Städtische Firma unter Verdacht

Bei der Arbon Energie AG soll von höchster Stelle Geld unterschlagen worden sein. Es läuft eine Untersuchung. Der Arboner Stadtpräsident Andreas Balg sagt, die Prüfung laufe seit vier Wochen im Zuge der personellen Neuorganisation.

Tanja von Arx
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Arbon Energie: Das Logo vor dem Firmenstandort zeigt einen Strudel – gewiss nicht mit Blick auf die Finanzen. (Bild: Ralph Ribi)

Arbon Energie: Das Logo vor dem Firmenstandort zeigt einen Strudel – gewiss nicht mit Blick auf die Finanzen. (Bild: Ralph Ribi)

ARBON. «Ein spezialisiertes Unternehmen wurde für eine umfassende Untersuchung beauftragt», schrieb die Stadt Arbon gestern in einer Mitteilung. Sie reagiert damit auf Gerüchte, wonach beim Strom- und Wasserversorger Arbon Energie AG jemand Geld unterschlagen habe, «einer von ganz oben».

Was pikant ist, denn besagte Firma liefert den Einwohnern nicht nur Strom, Wasser und Erdgas, sondern befindet sich als Aktiengesellschaft auch im Besitz der Stadt. «Es gab Anzeichen von Unregelmässigkeiten bei einigen Geschäftsvorgängen», bestätigt die Stadt nun das Gemunkel.

Zunächst keine Aussagen

Andreas Näf, Verwaltungsratspräsident der Arbon Energie AG, und Stadtpräsident Andreas Balg hatten sich bislang nicht zu einer möglichen Veruntreuung geäussert.

Verwaltungsratspräsident Näf meinte noch vergangene Woche: «Ich sage dazu nichts.» Weder, ob Geld in der Kasse fehlt, noch, um welchen Betrag es sich dabei allenfalls handelt. Auch nicht über den Zeitraum, in dem dieses vielleicht entwendet worden sei, ob einmalig oder gar wiederholt. Auch Balg, als Stadtpräsident Vizepräsident des Verwaltungsrates, äusserte sich nicht zu einer möglichen Veruntreuung. «Darüber gebe ich keine Auskunft.» Beide dementierten das Gerücht jedoch nicht.

Prüfung läuft bereits

Stadtpräsident Balg sagt jetzt auf Anfrage: «Die Untersuchung läuft schon seit rund vier Wochen.» Die Stadt und die Geschäftsführung der Arbon Energie AG hätten den externen Wirtschaftspezialisten Price Waterhouse Coopers beauftragt, die vielschichtigen Geschäftsabläufe aufzuarbeiten. Ordentliche Rechnungsprüferin der Arbon Energie AG ist die BDO AG in St. Gallen. Jene hätte allerdings keine Ungereimtheiten bei den Finanzen festgestellt, sagt Balg.

BDO-Revisionsexperte Gianmarco Zanolari hat darüber keine Kenntnisse, wie er auf Anfrage sagt. Er sei aber auch nicht befugt, Dritten Auskunft zu geben. Erst im Frühjahr gab es einen Wechsel an der operativen Spitze der Arbon Energie AG. Seit dem 1. April ist Silvan Kieber Geschäftsführer; er folgte auf Jürgen Knaak, der in Pension gegangen ist.

Wer den Anstoss zu einer Prüfung der Bücher gegeben hat, mochte Balg nicht sagen. Der Stadtpräsident verweist aber darauf, dass dieser «in Zusammenhang mit der personellen Neuorganisation» des Unternehmens stehe.

Kein Strafverfahren eingeleitet

Schliesslich hat unsere Zeitung gestern nun auch Auskunft von der Staatsanwaltschaft Bischofszell erhalten. «Der Staatsanwaltschaft Thurgau ist nichts bekannt», schreibt Staatsanwalt Stefan Haffter über ein allfälliges Strafverfahren in Verbindung mit der Arbon Energie AG. Eine Anzeige würde wohl ohnehin erst nach Abschluss der Wirtschaftsprüfung eingereicht.

Die Stadt Arbon und die Arbon Energie AG erwarten ein baldiges Ergebnis der externen Untersuchung, sagt Stadtpräsident Balg. «Als Hauptaktionärin ist es der Stadt Arbon ein grosses Anliegen, die Situation gründlich zu klären», heisst es abschliessend in der Medienmitteilung. Bis dahin gelte die Unschuldsvermutung.

Finanzchef stürzte in den Tod

Schwierig ist die Situation für die Firma, weil der Finanzchef kürzlich verstarb. Er kehrte von einer Wanderung aus dem Alpstein nicht zurück. Die Innerrhoder Polizei schliesst ein Herzversagen oder einen Schwächeanfall aus. Es habe auch kein Verbrechen zum Tod geführt, sagt Mediensprecher Paul Broger. «Der Mann ist vom Wanderweg abgewichen und an einer Stelle von der Felswand gestürzt, an der es eine Abschrankung hat.»