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Interview

Ständeratskandidatin Sarah Bösch: «Ich hatte es nie einfach»

Neue Einsichten, neue Ansichten, neue Pläne: Nach drei Jahren Abstinenz kehrt Sarah Bösch auf die politische Bühne zurück. Ein Gespräch über ihre Niederlagen, die SVP und Benedikt Würth.
Andri Rostetter
«Ich bin glücklicherweise keine Berufspolitikerin»: Sarah Bösch. (Bild: Benjamin Manser)

«Ich bin glücklicherweise keine Berufspolitikerin»: Sarah Bösch. (Bild: Benjamin Manser)

Sie kandidierten 2015 für den Nationalrat, 2016 für den Kantonsrat, jetzt für den Ständerat. Kandidieren Sie nun grundsätzlich, wenn es Wahlen gibt?

Sarah Bösch: Seit meinem letzten Wahlkampf sind drei Jahre vergangen. Ich habe heute einen Leistungsausweis als Unternehmerin, ich habe Führungserfahrung. Auch politisch bringe ich einen grösseren Rucksack mit.

Sie sprechen von Ihrer Vergangenheit als SVP-Stadtparlamentarierin in Wil.

Ja, aber das ist längst nicht alles. Ich habe vier Jahre in der Bildungskommission der SVP Schweiz gearbeitet und dort eng mit Behörden und Lehrern zusammengearbeitet. Dieses Papier kam auf nationaler Ebene zum Einsatz.

Und das befähigt Sie für den Ständerat?

Sehen Sie, auf meiner Wahlkampftour werde ich permanent angesprochen. Aber nicht auf die Vergangenheit, sondern auf die Gegenwart. Die Leute finden es toll, dass ich aufgestanden bin und weitermache. Sie wollen wissen, was ich vorhabe. Was in den Medien immer wieder breitgeschlagen wird, spielt für die Wählerinnen und Wähler keine Rolle mehr.

Was haben Sie aus der Vergangenheit gelernt? Sie mussten damals einiges einstecken.

Es geht nicht nur um diese Dinge von vor vier Jahren. Jeder Mensch trägt einen Rucksack. Ich bin adoptiert und alleinerziehende Mutter. Ich hatte es in der Schule nie einfach, ich musste immer für meine Leistungen kämpfen. Das hat mich geprägt. Ich stehe immer wieder auf, auch als Politikerin und Unternehmerin.

Machen Sie keine Trennung zwischen Politik und Unternehmertum?

Das kann man gar nicht trennen, wir leben in einem Milizsystem. Und ich bin glücklicherweise keine Berufspolitikerin, sonst hätte ich keine Ahnung von der Wirtschaft.

Sie waren auch mit der SVP wieder im Gespräch.

Ich rede immer mit allen Seiten, ich verschliesse mich nicht gegenüber einzelnen Positionen, das passt nicht zu mir. Mein Verhältnis zur SVP ist gut.

Sie haben auch Ihre Positionen nicht radikal geändert.

Meine Positionen sind nach wie vor bürgerlich. Als Unternehmerin habe ich erlebt, wie Vorschriften und Bewilligungshürden dem Gewerbe zu schaffen machen. Auch in der Ausländerpolitik bin ich nach wie vor mit der bürgerlichen Seite einig. Aber ich bin in einzelnen Fragen etwas liberaler geworden.

In welchen?

Zum Beispiel in der Drogenpolitik. Ich bin für eine Legalisierung, begleitet von Massnahmen, um die Kriminalität zu senken. Auch die Ehe für Homosexuelle befürworte ich.

Was sehen Sie heute anders als vor vier Jahren?

Ich weiss zum Beispiel, wie viele Sorgen Alleinerziehende haben. Damit meine ich nicht mich selber, ich kann auf grosse Unterstützung zählen. Aber es gibt viele Fälle, bei denen es grosse Probleme gibt, auch finanzielle. Da müsste man Lücken schliessen, beispielsweise mit Steuervergünstigungen.

Gibt es ausser der Familienpolitik noch andere Themen für Sie?

Die Familienpolitik hängt mit vielem zusammen: Bildung, Wirtschaft, Vorsorge, Alter, Gesundheit. Für mich ist das deshalb ein Kernthema. Aber selbstverständlich gibt es auch andere wichtige Themen, zum Beispiel das Verhältnis zur EU.

Die Konkurrenz in diesem Wahlkampf ist gross, sieben Kandidaten wollen diesen Ständeratssitz. Sie sind weder die einzige Frau noch die einzige Unternehmerin.

Ich schätze es, dass sich mit Susanne Vincenz-Stauffacher eine zweite Frau zur Wahl stellt. Aber als Unternehmerin hebe ich mich von ihr ab. Ich führe zehn Mitarbeitende, im Frühling expandieren wir, dann werden es 14 sein. Ich setze mich für Familien ein, habe Arbeitsplätze geschaffen und ermögliche mit meinen Krippen vielen topausgebildeten Müttern Teilzeitarbeit.

Susanne Vincenz-Stauffacher hat sich als Präsidentin der Frauenzentrale jahrelang für Frauen eingesetzt.

Das ist wunderbar, aber ich habe das nie wahrgenommen. Das zeigt vielleicht etwas anderes: In den unteren Schichten, in denen ich mich bewege, kennt man Frau Vincenz nicht. Man weiss nicht, was sie geleistet hat. Ich bin nicht nur an Apéros, ich gehe wenn nötig auch zu den Familien nach Hause, um Lösungen zu finden und zuzuhören.

Sie haben Benedikt Würth vorgeworfen, er habe ausserhalb der CVP nichts erreicht.

Er wird verständlicherweise als politisch erfahren angepriesen. Das kann ich von mir nicht behaupten, klar. Aber ich bin Unternehmerin, ich bin sehr nahe bei den Menschen. Ich kenne die Verwaltung, diese ganzen Behördenapparate und Bewilligungsprozesse aus der Sicht der Unternehmerin. Ich bin nicht sicher, ob Benedikt Würth weiss, welche Hürden man nehmen muss, um in diesem Land etwas erreichen zu können.

Sollten Sie am 10. März gewählt werden, was werden Sie als Erstes tun?

Wie gesagt: Ich werde mich der Familienpolitik widmen. Auch eine liberale Wirtschaftspolitik ist mir ein grosses Anliegen. Mit dem nationalen Gewerbeverband arbeite ich schon länger zusammen, diese Beziehung möchte ich vertiefen.

Wenn Sie nicht gewählt werden: Ist bei den nationalen Wahlen im Herbst mit Sarah Bösch zu rechnen?

Wenn ich weiterhin die Unterstützung meines Unternehmens und meines Umfelds habe, dann ist mit mir zu rechnen. Aber am Wahlsonntag werde ich zuerst einmal das Ergebnis analysieren. Wenn ich unmittelbar vor oder nach Mike Egger liege, dann öffne ich einen Champagner.

Frau mit Stehvermögen

Sarah Jyoti Bösch (*1982) wurde mit vier Jahren aus Indien adoptiert. 2011 trat die ausgebildete Behindertenbetreuerin der SVP bei. 2013 wurde sie in die eidgenössische Bildungskommission der Partei berufen, 2015 gelang ihr der Sprung ins Wiler Stadtparlament. Nach einer Affäre um eine Fahrt in angetrunkenem Zustand überwarf sich Bösch mit der SVP. 2015 kandidierte sie als Parteilose für den Nationalrat, 2016 für den Kantonsrat. Heute ist sie Mitinhaberin und Geschäftsführerin der Hotelkrippe GmbH in St. Gallen und Präsidentin des Vereins für Arbeits- und Gesellschaftliche Integration. Bösch ist Mutter einer siebenjährigen Tochter. (ar)

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