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Starbucks-Gast in der St.Galler Innenstadt getötet: Der Täter ist schuldunfähig

Anfang Mai findet das Gerichtsverfahren gegen den Mann statt, der im August 2017 einen Starbucks-Gast in der Stadt St.Gallen getötet hat. Laut psychiatrischem Gutachten ist er schuldunfähig.
Claudia Schmid
Die Anteilnahme der Bevölkerung nach dem tödlichen Angriff war gross. (Bild: Urs Bucher (St.Gallen, 14. August 2017))

Die Anteilnahme der Bevölkerung nach dem tödlichen Angriff war gross. (Bild: Urs Bucher (St.Gallen, 14. August 2017))

Gemäss dem psychiatrischen Gutachten ist der 44-jährige Schweizer an einer paranoiden Schizophrenie erkrankt, die ihren Anfang 2008 nahm. Aus den Akten gehe hervor, dass sich der Mann im Sommer 2017 zunehmend auffälliger verhalten habe, heisst es in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft St.Gallen. Der Gutachter führe aus, dass er zum Tatzeitpunkt in einem ausgeprägten Wahngebilde bewegt habe. Er sei nicht mehr in der Lage gewesen, die Realität wahrzunehmen.

Aufgrund der psychiatrischen Diagnose wird dem Täter vollständige Schuldunfähigkeit attestiert. Deshalb wird am 9. Mai am Kreisgericht St.Gallen kein gewöhnliches, dreiteiliges Strafverfahren, sondern ein sogenannt selbstständiges Massnahmeverfahren verhandelt. Die Staatsanwaltschaft beantragt dementsprechend keinen eigentlichen Schuldspruch. Der Antrag lautet, es sei «die schuldlose Begehung des Mordes» durch den Beschuldigten festzustellen und eine stationäre therapeutische Massnahme nach Artikel 59 (kleine Verwahrung) anzuordnen. Der Beschuldigte befindet sich nach seiner Festnahme und der Untersuchungshaft seit Februar 2018 im vorzeitigen Massnahmevollzug.

Die Wahnvorstellungen des Beschuldigten kosteten einem ihm unbekannten, zur Tatzeit zufällig in der St.Galler Marktgasse vor dem Starbucks sitzenden 22-jährigen Mann das Leben. Wie der Anklageschrift zu entnehmen ist, gaukelten die Wahnvorstellungen dem Beschuldigten vor, er müsse ein Mitglied eines «Sexporno-Filmrings» und Verkäufer von brutalen Sexporno-Videos töten. Den vermeintlichen Auftrag zu dieser Tat erhielt er in seinem Wahngebilde von verschiedenen ehemaligen Kandidatinnen von Schönheitswettbewerben und besorgten Müttern.

Mit grosser Wucht zugestochen

Am 4. August 2017 radelte der Beschuldigte um etwa 11 Uhr von seinem Zuhause aus mit dem Velo in die St.Galler Innenstadt. Nach den Schilderungen in der Anklageschrift hielt er sich während mehrerer Stunden im Bereich Marktgasse, Bohl und Vadian-Denkmal auf und hielt Ausschau nach der Person, die er töten sollte. Offenbar forderte er in dieser Zeit mehrere Passanten auf, den Ort zu verlassen, weil hier bald etwas passieren werde.

Plötzlich glaubte er, seine Zielperson erkannt zu haben. Es handelte sich um einen jungen Mann, der sich mit einem Freund an einen Tisch vor dem Starbucks gesetzt hatte, um etwas zu trinken. Der Beschuldigte wartete noch einige Zeit ab, bevor er kurz nach 18 Uhr mit geöffnetem Taschenmesser in seiner rechten Hand auf sein Opfer zuging. Er riss den Cafébesucher zu Boden und stach mit grosser Wucht mehrere Male gegen Hals und Oberkörper.

Passant konnte Täter festhalten

Ein Passant konnte den Täter schliesslich mit einem gezielten Fusstritt überwältigen und bis zum Eintreffen der Polizei festhalten. Das Opfer wurde mit lebensgefährlichen Verletzungen ins Kantonsspital St.Gallen gebracht. Wenige Tage später verstarb der junge Mann. Er hatte durch die Messerattacke sehr viel Blut verloren. Zurück blieben fassungslose Familienmitglieder und Freunde.

Das selbstständige Massnahmeverfahren gegen den Beschuldigten findet am 9. Mai statt. Die Öffentlichkeit ist von dieser Hauptverhandlung ausgeschlossen.

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