Gesamterneuerungswahlen 2023
«Uns steht ein Sitz zu»: Chrampfe & Hirne will mit Andrea Hofmann Kolb wieder zurück in den Frauenfelder Stadtrat

Im März 2023 finden die Stadtratsgesamterneuerungswahlen für die Legislatur 2023 bis 2027 statt. Bislang ist der Rücktritt von Stadträtin Elsbeth Aepli Stettler bekannt. Diese Vakanz will CH nutzen, um den 2019 verloren gegangenen Behördensitz mit einer überraschenden Kandidatur zurückzuerobern: mit de als Stadtführerin und Kinderratkoordinatorin bekannte Andrea Hofmann Kolb.

Mathias Frei
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Stadtratskandidatin Andrea Hofmann Kolb, im Hintergrund das CH-Co-Präsidium aus Anita Bernhard und Tobias Lenggenhager sowie alt Bürgerpräsident Thomas Pallmann.

Stadtratskandidatin Andrea Hofmann Kolb, im Hintergrund das CH-Co-Präsidium aus Anita Bernhard und Tobias Lenggenhager sowie alt Bürgerpräsident Thomas Pallmann.

Bild: Mathias Frei

Damit ist der Wahlkampf lanciert – und das unerwartet früh. Andrea Hofmann Kolb, Initiantin des Frauenfelder Kinderrats, Stadtführerin und seit 2020 Bürgerschreiberin, will in den Frauenfelder Stadtrat. Die linksgrüne Lokalgruppierung Chrampfe & Hirne (CH) will mit der 51-Jährigen den Sitz erobern, den man im Februar 2019 bei den letzten Gesamterneuerungswahlen verloren hat. Auf den 12. März 2023 ist der erste Wahlgang terminiert, die neue Legislatur beginnt am 1. Juni.

Beruf, Familie und viel ehrenamtliches Engagement

Andrea Hofmann Kolb (51) ist in Frauenfeld aufgewachsen. Sie ist verheiratet und hat zwei Söhne (19 und 17). Sie hat das Lehrerseminar in Kreuzlingen besucht und später während 15 Jahren in verschiedenen Frauenfelder Primarschulhäusern unterrichtet. Für die Stadt gibt sie Deutschkurse und hat den Kinderrat initiiert, wo sie auch die Projektleitung innehat. Bis 2017 hatte sie während acht Jahren Einsitz in der Primarschulbehörde, aber für die Grünen, nicht für CH. Seit zwei Jahren arbeitet Hofmann Kolb im Vorstand der Genossenschaft Eisenwerk mit. Dieses Jahr ist sie nach zehn Jahren Tätigkeit aus dem Vorstand von Regio Frauenfeld Tourismus zurückgetreten. Stadtführerin im Auftrag dieses Vereins ist sie seit 2003 und macht das auch in Zukunft. Bis 2011 amtete sie während elf Jahren als Vizepräsidentin des Vereins Tageshorte Frauenfeld. (ma)

Nach aktuellem Stand treten Stadtpräsident Anders Stokholm (FDP), Stadträtin Barbara Dätwyler Weber (SP) sowie die Stadträte Andreas Elliker (SVP) und Fabrizio Hugentobler (FDP) nochmals zur Wahl an. Einzig von Stadträtin und Vizepräsidentin Elsbeth Aepli Stettler (Mitte) ist bis dato bekannt, dass die laufende Legislatur ihre letzte sein wird. Auf die Frage, welchen Sitz CH mit der Kandidatur von Andrea Hofmann Kolb angreife, meint CH-Co-Präsidentin Anita Bernhard am Dienstagvormittag bei der Medienorientierung:

«Wir greifen niemanden an. Denn es gibt bekanntlich eine Vakanz.»
Johannes Eiholzer, 2019 Stadtratskandidat für CH.

Johannes Eiholzer, 2019 Stadtratskandidat für CH.

Bild: Donato Caspari

Nach der Nichtwahl des CH-Kandidaten Johannes Eiholzer im Februar 2019 machte man in den Reihen der Gruppierung vor allem die GLP-Kandidatur in der Person von Stefan Leuthold für das Resultat verantwortlich. Der damalige CH-Präsident Charles Landert sagte aber auch, man sei sich der Risikokandidatur mit dem damals 28-jährigen Eiholzer bewusst gewesen. Dieses Mal soll das nun anders werden.

Dieses Mal gibt es keine Kandidaturen von der GLP oder den Grünen

Wie CH-Co-Präsidentin Anita Bernhard sagt, habe man für Andrea Hofmann Kolb die Unterstützung der Fraktionspartner GLP und Grüne auf sicher. Von diesen beiden Parteien werde es keine weitere Kandidatur geben. Die letzten drei Jahre ohne eigenes Mitglied im Stadtrat seien schmerzhaft gewesen, meint die Co-Präsidentin. Für Frauenfeld und die Frauenfelder Bevölkerung habe so eine starke Stimme gefehlt. Und immerhin hat CH mit sieben Sitzen am zweitmeisten Sitze im Gemeinderat hinter der SVP, die Fraktion CH/Grüne/GLP ist mit Abstand die grösste Fraktion. Anita Bernhard sagt denn auch:

«In Sachen Konkordanz steht uns ein Sitz zu.»

Während bei Johannes Eiholzer die fehlende politische Erfahrung, weder in Exekutive noch Legislative, und die in grösseren Teilen der Bevölkerung fehlende Bekanntheit möglicherweise den Ausschlag gegen ihn gaben, sollen diese Faktoren nun für Andrea Hofmann Kolb sprechen. CH-Co-Präsident Tobias Lenggenhager lobt die Kandidatin als «hervorragend qualifiziert». Er sagt:

«Mit ihrem vollgepackten Rucksack dürfte sie nicht nur für CH eine valable Kandidatin sein.»

Die politische Erfahrung habe sie aus ihrer Tätigkeit in der Primarschulbehörde mitgenommen, sagt Lenggenhager. Bekannt und vernetzt ist Andrea Hofmann Kolb auf jeden Fall, sei es vom Kinderrat her oder auch als Stadtführerin. Sinnbildlich für ihre Vernetzung ist, dass alt Stadtschreiber und alt Bürgerpräsident Thomas Pallmann, der nach eigenen Angaben kein CH-Wähler ist, erklärt, warum die in Frauenfeld verwurzelte Kandidatin dem Stadtrat guttäte. Ob so viel Lob muss Andrea Hofmann Kolb nicht mehr viel anfügen. Nebst der Verbundenheit zu Frauenfeld habe sie grosse Freude am Mitdenken und Mitgestalten. Und der Zeitpunkt für sie sei ideal.