Leistung der damaligen Bauingenieure, nach Stuben der Anstieg. Erst Kurve nach Kurve, dann Galerie auf Galerie. So windet sich die Strasse hinauf zur Passhöhe auf 1773 Meter über Meer. Dann geht’s hinunter nach Zürs und Lech, beide im Zwischensaisonmodus: ein paar verlorene Spaziergänger, geschlossene Hotels. Manchem Einheimischen wäre eine wintersichere Strassenverbindung nach Warth lieber gewesen als die Verbindung der Skigebiete. Und wieder geht es aufwärts, nach Warth wartet der nächste Übergang: der Hochtannbergpass, der in den Bregenzerwald führt. Dann kommt sie – diese Kurve, die frei in der Landschaft steht, auf meterhohen Betonpfählen über ­Boden. Spätestens da wird es klar: Das spektakuläre Vorarlberg findet sich hinter den Hügeln und Bergen und nicht im Rheintal; dort fliesst das Wasser hüben wie drüben Richtung Bodensee. (rw)

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