Stadt St.Gallen soll nächstes Jahr eine Einheitsspitex bekommen: Aus den vier unabhängigen Spitexvereinen soll «Spitex St.Gallen AG» werden

Der Stadtrat präsentiert die neue Einheitsspitex. Als Nächstes beugt sich das Parlament über das Dossier.

Sandro Büchler
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Bald soll sich eine Einheitsspitex um die Betagten in der Stadt St.Gallen kümmern.

Bald soll sich eine Einheitsspitex um die Betagten in der Stadt St.Gallen kümmern.

Bild: Benjamin Manser (St. Gallen, 9. August 2018)

In der Stadt gibt es immer mehr ältere Menschen. Sie sollen gut versorgt werden und möglichst lange in den eigenen vier Wänden bleiben können – «und nicht in ein Pflegeheim müssen», sagte Stadträtin Sonja Lüthi am Donnerstag am Ende der Pressekonferenz. Für die brauche es deshalb eine starke ambulante Pflege. Die neue Einheitsspitex sei daher wichtig für die St.Galler Bevölkerung.

Die Stadt hat am Donnerstag darüber informiert, wie die neue Spitexorganisation aussehen soll. Aus den vier unabhängigen Spitexvereinen West, St.Gallen Ost, Centrum-Notker und Centrum-Stadt soll im Januar 2021 die «Spitex St.Gallen AG» werden. Durch die Fusion entstünde eine moderne Pflege für zu Hause, sagt Lüthi. Eine gemeinsame Softwarelösung soll etwa Arbeitsabläufe effizienter gestaltet, die Aus- und Weiterbildung mit der Einheitsspitex gestärkt sowie Prozesse optimiert und professionalisiert werden.

Die Stadt hat die Mehrheit an der Aktiengesellschaft

Den Anstoss gab im Februar 2018 das Postulat «Braucht St.Gallen vier Spitexorganisationen?». Der Stadtrat formulierte in seinem Bericht dazu die Absicht, den gesetzlichen Versorgungsauftrag künftig nur noch einer einzigen Organisation zu erteilen. Die Idee der Einheitsspitex war geboren.

Roland Wormser, Gesamtprojektleiter Einheitsspitex St.Gallen

Roland Wormser, Gesamtprojektleiter Einheitsspitex St.Gallen

Bild: PD

Nach zweijähriger Projektarbeit liegt nun der Entwurf der Einheitsspitex auf dem Tisch. Eine gemeinnützige Aktiengesellschaft soll es sein. «Wir haben verschiedene Varianten geprüft, diskutiert und abgewogen», sagt Roland Wormser, der beigezogene Gesamtprojektleiter. Aufgrund der Vorgabe, dass die Stadt einen massgeblichen Einfluss auf die neue Spitex haben und die Mehrheit der Stimmen bekommen sollte, sei die Organisation als Verein, Genossenschaft oder Stiftung weggefallen. Einzig mit einer Aktiengesellschaft sei die Mehrheitsbeteiligung der Stadt bis hin zu einer 100-Prozent-Eignerschaft möglich.

Wegen der Gemeinnützigkeit und des öffentlichen Versorgungsauftrags der neuen Einheitsspitex beantrage man die Steuerbefreiung, sagte Wormser. Mit einer Aktiengesellschaft sei auch eine geografische Ausweitung einfach möglich, wenn sich Gemeinden rund um die Stadt ebenfalls dem Versorgungsauftrag der Spitex St.Gallen AG anschliessen wollten.

Voraussichtlich am 24. März entscheidet das Stadtparlament über die Freigabe der erforderlichen Mittel und damit auch über die Gründung der neuen Einheitsorganisation. Zunächst ist ein Verpflichtungskredit über 200'000 Schweizer Franken nötig. Zur Deckung der Initialisierungskosten ist zusätzlich ein einmaliger Beitrag von 890'000 Franken «à fonds perdu» notwendig. Also ein Betrag, auf dessen Rückzahlung die öffentliche Hand verzichtet. Für den Betriebsstart der Spitex-AG veranschlagt der Stadtrat zudem weitere 3,1 Millionen Franken.

Keine «Superspitex», dafür drei Standorte

Stadträtin Sonja Lüthi, Direktion Soziales und Sicherheit

Stadträtin Sonja Lüthi, Direktion Soziales und Sicherheit

Bild: PD

Die rund 180 Frauen und Männer, die aktuell für die vier Spitexvereine arbeiten, habe man im Projekt stets einbezogen, sagte Stadträtin Lüthi. An Zukunftskonferenzen konnten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihre Sorgen, Ängste, aber auch ihre Erwartungen an die neue Organisation formulieren.

«Diesen Austausch empfand ich
als sehr befruchtend.»

In diesen Gesprächen wurde auch vorgeschlagen, die beiden Spitexstandorte im Kreis Centrum zu einem einzigen Stützpunkt zusammenzuführen.

Ein einziger zentraler Standort, eine «Superspitex», sei aber nie zur Diskussion gestanden, obwohl dies zusätzliche Synergien gebracht hätte. «Man muss nicht alles auf einmal ändern», sagte Heidi Gstöhl, Leiterin der Dienststelle Gesellschaftsfragen. Denn man müsse dem Personal die Zeit geben, eine neue Kultur zu entwickeln. Eine einzige «Zentrale» könne aber langfristig ein Thema werden. Vorderhand bleibt es bei drei Standorten: Die Spitex im Westen und Osten bleiben in den jetzigen Gebäuden, fürs Zentrum suche man nach der Gründung einen neuen Betriebsstandort.

GAV-Zoff vom Tisch

Beigelegt zu sein scheint der Zoff um einen Gesamtarbeitsvertrag. Um die Jahreswende hatten die Ostschweizer Sektion des Schweizerischen Berufsverbands der Pflegefachpersonen und der VPOD Ostschweiz, der Verband des Personals öffentlicher Dienste, lautstark einen GAV gefordert. Noch in dieser Woche hat laut Lüthi ein Treffen mit den Personalverbänden stattgefunden. Die Stadträtin: 

«Sie haben das Personalreglement für gut befunden und als Grundlage akzeptiert.»

Das Papier beinhalte faire Arbeitsbedingungen. Diese sind auch der Stadträtin wichtig, so könne die neue Einheitsspitex als attraktiver Arbeitgeber auftreten. Denn für eine moderne Spitex brauche es qualifizierte Mitarbeiter. «Und die gibt es nicht wie Sand am Meer.»

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