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Chinesisches Hin und Her um Spitzelvorwürfe nach Fotoausstellung

Das Generalkonsulat Chinas nimmt zu Vorwürfen eines Thurgauer Ausstellungsorganisators Stellung.
Andri Rostetter
Ein Bild von Protesten in Hong Kong. Diese und weitere Aufnahmen waren in einer Ausstellung in Zürich zu sehen. (Bild: Lam Chun Tung)

Ein Bild von Protesten in Hong Kong. Diese und weitere Aufnahmen waren in einer Ausstellung in Zürich zu sehen. (Bild: Lam Chun Tung)

Bis vor wenigen Tagen lief in der Zürcher Photobastei die Ausstellung «Stand with Hong Kong Journalists». Neun Pressefotografen zeigten dort rund 50 Bilder mit Szenen von den seit Monaten andauernden Proteste in Hongkong. Organisator der Ausstellung ist der Frauenfelder Fotograf Marcel Sauder, selber ein Kenner der asiatischen Metropole. Kurz vor Beginn der Ausstellung meldete sich Sauder bei unserer Zeitung. Er berichtete von niederschwelligen Druckversuchen seitens des chinesischen Generalkonsulats in Zürich.

Romano Zerbini, Leiter der Photobastei, bestätigte Sauders Darstellung. Laut Zerbini sind während der Vorbereitungen Männer aufgetaucht und haben Informationen über die Aussteller gefordert. Die Männer hätten erst auf Nachfrage hin offengelegt, dass sie Mitarbeiter des chinesischen Generalkonsulats seien. Zudem sei er zu einem Gespräch auf das Konsulat eingeladen worden, sagt Zerbini. Unsere Zeitung bat das Generalkonsulat anschliessend mehrfach um eine Stellungnahme zu den Vorwürfen. Die Stellungnahme blieb trotz Ankündigung aus.

Verweis auf das Wiener Übereinkommen

Diese Woche meldete sich nun das chinesische Generalkonsulat bei dieser Zeitung und verlangte überraschend den Abdruck eines Leserbriefs. In dem mit zahlreichen chinesischen Sprichwörtern angereichterten Schreiben werden Zerbinis Schilderungen als unwahr dargestellt.

Der Autor des Leserbriefes gab sich als «einer der beiden Herren» zu erkennen, die in der Photobastei vorstellig geworden waren. Es handelt sich um Konsulatsattaché Zhang Fengye. Zerbini unterschlage, dass er und sein Begleiter sich von Anfang an als Mitarbeiter des Generalkonsulats zu erkennen gegeben hätten, schreibt Fengye. «Wir haben es nicht nötig, unter falschem Vorwand zu agieren.» Fengye beruft sich auf das Wiener Übereinkommen über konsularische Beziehungen.

Demnach dürfen eine konsularische Vertretung «die Entwicklung der wirtschaftlichen, kulturellen und wissenschaftlichen Beziehungen zwischen Entsendestaaten und dem Empfangsstaat fördern und pflegen sowie sich mit allen rechtmässigen Mitteln über Verhältnisse und Entwicklungen des Empfangsstaates zu unterrichten». Wenn eine öffentliche Fotoausstellung China betreffe, sei das Konsulat demnach berechtigt, sich als «Brückenbauer des kulturellen Austausches und Promotoren der pragmatischen Zusammenarbeit» darüber zu informieren.

«All das, was die Hongkonger Kollegen anwenden»

Fengye nimmt auch direkt Bezug zu den Protesten in Hongkong. «Laut dem erfahrenen Schweizer Journalisten Peter Achten verwendet jede Schweizer Polizei bei nicht bewilligten Protesten von Demonstranten, die massiv Gewalt anwenden – Steine und Molotowcocktails werfen, Autos anzünden und Barrikaden errichten –, Tränengas und all das, was die Hongkonger Kollegen anwenden», schreibt er.

Am Dienstagnachmittag nahm unsere Redaktion telefonisch Kontakt mit Fengye auf und bestätigte den Eingang des Schreibens. Gleichzeitig wurde der Konsulatsattaché darauf hingewiesen, dass der Leserbrief nicht abgedruckt werde. Die Redaktion werde aber einen Bericht veröffentlichen. Dem stimmte Fengye zu.

Aussagen «aus dem Kontext gerissen»

Am Dienstagabend meldete sich ein weiterer Mitarbeiter des Konsulats und verlangte den Rückzug des gesamten Artikels. Die Aussagen seien «aus dem Kontext gerissen», wenn der Brief nicht in voller Länge abgedruckt werde. Die Redaktion lehnte dies ab. Am Mittwoch schickte das Generalkonsulat eine leicht gekürzte Fassung des Leserbriefs. Die Vorwürfe blieben dieselben. Photobastei-Leiter Zerbini hält ebenfalls an seiner Darstellung fest.

«Wir haben die Männer nach einer Visitenkarte gefragt. Sie gaben an, keine dabei zu haben», sagt er. Erst auf Nachfrage hätten sich die Männer als Mitarbeiter des Konsulats zu erkennen gegeben. «Anschliessend gaben sie an, eine Ausstellung organisieren zu wollen. Als wir sagten, dass dies frühestens im Mai möglich sei, wollten sie die Kontaktdaten unserer Fotografen.» Der Vorfall habe sich zwei Tage vor Eröffnung der Ausstellung ereignet.

Die Ausstellung dauerte vom 19. bis 29. September und zog 1800 Besucherinnen und Besucher an. Laut den Veranstalter zählt sie damit zu den erfolgreichsten Ausstellungen, die je in der Photobastei gezeigt wurden.

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