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STADTRATSWAHLEN: Die Kräfteverhältnisse könnten kippen

Heute in zwei Wochen wird in St. Gallen die Nachfolgerin oder der Nachfolger des verstorbenen Sozial- und Sicherheitsdirektors Nino Cozzio (CVP) gewählt. Es zeichnet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen ab.
Daniel Wirth
Boris Tschirky (CVP).

Boris Tschirky (CVP).

Daniel Wirth

daniel.wirth@tagblatt.ch

Ein knapper Ausgang des zweiten Wahlgangs wird erwartet, weil sich mit Boris Tschirky von der CVP und mit Sonja Lüthi von den Grünliberalen zwei Kandidierende bewerben, die sich auf Augenhöhe begegnen. Doch der Reihe nach: Mitte September hat eine grosse Trauergemeinde in der Kathedrale in St. Gallen Abschied genommen von Nino Cozzio. Der christlichdemokratische Vorsteher der städtischen Direktion Soziales und Sicherheit war 2015 an einem Krebsleiden erkrankt, dem er am 13. September erlag. Seinen Rücktritt per Ende 2017 hatte er bereits im Frühling dieses Jahres bekannt gegeben. Wenig später begann sich das Kandidaten­karussell um seine Nachfolge zu drehen. Im ersten Wahlgang bewarben sich drei Männer und zwei Frauen: Boris Tschirky (CVP), Sonja Lüthi (Grünliberale), Jürg Brunner (SVP), Andri Bösch (Juso) und Ingrid Jacober (Grüne). Niemand von ihnen schaffte das absolute Mehr. Favorit Boris Tschirky, der den Sitz der CVP verteidigen will, holte zwar am meisten Stimmen; er konnte Sonja Lüthi aber lediglich um gut 1000 Stimmen distanzieren. Brunner, Bösch und Jacober ­zogen sich unmittelbar nach dem ersten Wahlgang zurück. Verblieben sind Tschirky und Lüthi. Völlig überraschend wurde das Kandidatenfeld kurz vor Ablauf der Anmeldefrist noch erweitert: ­Roland Uhler von den Schweizer Demokraten will es auch wissen.

Gewinnen wird, wer besser mobilisieren kann

Uhler hat aber keine Chance, gewählt zu werden. Er hat zwar ­politische Erfahrung; war in den 1990er-Jahren Mitglied des Stadtparlamentes. Seinen beiden Kontrahenten kann er aber nie und nimmer das Wasser reichen.

Boris Tschirky ist Gemeindepräsident der St. Galler Agglomerationsgemeinde Gaiserwald. Der 51-Jährige war zuvor Direktor von St. Gallen-Bodensee Tourismus und Mitglied des Stadtparlamentes. Tschirky ist Mitglied des Kantonsrates. Er wird unterstützt von CVP, FDP, SVP und EVP sowie vom Gewerbe, den Detaillisten, der Industrie und dem Hauseigentümerverband (HEV).

Die 36 Jahre alte Sonja Lüthi leitet den Bereich «farmenergie» des Landverbandes (LV) St. Gallen. Sie ist ebenfalls Mitglied des Kantonsrates und politisierte früher auch im Stadtparlament. Sie wird von der GLP, den Grünen, der SP und der BDP zur Wahl empfohlen; auch der Mieterverband und die Umweltverbände sprechen sich für die Kandidatin der Grünliberalen aus. Gewählt ist am 26. November, wer am meisten Stimmen holt. Es gilt das einfache Mehr. Sowohl Lüthi als auch Tschirky erfahren breite Unterstützung. Ausschlaggebend wird sein, wer mehr Wählerinnen und Wähler mobilisieren kann.

Rutscht der Stadtrat weiter nach links?

Gegenwärtig setzt sich die ­Stadtregierung folgendermassen zusammen: Thomas Scheitlin (FDP/Präsidium, Finanzen), Markus Buschor (parteilos/Schule und Sport), Peter Jans (SP/Technische Betriebe), Maria Pappa (SP/Bau und Planung). Würde Tschirky gewählt, ersetzte ein Christdemokrat den anderen; die Kräfte in der Exekutive blieben unverändert. Würde Lüthi gewählt, ersetzte eine GLP-Frau ­einen CVP-Mann; der Stadtrat bekäme eine Regierung mit einer linken Mehrheit. Der Ausgang der Wahl am 26. November darf darum als richtungsweisend bezeichnet werden.

Bis Ende vergangenen Jahres belegte die CVP, die einst stärkste politische Kraft in der Stadt, noch zwei von fünf Sitzen in der Stadtregierung. Baudirektorin Patrizia Adam wurde dann vor Jahresfrist nicht mehr im Amt bestätigt; sie musste Anfang 2017 der Sozialdemokratin Maria Pappa Platz machen. Würde Sonja Lüthi Boris Tschirky im zweiten Wahlgang überflügeln, flöge die CVP erstmals seit der Stadtverschmelzung vor 100 Jahren aus der Regierung der Kantonshauptstadt. Dieses Schicksal war der SP im Jahr 2012 widerfahren. Heute haben die Sozialdemokraten wieder zwei Mandatsträger im Stadtrat, und sie stellen die mit Abstand grösste Fraktion im Parlament. Die Linken haben in der Stadt St. Gallen Aufwind.

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