«Statt in Reisen wurde in guten Schlaf investiert»: Ostschweizer Bettenhändler kommen der Nachfrage kaum hinterher

Wie man sich bettet, so liegt man. Das wurde vielen Ostschweizern im ersten Lockdown teilweise schmerzlich bewusst. Seither stürmen sie den Matratzen- und Bettenfachhandel.

Viola Priss
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Das Material, aus dem Träume gemacht sind: Matratzen sind in der Coronakrise gefragt wie nie.

Das Material, aus dem Träume gemacht sind: Matratzen sind in der Coronakrise gefragt wie nie.

Bild: Getty

Latex, Kaltschaum, Federkern – einmal eingetaucht in die Welt der Matratzen, fällt es schwer, nicht liegenzubleiben. Besonders seitdem der Weg zum Arbeitsplatz in vielen Homeoffices nur noch wenige Schritte vom Bett entfernt liegt. So geht es derzeit auch vielen Ostschweizerinnen und Ostschweizern: Noch nie war ihnen wichtiger, wie sie sich betten, bestätigen Matratzen- und Bettenhändler aus der Region, wie Chantal Brüschweiler, Geschäftsführerin des Bettenfachmarkts Jysk in Herisau:

«Statt in Reisen wurde in guten Schlaf investiert.»

Weil derzeit das heimische Revier alles können, leisten und bieten muss, was sonst an diversen Schauplätzen des Lebens stattfindet, will jeder Quadratmeter Wohnraum optimal genutzt sein. Dem Bett wird dabei eine unverzichtbare Rolle zuteil: Hier wollen Coronafallzahlen, Zukunftsängste, Alltagssorgen und vermisste Freunde verarbeitet werden. Gleichzeitig ist hier aber auch der Ort, an dem alles so ist wie immer. Der abendliche Tee, das Buch auf dem Nachttisch und die Freude über frischgewaschene Bettwäsche: Relikte einer Zeit vor Corona.

Es erstaunt also wenig, dass immer mehr Menschen in der Ostschweiz bereit sind, auch immer mehr Geld und Aufwand in ihre Schlafstätte zu investieren. Entsprechend hübschen sie ihre Ruhe-Insel im Coronachaos mit neuen Matratzen, Bettkästen, Lattenrosten und Zubehör aus. Chantal Brüschweiler sagt:

«Die Menschen haben Geld retour gelegt, um es in guten Schlaf investieren zu können.»

Bettenhändler verzichten dieses Jahr auf Betriebsferien

Direkt im Mai zogen die Verkaufszahlen und Beratungsgespräche an, sagt Chantal Brüschweiler. Man habe einen richtigen Boom nach dem Lockdown erlebt. «Aber auch jetzt haben wir wieder alle Hände voll zu tun», sagt sie. Eigentlich ist jetzt in der kälteren Jahreszeit die Nachfrage am grössten. Hinzu kommt, dass viele der Kunden, gerade die Ältern erneut Angst hätten, die Läden könnten bald schliessen, so Brüschweiler.

«Zu uns kamen die Kunden selbst im Hochsommer», bestätigt Daniela Thönig, Mitinhaberin des Thönig Bettenhauses in St. Gallen. Sie und ihr Team sind seit der Wiedereröffnung nach dem Lockdown, dem 11. Mai, eigentlich konstant mit der Beratung ausgelastet: «Eine individuelle Beratung dauert ihre Zeit – wir waren durchweg beschäftigt und haben sogar auf Betriebsferien verzichtet.»

Mein Garten, mein Balkon, mein Schlafzimmer

Ein Faktor für die Neukäufe seien auch Schmerzen, die manchem erst jetzt richtig auffallen: «Vor Corona ist manchem nicht klar gewesen, dass Rückenschmerzen matratzenbedingt seien können», sagt Thönig. Vor allem Rückenschmerzgeplagten fehle jetzt die ausgleichende Bewegung und der Sport. Nun wolle man vermehrt den stressigen Alltag mit ausreichend Schlaf ausgleichen, könne aber häufig nicht wegen der Schmerzen, so die Fachfrau. Viele kommen dann zu Beratung und Probeliegen ins Bettenhaus.

Auch junge Menschen brächten die Zeit für die Beratung derzeit gerne auf, sagt Thönig. Sie empfiehlt ihren Kunden schon seit dem Frühling, vorher einen Termin zu vereinbaren, um Wartezeiten zu vermeiden. Die Menschen wollten es sich daheim einfach bewusst so schön wie möglich machen, mit allem was dazugehört: «Spontan haben sich viele Paare nicht nur für eine neue Matratze, sondern gleich für ein schönes neues Bett entschieden.» «My home is my castle» – mein Zuhause ist meine Festung: Das ist das Motto dieses Coronajahres. Nach Garten und Balkon gibt es nun einen dritten Zufluchtsort: das Schlafzimmer.