Die Favoriten triumphieren: In diesen Gemeinden haben Benedikt Würth und Paul Rechsteiner gepunktet

Die Überraschung im zweiten Wahlgang bleibt aus: Die St.Galler wählen Benedikt Würth und Paul Rechsteiner in den Ständerat.

Michael Genova
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Freude über das deutliche Ergebnis: Benedikt Würth (CVP) und Paul Rechsteiner (SP) im St.Galler Pfalzkeller.Bilder: Urs Bucher (St. Gallen, 17. November 2019)

Freude über das deutliche Ergebnis: Benedikt Würth (CVP) und Paul Rechsteiner (SP) im St.Galler Pfalzkeller.Bilder: Urs Bucher (St. Gallen, 17. November 2019)

Am Ende war es eine klare Sache. Benedikt Würth (CVP) und Paul Rechsteiner (SP) haben gestern im zweiten Wahlgang ihre Ständeratssitze verteidigt. Mit knapp 17000 Stimmen Abstand auf Rechsteiner landete Roland Rino Büchel (SVP) auf dem dritten Platz.

Wie von Beobachtern vorausgesagt, änderte sich im zweiten Wahlgang das Kräfteverhältnis zwischen den drei Konkurrenten nur noch wenig. Den deutlichsten Sprung nach vorne machte der ohnehin favorisierte Benedikt Würth, der im ersten Wahlgang das absolute Mehr um lediglich 500 Stimmen verfehlte. Im zweiten Wahlgang erzielte er 7000 Stimmen mehr als im ersten und liess seine Konkurrenten deutlich hinter sich. Trotzdem sei er keineswegs siegessicher in den Sonntagmorgen gestartet, beteuerte Würth gestern nach seiner Wahl. «In zweiten Wahlgängen kann immer eine neue Dynamik entstehen.»

Würth dominiert die Stadt und das Land

Doch die Dynamik blieb aus. Und Benedikt Würth avancierte zum mehrheitsfähigsten Kandidaten dieser Wahl. In 70 der 77 St.Galler Gemeinden holte er am meisten Stimmen. Er punktete sowohl in städtischen Gebieten als auch auf dem Land. In Wil holte er 42 Prozent der Stimmen, in St.Gallen 40 Prozent. Und selbst in der SVP-Hochburg Toggenburg liegt er vorne: In Ebnat Kappel kommt er auf 39 Prozent der Stimmen, in Wattwil sind es 37 Prozent.

Zum dritten Mal in Folge schaffte Paul Rechsteiner im zweiten Wahlgang den Sprung in den Ständerat. Seine Heimbasis ist klar die Stadt St.Gallen, wo er am meisten Stimmen holte – noch vor Benedikt Würth. Auch in Rorschach und in Walenstadt landete Rechsteiner auf dem ersten Platz. Deutlich wurde auch bei diesem Wahlgang, wie sehr der SP-Politiker über die eigenen Parteigrenzen hinaus bürgerliche Wähler von sich überzeugen konnte. Denn gemessen an der Parteienstärke von SP und Grünen läge ein linksgrüner Ständeratssitz eigentlich ausserhalb der Reichweite. Dass Rechsteiner auch jenseits seiner urbanen Kernwählerschaft punkten konnte, zeigt sich zum Beispiel im Rheintal und im Toggenburg, wo er teils mehr Stimmen erzielte als Rino Büchel. Deshalb sprach Rechsteiner nach seiner Wahl von einer «breiten Bewegung von unten», die unabhängig von der Parteipolitik zustande gekommen sei. Er habe auf der Strasse gemerkt, dass die soziale Frage wegen der hohen Krankenkassenprämien viel präsenter war als in den Medien. Auch die aktive Rolle der Jungen im Wahlkampf in den sozialen Medien und die Klimadebatte habe eine Rolle gespielt:

«Das war der Boden für dieses Resultat.»

Mit einem Stimmenanteil von 41 Prozent landete Roland Büchel in seinem Heimatdorf Oberriet wenig überraschend auf Patz eins – dicht gefolgt von Benedikt Würth, der in der Rheintaler Gemeinde nur 87 Stimmen weniger erzielte. Ebenfalls am meisten Stimmen holte Büchel in der Nachbargemeinde Eichberg und im Sarganserland in Flums und Quarten. Gegen Rechsteiner konnte sich Büchel lediglich in 6 der 13 Rheintaler Gemeinden durchsetzen. Und im Toggenburg erzielte Büchel in 6 von 12 Gemeinden mehr Stimmen als Rechsteiner. In Oberhelfenschwil liegen die beiden Kandidaten gleichauf. Trotz des dritten Platzes war Büchel zufrieden mit seinem Ergebnis. «Meine Kandidatur war wichtig für die Partei». So könne die SVP kurz vor den Regierungsrats- und Kantonsratswahlen Präsenz bei der Bevölkerung markieren.

Die St.Galler waren wahlmüde

Die Stimmbeteiligung betrug am gestrigen Wahlsonntag lediglich 36,1 Prozent. Im Ersten Wahlgang lag sie noch bei 45,2 Prozent. Die Parteien hatten Mühe, ihre Wähler zu mobilisieren. Dies ist wenig erstaunlich, wurde die Stimmberechtigten doch bereits im März und Mai für die Ersatzwahl des Ständerates an die Urne gerufen. Mit 52,16 Prozent am höchsten war die Stimmbeteiligung in Thal, wo die Bürgerinnen und Bürger einen neuen Gemeindepräsidenten wählten.