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Kein Mord, sondern vorsätzliche Tötung: Starbucks-Täter zu «kleiner Verwahrung» verurteilt

Das Kreisgericht hat den psychisch kranken Mann, der vor dem Starbucks in der St.Galler Innenstadt einen jungen Menschen erstach, als schuldunfähig erklärt. Es ordnete eine stationäre Massnahme an.
Claudia Schmid
Mahnmale vor der Starbucks-Filiale in der St.Galler Innenstadt. (Bild: Hanspeter Schiess)

Mahnmale vor der Starbucks-Filiale in der St.Galler Innenstadt. (Bild: Hanspeter Schiess)

Das Gericht kam zum Schluss, dass der Tatbestand nicht als Mord, sondern als vorsätzliche Tötung zu qualifizieren ist. Mord setze eine besondere Skrupellosigkeit voraus, was beim Beschuldigten aufgrund seiner schweren psychischen Krankheit und der damit verbundenen Schuldunfähigkeit nicht gegeben sei, erklärte der vorsitzende Richter. Die Schuldunfähigkeit komme in der Gerichtspraxis eher selten vor, sei aber in diesem Fall klar gegeben.

Weiter ordnete das Gericht eine stationäre Massnahme nach Artikel 59 (kleine Verwahrung) an. Eine Verkürzung der Frist bis zur Überprüfung der Massnahme erachtete es als nicht angebracht. Der Opferfamilien muss der Beschuldigte eine Genugtuungssumme zahlen. Die Angehörigen hätten einen immensen Verlust erlitten, betonte der vorsitzende Richter weiter. Klar sei, dass dieser Verlust mit finanziellen Mitteln nicht zu tilgen sei. Die Kosten des Untersuchungs- und Gerichtsverfahrens trägt der Staat.

Täter leidet an einer paranoiden Schizophrenie

Der 44-jährige Schweizer hatte am 4. August 2017 ohne Vorwarnung einen zufällig in der Innenstadt von St.Gallen angetroffenen jungen Mann angegriffen und ihn mit mehreren Messerstichen getötet. Er leidet laut eines psychiatrischen Gutachtens an einer paranoiden Schizophrenie.

Der zuständige Psychiater führte darin aus, die Gefahr sei gross, dass es aufgrund der Krankheit zu weiteren schweren Straftaten kommen könnte.

«Schreckliche und absurde Tat»

Der Beschuldigte befindet sich seit Februar 2018 im vorzeitigen Massnahmenvollzug. An der Verhandlung am Kreisgericht St.Gallen erklärte er, er habe nach seiner Festnahme andere Medikamente erhalten, die zu einer Besserung seines Zustandes geführt hätten. In der Vollzugsanstalt habe er sich in den letzten Monaten erholen können.

Seine Tat vom August 2017 bezeichnete er als schrecklich und absurd. Es sei für ihn heute unvorstellbar, dass er aus dem Nichts heraus so etwas Schreckliches getan habe. Er sei damals in eine schwere Psychose gefallen, die sich immer mehr zugespitzt habe. Dadurch habe er nicht mehr in der Realität gelebt. «Viele Sachen, die ich damals las, im Fernsehen sah oder in Gesprächen hörte, habe ich auf mich bezogen», erklärte er in der Befragung des vorsitzenden Richters. Leider sei dann alles so eskaliert, dass es zur Tötung eines Menschen gekommen sei.

Der Beschuldigte betonte, er wolle alles tun, damit er nie wieder etwas Vergleichbares mache. Grundsätzlich finde er es gut, dass er sich in der Vollzugsanstalt einer Therapie unterziehe, um sich wieder in die Gesellschaft integrieren zu können. Er hoffe, eines Tages wieder in Freiheit leben zu können.

Vollumfänglich schuldunfähig

Aus dem Gutachten gehe hervor, dass der Beschuldigte nach mehreren Hospitalisierungen in der psychiatrischen Klinik zunehmend auffälliger geworden sei, erklärte die Staatsanwältin. Aufgrund seiner schweren psychischen Krankheit sei er zur Tatzeit nicht in der Lage gewesen, sein Unrecht zu erkennen und deshalb schuldunfähig. Sie beantragte, es sei die schuldlose Begehung des Mordes durch den Beschuldigten festzustellen und eine stationäre therapeutische Massnahme nach Artikel 59 (kleine Verwahrung) anzuordnen.

Der Rechtsvertreter der Familie des Opfers betonte, es sei für die Angehörigen schwer zu ertragen, dass der Beschuldigte straffrei bleiben solle. Noch immer seien sie fassungslos über den sinnlosen Tod des Sohnes und Bruders. Er beantragte eine Genugtuungssumme für seine Mandanten.

«Krankheit nicht ausgesucht»

Der Verteidiger sprach der Opferfamilie zu Beginn seines Plädoyers sein Beileid aus. Die Tötung des jungen Mannes sei nicht wiedergutzumachen, auch nicht mit einer Gerichtsverhandlung. Für das grosse Leid, das die Familie erlitten habe, fehlten die Worte.

So schrecklich die Tat sei, müsse jedoch auch festgestellt werden, dass sein Mandant durch die schwere psychische Krankheit als schuldlos gelte, da er zum Tatzeitpunkt über keinen Willen verfügt habe und ferngesteuert gewesen sei. Der Beschuldigte habe es nicht ausgesucht, an einer paranoiden Schizophrenie zu erkranken, an Wahnvorstellungen zu leiden und seinen Willen zu verlieren.

Der Verteidiger stellte sich nicht grundsätzlich gegen die Anträge der Anklage, forderte jedoch eine kürzere Frist als die gesetzlich festgelegte Höchstdauer von fünf Jahren bis zur Überprüfung der Massnahme. Die in den letzten Monaten erfolgreich verlaufene Therapie müsse es erlauben, dass der Beschuldigte vom geschlossenen in den offenen Massnahmenvollzug versetzt werde. Auch im offenen Vollzug sei der Beschuldigte bestens überwacht. Eine Verschlechterung seines psychischen Zustandes werde sofort erkannt. Die Staatsanwältin stellte sich mit Nachdruck gegen diesen Antrag.

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