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Interview

Ständeratskandidat Benedikt Würth: «Die CVP ist wichtig für die Schweiz»

Der St.Galler Regierungsrat Benedikt Würth gilt als Favorit für die Ersatzwahl vom 10. März. Er spricht über sein Arbeitspensum, das fehlende Parteilogo auf seinen Wahlplakaten und Paul Rechsteiner.
Andri Rostetter, Regula Weik
«Man muss eine gewisse Demut entwickeln»: Ständeratskandidat Benedikt Würth. (Bilder: Michel Canonica)

«Man muss eine gewisse Demut entwickeln»: Ständeratskandidat Benedikt Würth. (Bilder: Michel Canonica)

Schämen Sie sich für Ihre Partei?

Benedikt Würth: Überhaupt nicht. Warum?

Warum ist denn das CVP-Logo nicht auf Ihrem Wahlplakat?

Mein Wahlkampfteam wollte diese Wahl bewusst auf mich als Person ausrichten. Die Ständeratswahl ist eine Personenwahl. Wer den Stimmzettel in die Hand nimmt, weiss, wer wo steht.

Es wirkt, als ob Sie auf Distanz zu Ihrer Partei gehen.

Das ist es definitiv nicht. Ich war Fraktionschef und Vizepräsident der Kantonalpartei, ich bin ein überzeugter Christdemokrat. Trotzdem fühlte ich mich nie als Parteisoldat.

Es wirkt dennoch, als wollten Sie sich von der Partei distanzieren.

Ich empfinde das nicht so. Interessanterweise wurde Paul Rechsteiner von den Medien nicht danach gefragt, als er dasselbe machte.

Wollen Sie bei Parteilosen punkten?

Bei einer Majorzwahl geht es immer darum, Wählerinnen und Wähler über Parteigrenzen hinaus zu mobilisieren. Nur mit den Stammwählern kommt man nicht auf 50 Prozent. Das gilt aber für alle Kandidaten.

Gerade die Stammwählerschaft der CVP schrumpft seit Jahrzehnten.

Wir haben gemäss den neuesten Umfragen die Talsohle durchschritten. Meine Partei ist sehr wichtig für das Land. Die CVP versucht einen Ausgleich zu schaffen zwischen der Wirtschaft, sozialen Anliegen und Ökologie. Das ist nach wie vor ein zukunftsgerichtetes, modernes Programm.

Für die St.Galler CVP wäre ein Wahlerfolg enorm wichtig.

Dass die Partei sich stabilisiert und wieder zulegt, ist ein gesamtschweizerisches Thema. Unsere Partei hat gerade in ökologischen Fragen immer einen klaren Kurs gefahren. Im Kantonsrat habe ich mich dazu immer klar geäussert. Wir haben das Pariser Klimaabkommen unterschrieben, wir müssen es umsetzen. Das CO2-Gesetz war ein Trauerspiel im Nationalrat, das muss der Ständerat nun korrigieren. Wir brauchen ein klimapolitisches Inlandziel.

Waren Sie überrascht, dass Sie in diesem Wahlkampf plötzlich so viel Konkurrenz haben?

Nein. Einzig, dass drei Parteilose antreten, ist überraschend. Die Kandidaturen der drei anderen Parteien sind es nicht.

Damit haben Sie gerechnet?

Selbstverständlich.

FDP-Kandidatin Susanne Vincenz-Stauffacher wird von links unterstützt. Beunruhigt Sie das?

Nein. Wahlen sind immer Wettbewerbe um Profile. Schliesslich entscheiden die Wählerinnen und Wähler, welches Profil sie bevorzugen. Man muss gegenüber diesen demokratischen Prozessen auch eine gewisse Demut entwickeln – und das Ergebnis so nehmen, wie es kommt. Wer antritt, muss immer auch das Szenario einer Nichtwahl einkalkulieren. Ich bin allerdings zuversichtlich, denn ich erhalte eine breite Unterstützung.

Das Duo Keller-Sutter/Rechsteiner wurde zu einem festen Wert. Würde es mit den Duo Würth/Rechsteiner nahtlos so weitergehen?

Wir verstehen uns, persönlich. Wenn es um regionale Fragen geht, muss man zusammenarbeiten, auch wenn man einen anderen programmatischen Hintergrund hat.

Sie sind Rechsteiner politisch näher, als dies Karin Keller-Sutter war?

Sie sprechen das Links-rechts-Schema an. Man kann das so deuten, auch wenn ich persönlich von solchen Ratings nichts halte. Es gibt natürlich deutliche Unterschiede zu Paul Rechsteiner.

Etwa beim Rahmenabkommen?

Ja. Ich folgte als Präsident der Konferenz der Kantonsregierungen der Einladung des Bundesrats, Rechsteiner als Gewerkschafter bekanntlich nicht. Ich habe das bedauert und betrachte es als falsch.

Kein Nachholbedarf bei den flankierenden Massnahmen?

Auch die Kantone sagen, dass Lösungen mit den Sozialpartnern gesucht werden müssen. Sie sind immer bereit, willig und konstruktiv an Lösungen zu arbeiten. Bei gutem Willen sind Lösungen mit der EU machbar, aber der Bundesrat wird nachverhandeln müssen.

Sie sind Favorit in diesem Wahlkampf, die Konkurrenz hat sich auf Sie eingeschossen.

Das mag sein. Ich kommentiere nicht, was andere über mich sagen.

Ein häufiger Vorwurf: Benedikt Würth ist Berufspolitiker ohne Erfahrung in der Privatwirtschaft...

...was ja sowieso falsch ist. Vor meinem Wechsel in die Politik war ich in einer leitenden Position in einem Wirtschaftsprüfungs- und Treuhandunternehmen. In die Politik bin ich damals reingerutscht.

Sie wurden mit 32 Jahren Gemeindepräsident von Jona.

Das stimmt, ich habe jung in die Politik gewechselt. Aber verstecken muss ich mich deswegen nicht. Weder die Stadt Rapperswil-Jona noch die kantonalen Departemente sind Kleinbetriebe. Ich führe also seit 20 Jahren grosse Einheiten. Es braucht im öffentlichen wie im privaten Umfeld die gleichen Kompetenzen in der Führung. Die Schweiz ist bisher gut gefahren mit Leuten im Ständerat, die politische Erfahrung haben. Gerade in der Exekutive lernt man, über die Parteigrenzen hinaus Lösungen zu entwickeln.

Als Ständerat wären Sie wieder Milizpolitiker.

Das ist mir bewusst. Das Ständeratsamt ist kein Vollzeitjob. Ich würde mir ein zweites berufliches Standbein aufbauen.

In welcher Branche?

Das ist noch offen. Im Moment steht der Wahlkampf im Vordergrund.

Aber Sie haben schon Ideen?

Ja. Für mich ist klar, ich will nicht Profipolitiker bleiben. Ich möchte die Chance für einen beruflichen Wechsel oder Neueinstieg nutzen.

Susanne Vincenz-Stauffacher hat Sie als «Tausendsassa» bezeichnet.

Wenn damit meine Leistungsfähigkeit gemeint ist, lasse ich das gern gelten. Mein Arbeitstag hat mehr als nur acht Stunden.

Trotzdem: Sollten Sie gewählt werden, müsste Ihr Tag noch mehr Stunden haben. Als Regierungsrat haben Sie ein 100-Prozent-Pensum. Dazu sind Sie Präsident der Kantonsregierungen. Mit dem Ständerat kämen nochmals 70 Prozent hinzu.

Erstens scheide ich im Fall einer Wahl im Frühling 2020 aus der Regierung aus. Das Doppelmandat ist also für eine beschränkte Zeit. Das lässt sich in der Regierung über die Stellvertreter organisieren, wie das bisher auch der Fall war – letztmals bei Karin Keller-Sutter. Es ist klar, dass dann mein Stellvertreter Fredy Fässler mehr zum Zug käme.

Weiss das Fredy Fässler?

Selbstverständlich. Er hat sich bereit erklärt, diese Aufgaben zu übernehmen.

Was ist mit dem Vorwurf, dass Sie die Amtsdauer beenden wollen, damit Sie in den Genuss des regierungsrätlichen Ruhegehalts kommen?

Das ist Unsinn. Ob ich vorzeitig oder Ende Amtsdauer gehe, spielt gar keine Rolle. Ich erhalte ohnehin weder ein Ruhegehalt noch eine Rente. Ich bin erst seit 2011 in der Regierung, damit komme ich nicht auf die nötigen zwölf Jahre. Ich hätte übrigens auch keinen finanziellen Vorteil aus einem Doppelmandat.

Sie haben nun mehrfach gesagt: Die Kandidatur sei eine Chance für eine berufliche Veränderung. Auch wenn es nicht klappen sollte, sind Sie demnach nicht mehr lange Regierungsrat?

Sollte ich nicht gewählt werden, werde ich für eine weitere Legislatur als Regierungsrat antreten. Und das nicht mit gebrochener Motivation.

Und mit Ambitionen.

Natürlich bin ich ambitioniert, aber nicht verbissen. Wir haben in der Familie den klaren Grundsatz, dass man sich nicht allzu wichtig nehmen sollte. Das sollte auf Politikerinnen und Politiker ganz besonders zutreffen, was aber nicht immer der Fall ist. Nach diesem Grundsatz lebe ich und bin damit ganz gut gefahren.

Seit 23 Jahren in der Pfalz

Benedikt Würth (*1968) wurde 2010 für die CVP in die St.Galler Regierung gewählt. Ab 2011 leitete er das Volkswirtschaftsdepartement, seit drei Jahren steht er dem Finanzdepartement vor. Seit März 2017 ist er Präsident der Konferenz der Kantonsregierungen. Zuvor sass er 15 Jahre im Kantonsrat, von 2008 bis 2011 leitete er die Fraktion. Vor dem Wechsel in die Pfalz war er erster Präsident der fusionierten Stadt Rapperswil-Jona gewesen. Dort lebt er noch heute mit seiner Frau und den beiden Kindern. Würth wuchs in Mörschwil auf und studierte an der Universität St.Gallen Rechtswissenschaften. (ar, rw)

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