Urbanes Gärtnern
Schwarzes Korn schneeweiss: Frauenfelds urbaner Gartenverein hat den besten Popcorn-Mais für seine Saatgutzucht auserkoren

Die Sorte Dakota Black Corn hat gewonnen. Das haben zwei Dutzend Interessierte am ersten Frauenfelder Popcorn-Tasting entschieden. Die siegreichen Maiskörner werden nun in den kommenden Gartenjahren im Rahmen des Saatgut-Zuchtprojekts des Vereins Offenes Gärtnern in Frauenfeld (Ogif) weiter veredelt.

Mathias Frei
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Ogif-Vereinspräsidentin Fiona Käppeli probiert sich an der Popcorn-Degustation im Stadtlabor durch.

Ogif-Vereinspräsidentin Fiona Käppeli probiert sich an der Popcorn-Degustation im Stadtlabor durch.

Bild: Arthur Gamsa

180 Grad braucht es bis zur Explosion. Bei ungefähr dieser Temperatur platzt das Maiskorn – und fertig ist das Popcorn. Aber ohne harte Schale und einen gewissen Wasseranteil im Stärkekörper geht's nicht. Deshalb ist spezieller Popcorn-Mais vonnöten. Es geht um Frauenfelds besten Popcorn-Mais. Neun Sorten stehen im Stadtlabor zur Auswahl, einerseits in Kolbenform und als getrocknetes Korn, andererseits als gepopptes Korn. An diesem Freitagnachmittag entscheidet sich, mit welcher Sorte die Samengemeinschaftszucht-Gruppe (Sagezu) des Vereins Offenes Gärtnern in Frauenfeld (Ogif) weitermacht.

Ein grosser Garten und sieben Hochbeetstandorte

Der Verein Offenes Gärtnern in Frauenfeld (Ogif) hat drei Standbeine: Nebst der Saatgutzucht sind dies der 4500 Quadratmeter grosse Gemeinschaftsgarten am Kanalweg sowie das urbane Gärtnern mit Hochbeeten an verschiedenen Standorten in der Stadt. Vor sechs Jahren begann der Verein mit einem 123 Quadratmeter grossen Garten am Kanalweg direkt an der Murg gelegen. Diesen Herbst geht die vierte Saison im massiv vergrösserten Areal zu Ende. An den Gartentagen stehen jeweils rund 60 aktive Gärtnerinnen und Gärtner im Einsatz. Beim urbanen Gärtnern betreibt der Verein mittlerweile sieben Hochbeetstandorte (Burstelpark, Schlossmühlestrasse, Lindenpark, Lindenplatz, Murgplatz, Kappelerspielplatz und Friedhof Oberkirch). (ma)

www.facebook.com/ogifogif und www.offenesgaertnerninfrauenfeld.com

Neun Sorten gilt es zu degustieren.

Neun Sorten gilt es zu degustieren.

Bild: Arthur Gamsa

Am Sagezu-Standort im Klösterligarten sind unter dem Jahr wöchentlich bis zu zehn Gärtnerinnen und Gärtner aktiv. Zum Popcorn-Tasting indes sind rund zwei Dutzend gekommen. Auf Tischen aufgereiht sind die verschiedenen Popcorn-Maissorten. Sie tragen lustige Namen wie Amish Butter, Popi-Hopi, Mini Blue Popcorn oder Lilapop. Am Schluss obsiegt die Sorte Dakota Black Corn vor Popi-Hopi. Bis dieses Resultat aber feststeht, ist einiges Popcorn zu Boden gefallen und noch viel mehr in den Mündern verschwunden.

Verein Offenes Gärtnern in Frauenfeld (Ogif)

Standorte des Gemeinschaftsgartens und der Samengemeinschaftszucht

Auch der Bund unterstützt Saatgutzucht

Man kann auch zu zweit degustieren.

Man kann auch zu zweit degustieren.

Bild: Arthur Gamsa

2018 ist das Saatgutzucht-Projekt in Frauenfeld gestartet. Robert Zollinger lobt die Frauenfelder Gartenfreunde. Die örtliche Sagezu-Gruppe gehöre schweizweit zu den aktivsten und war von Anfang an dabei. Zollinger, der ursprünglich aus dem Thurgau stammt und heute im Unterwallis lebt, ist der nationale Sagezu-Projektleiter. Auch das Bundesamt für Landwirtschaft unterstützt das breit abgestützte Saatgutprojekt. Zollinger spricht von der weltweiten Knappheit an Rapssamen vergangenen Frühling.

Popcorn in Hülle und Fülle.

Popcorn in Hülle und Fülle.

Bild: Arthur Gamsa
«98 Prozent der Rapssamen müssen in die Schweiz importiert werden.»

Wenn ein Rädli nicht laufe, könne schnell das ganze System zusammenfallen, warnt Zollinger. Nicht nur deshalb sei es wichtig, eigenes Saatgut heranzuziehen.

Die Sagezu-Gruppe Frauenfeld hat das Ziel, Gemüse und Früchte zu kultivieren, bei denen man schnell mal kosten kann – von der Hand gewissermassen in den Mund. Bislang hat man Saatgut gezogen von Knackerbsen, Snackgurken und Andenbeeren (Physalis). Von letzteren habe man mittlerweile mehr als ausreichend Saatgut, sagt Ogif-Vereinspräsidentin Fiona Käppeli. Zollinger habe die Gruppe deshalb auf den Geschmack von Popcorn-Mais gebracht. Deshalb folgt nun nach Popcorn-Jahr 1 die erste Auslese.

Die Teilnehmenden bringen ihre Eindrücke zu Papier.

Die Teilnehmenden bringen ihre Eindrücke zu Papier.

Bild: Arthur Gamsa

Gepopptes Korn zwischen gelblich und schneeweiss

Die getrockneten Körner sind zwischen blassgelb, grünblau und schwarz. Das gepoppte Korn ist derweil gelbweiss bis schneeweiss. Vereinspräsidentin Käppeli erzählt von farblichen Überraschungen, als man die Blätter von den Kolben entfernte.

«Und frisch sind die Farben noch viel intensiver.»

Die Maissorten wurden vergangenen Mai gesetzt. Ernten konnte die Sagezu-Gruppe ab August bis in den Oktober. 2022 war ein überaus gutes Gartenjahr. Wie Käppeli sagt, habe auch das neue Tröpfchenbewässerungssystem im Klösterligarten dazu beigetragen. Die 20 Kilogramm getrockneten Maiskörner, die nicht für die Degustation verwendet werden mussten, reichen für unzählige Kinoabende.

Sagezu-Projektleiter Robert Zollinger und Ogif-Vereinspräsidentin Fiona Käppeli.

Sagezu-Projektleiter Robert Zollinger und Ogif-Vereinspräsidentin Fiona Käppeli.

Bild: Arthur Gamsa

Wie Käppeli sagt, wurde das zu degustierende Popcorn mit einer Popcorn-Maschine hergestellt – ohne Öl oder Butter. Denn das würde ebenso wie Zucker oder Salz den Geschmack für das Tasting verfälschen. Das ist gewiss so. Die Gewinnersorte Dakota Black Corn ist ein schwarzes Korn, das gepoppt schneeweiss ist. Sieht schmuck aus, ist in Sachen Kaubarkeit optimal bissfest und schmeckt auch maisig. Aber mit ein wenig Salz wäre das Gewinnerkorn sicher noch besser.