Kunst und Handwerk
Wo eine etwas aus der Zeit gefallene Leidenschaft erlebbar wird: Frauenfelder Buch- und Druckkunst-Messe findet heuer zum 15. Mal statt

Die letzte Ausgabe fand vor mittlerweile vier Jahren statt. Nun steht die 15. Frauenfelder Buch- und Druckkunst-Messe im Eisenwerk auf dem Programm. Von 4. bis 6. November kommen 48 Aussteller zusammen. Einen der längsten Anfahrtswege hat Ehrengast Fred Lautsch aus Stralsund an der Ostsee.

Mathias Frei
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Fred Lautsch aus Stralsund an der Ostsee gestaltet als Ehrengast der diesjährigen Buch- und Druckkunst-Messe den Kunstwürfel, der aktuell vor dem Stadtlabor steht.

Fred Lautsch aus Stralsund an der Ostsee gestaltet als Ehrengast der diesjährigen Buch- und Druckkunst-Messe den Kunstwürfel, der aktuell vor dem Stadtlabor steht.

Bild: Donato Caspari

Drucken ist eine Berufung, nicht einfach nur ein Beruf. Nichts gegen Billigdruckereien, wo man innert zwei Arbeitstagen 5000 Flyer für 60 Franken nach Hause geliefert bekommt. Aber da können die Veranstalter der Frauenfelder Buch- und Druckkunst-Messe nicht mithalten. Die Flyer und Plakate der Messe, die seit 1992 im Zweijahresrhythmus im Eisenwerk über die Bühne geht, sind handgesetzt und -gedruckt. OK-Präsidentin Esther Menzi sagt:

An der Frauenfelder Buch- und Druckkunst-Messe 2018.

An der Frauenfelder Buch- und Druckkunst-Messe 2018.

Bild: Andrea Stalder
«Für das Plakat haben wir zehn Druckgänge gebraucht.»

Lange wurden die Drucksachen der Messe bei Beat Brechbühl im Atelier Bodoni gefertigt, das im Eisenwerk daheim war. Mittlerweile kommen sie vom Typorama in Bischofszell, wo der junge Percy Pencel die Leitung übernommen hat und dem traditionellen Handwerk Zukunft gibt.

Drei Messetage, 48 Aussteller

Die 15. Ausgabe der Frauenfelder Buch- und Druckkunst-Messe geht von Freitag bis Sonntag, 4. bis 6. November, im Eisenwerk in Frauenfeld über die Bühne. Freitag und Samstag ist jeweils von 11 bis 18.30 Uhr Messebetrieb im Saal und in der Shedhalle. 48 Aussteller sind zugegen. Am Sonntag ist die Messe von 11 bis 16 Uhr geöffnet. Zur Eröffnung am Freitag um 11 Uhr gibt es vom bekannten Autor und Schauspieler Hanspeter Müller-Drossaart unter dem Titel «Buchstäblich gesagt» eine mündliche Intervention. Am Samstag findet von 18 bis 19.30 Uhr ein Apéro statt, der vom Jazzduo Janett/Moumene musikalisch untermalt wird. Während des Messebetriebs hat eine Bar im Foyer geöffnet. Zudem kann auch die Eisenbeiz besucht werden. (ma) 

www.buch-und-druckkunst-messe.ch

Esther Menzi ist seit 2002 im OK, seit 2014 Präsidentin

Was Fred Lautsch macht, ist aktuell im Kunstwürfel vor dem Stadtlabor zu sehen.

Was Fred Lautsch macht, ist aktuell im Kunstwürfel vor dem Stadtlabor zu sehen.

Bild: Donato Caspari

Zeitungen als E-Paper, Plakate im Digitaldruck: Das uralte Handwerk des Druckens hat heute nicht mehr so viel Brot. Umso mehr ist eine Messe wie jene, die am ersten Novemberwochenende im Eisenwerk stattfindet, ein Faszinosum, das einen glücklich staunen macht. Esther Menzi ist selber gelernte Schriftsetzerin. Seit 1993 arbeitete sie bei Beat Brechbühl im Atelier Bodoni. 2002 kam sie ins OK der Messe, die Brechbühl ins Leben gerufen und lange Jahre mit «Feu sacré» geleitet hatte. 2014 übernahm Menzi dann das OK-Präsidium von Brechbühl.

An der Frauenfelder Buch- und Druckkunst-Messe 2014.

An der Frauenfelder Buch- und Druckkunst-Messe 2014.

Bild: Nana Do Carmo
«Im Jahr 1989 wurde der Lehrberuf des Schriftsetzers in der Schweiz abgeschafft. Ich war total schockiert.»

Das erzählt OK-Präsidentin Menzi. Geblieben ist die Buch- und Druckkunst-Messe, geblieben ist nach der pandemiebedingten Absage 2020 auch das Festhalten an den geraden Jahren.

OK personell aufgefrischt und neuer Fokus auf Interaktion

Das Plakat der diesjährigen Buch- und Druckkunst-Messe im städtischen Kunstwürfel.

Das Plakat der diesjährigen Buch- und Druckkunst-Messe im städtischen Kunstwürfel.

Bild: Donato Caspari

Aber es gibt auch Neues zu berichten. So hat sich das OK personell aufgefrischt. Als Vizepräsidentin ist neu Karin Gubler dabei, Percy Pencel und Stefan Rutishauser sind ebenfalls dazugestossen. Neu will die Messe auch verstärkt auf Interaktion setzen. Gubler sagt:

«Vereinzelte Mitmachaktionen gab es auch schon an früheren Ausgaben der Messe. Nun legen wir einen Fokus darauf.»

Neu sind Aktionen für Kinder und Erwachsene programmiert. Das geht von der Buchstaben-Schnitzeljagd und dem Druckerlebnis wie zu Gutenbergs Zeiten über das Fertigen von Postkarten, Origami und Haiku-Schnäuztüchlein bis zu Collagen und der Aktion «Zeichen setzen!». In der Schweiz sei man gewohnt, nur mit den Augen zu schauen, sagt Gubler. «Bei uns hingegen darf man vieles in die Hand nehmen.»

Aus der Schweiz, Deutschland, Österreich und sogar aus Paris

Druckerzeugnisse von Fred Lautsch im Kunstwürfel.

Druckerzeugnisse von Fred Lautsch im Kunstwürfel.

Bild: Donato Caspari

Die OK-Vizepräsidentin spricht vom Klassentreffen-Groove, der unter den oft langjährigen Ausstellerinnen und Ausstellern herrscht. Sie kommen aus dem Druckwesen, aber es sind auch einige Verlage dabei. Für Gubler macht es diese Mischung aus Fach- und Publikumsmesse aus. Dieses Jahr sind 48 Ausstellerbetriebe an der Messe. Viele kommen aus der Schweiz, aber es sind auch einige Betriebe aus Deutschland, Österreich, dem Liechtenstein und sogar aus Paris mit von der Partie.

Fred Lautsch an der Frauenfelder Buch- und Druckkunst-Messe 2016.

Fred Lautsch an der Frauenfelder Buch- und Druckkunst-Messe 2016.

Bild: Donato Caspari

Definitiv einen der längsten Anfahrtswege hat der diesjährige Ehrengast Fred Lautsch aus Stralsund an der Ostsee. Er war auch schon mehrmals an der Messe in Frauenfeld und wird heuer am Sonntag vier Lithografiesteine (aus Solnhofer Plattenkalk) übereinander zu einer Meerlithografie drucken. Lautsch ist ein im deutschsprachigen Raum geschätzter Grafikkünstler, der während langer Jahre den Mückenschweinverlag betrieb. Zur Einstimmung auf den Deutschen sind Arbeiten von ihm im städtischen Kunstwürfel zu sehen, der vor dem Stadtlabor in der Altstadt steht.