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Stadtränder sind Ozongebiete: Bei St.Gallen wurde Grenzwert an 61 Tagen überschritten

Obwohl der Sommer ähnlich heiss ist wie 2003, ist die Ozonbelastung tiefer – weil die Emissionen seither abgenommen haben. Vorsicht ist dennoch geboten: Der Grenzwert wird weiterhin oft überschritten.
Adrian Vögele
Weil die Emissionen abnehmen, klettern die Ozonwerte nicht mehr so hoch wie noch vor 15 Jahren. (Bild: Michael Probst/AP)

Weil die Emissionen abnehmen, klettern die Ozonwerte nicht mehr so hoch wie noch vor 15 Jahren. (Bild: Michael Probst/AP)

Mit der Sommerhitze wird auch das Ozon wieder zum Problem: So ist die Konzentration des Reizgases bei der Messstation Stuelegg am Stadtrand von St.Gallen diesen Monat bereits auf über 170 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft geklettert. Der Grenzwert, den der Bund definiert hat, liegt bei 120 Mikrogramm: «Ab dieser Menge wird das Ozon für den Menschen spürbar», sagt Susanne Schlatter vom St.Galler Amt für Umwelt. Bei 120 Mikrogramm verursacht das Gas bei den meisten Personen nicht mehr als ein Kitzeln in der Nase, doch je höher die Konzentration steigt, desto stärker kann es die Scheimhäute von Augen und Atemwegen reizen. Die bis zu 300 Todesfälle pro Jahr, die das Ozon hierzulande gemäss Schätzungen der Gesundheitsbehörden verursacht, sind allerdings Extremfälle. «Normalerweise belastet das Ozon den Körper nur vorübergehend», sagt Schlatter. Trotzdem empfehle es sich, bei hohen Ozonwerten und Hitze auf Aktivitäten wie Sport im Freien zu verzichten oder diese wenn möglich auf morgens oder später am Abend zu verschieben.

Das diesjährige Sommerwetter wäre für Ozon-Rekorde eigentlich prädestiniert. Doch die Situation ist nicht mehr dieselbe wie beispielsweise im Hitzesommer 2003. «Dass die Stickoxid-Emissionen und die Verwendung von Lösungsmitteln zurückgegangen sind, wirkt sich auf die Ozonwerte aus», sagt Schlatter. Darum steigt die Ozonkonzentration dieses Jahr nicht mehr so häufig über den Grenzwert, und auch die Spitzenwerte liegen tiefer als in der Zeit um 2003.

«Während im Jahr 2003 Maxima von 230 bis 240 Mikrogramm gemessen wurden, liegen die Höchstwerte heute meist im Bereich von 160 bis 170 Mikrogramm.»

Dennoch werden dieses Jahr deutlich mehr Tage mit Grenzwertüberschreitungen zusammenkommen als in den Vorjahren. 2016 waren es an der Messstelle Stuelegg 34 Tage, im vergangenen Jahr 36 Tage. Dieses Jahr sind es bisher schon 61 Tage.

Ab 180 Mikrogramm wird gewarnt

Weil der Ozon-Grenzwert von 120 Mikrogramm regelmässig und flächendeckend überschritten wird und sich darum kaum auf das Verhalten der Bevölkerung auswirkt, arbeiten die Behörden mit einer zweiten Limite. Steigt die Ozonkonzentration an mehreren Messorten auf über 180 Mikrogramm, warnt die Konferenz der Vorsteher der kantonalen Umweltämter aktiv vor der Ozonbelastung. «Im Raum Zürich wurde dieser Wert in den vergangenen Tagen bereits an mehreren Messstationen einmal überschritten», sagt Jörg Sintermann, stellvertretender Geschäftsleiter der Organisation Ostluft, die für die Überwachung der Luftqualität in der Ostschweiz und umliegenden Kantonen sowie in Liechtenstein zuständig ist. Es wurde dann allerdings keine offizielle Warnung publiziert, weil die Ozonkonzentration am Folgetag wegen des Wetters sogleich wieder unter dem Schwellenwert blieb.

Auch Bäume und Sträucher mögen das Gas nicht

Anders als man vielleicht annehmen könnte, ist die Ozonkonzentration an stark befahrenen Verkehrsknotenpunkten in den Städten oft weniger hoch als am Stadtrand. Das zeigt sich auch in St.Gallen, wo die Konzentration am Blumenbergplatz meist tiefer ist als auf der Stuelegg oberhalb von St.Georgen. «Das liegt daran, dass das Ozon an Orten mit viel Verkehr schnell mit Stickoxiden reagiert und umgewandelt wird», sagt Susanne Schlatter. Was jedoch nicht unbedingt eine gute Nachricht für die Innenstädte ist, denn auch Stickstoffdioxid ist nicht gesund. Darum sind auf den Belastungskarten der Luftqualität auf www.ostluft.ch nebst dem Ozon auch Stickstoffdioxid und Feinstaub berücksichtigt.

Nicht nur Menschen leiden unter erhöhten Ozonmengen. Auch Pflanzen und Flechten sind betroffen, wie die Fachorganisation Cercl’Air schreibt. Das Ozon wirke als Zellgift – «es vermindert das Wachstum der Pflanzen». Vor allem für Laubbäume, Sträucher und Kulturpflanzen ist das Gas ein Stressfaktor.

Nicht überall ist Ozon schädlich

Das Gas Ozon besteht aus drei Sauerstoffatomen (O3) und hat für den Menschen und die Umwelt zwei Gesichter: In Bodennähe kann es in zu hoher Konzentration Schaden anrichten. In der Stratosphäre hingegen, in 11 bis 50 Kilometern Höhe, ist es nützlich, weil es vor der Ultraviolettstrahlung der Sonne schützt, die ihrerseits Gefahren birgt. Darum ist es schädlich, wenn sich Löcher in der Ozonschicht in der Stratosphäre auftun. Das Ozonloch über der Antarktis, das schon seit Jahrzehnten mit Besorgnis beobachtet wird, scheint sich allmählich wieder zu schliessen. Im vergangenen Jahr war es gemäss der amerikanischen Luft- und Raumfahrtbehörde Nasa so klein wie zuletzt 1988. Allerdings schwankt die Grösse des Ozonlochs von Jahr zu Jahr. (av)

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