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Stacheldraht lässt Wildtiere elendiglich verenden: St.Galler Jäger sammeln Unterschriften gegen Todesfallen

Die St.Galler Jäger und die Naturschutzverbände Pro Natura und WWF wollen Stacheldrähte und unnötige Zäune auf Kantonsgebiet verbieten. Weil Freiwilligkeit wenig bewirke, starten sie die Gesetzesinitiative «Stopp dem Tierleid». Bis am 5. Juli müssen sie 6000 Unterschriften einreichen, was angesichts drastischer Fotos grausam verendeter Wildtiere kein Problem sein dürfte.
Marcel Elsener
In der Nähe von Wäldern verenden immer wieder Wildtiere, ... (Bild: Mareycke Frehner)In der Nähe von Wäldern verenden immer wieder Wildtiere, ... (Bild: Mareycke Frehner)
... die sich im Stacheldraht verheddern. Oft wurden die Zäune ...(Bild: Mareycke Frehner)... die sich im Stacheldraht verheddern. Oft wurden die Zäune ...(Bild: Mareycke Frehner)
...einfach vergessen und stehengelassen. Eine Todesfalle...(Bild: Mareycke Frehner)...einfach vergessen und stehengelassen. Eine Todesfalle...(Bild: Mareycke Frehner)
...für Tiere aller Art. Nun haben sich... (Bild: Mareycke Frehner)...für Tiere aller Art. Nun haben sich... (Bild: Mareycke Frehner)
... Jäger und der Tierschutz zusammengetan und wollen... (Bild: Mareycke Frehner)... Jäger und der Tierschutz zusammengetan und wollen... (Bild: Mareycke Frehner)
... den Zäunen ein Ende bereiten. (Bild: Mareycke Frehner)... den Zäunen ein Ende bereiten. (Bild: Mareycke Frehner)
Die Zäune kosten zu viele Leben und verursachen Tierleid. (Bild: Mareycke Frehner)Die Zäune kosten zu viele Leben und verursachen Tierleid. (Bild: Mareycke Frehner)
Peter Weigelt, Präsident von RevierJagd St.Gallen, verlangt, ...(Bild: Mareycke Frehner)Peter Weigelt, Präsident von RevierJagd St.Gallen, verlangt, ...(Bild: Mareycke Frehner)
...dass die Landwirte und Waldbesitzer die Zäune schnell abbrechen. Auch Weidezäune...(Bild: Mareycke Frehner)...dass die Landwirte und Waldbesitzer die Zäune schnell abbrechen. Auch Weidezäune...(Bild: Mareycke Frehner)
...müssen verräumt werden. Auch sie sind Todesfallen für Tiere aller Art. (Bild: Mareycke Frehner)...müssen verräumt werden. Auch sie sind Todesfallen für Tiere aller Art. (Bild: Mareycke Frehner)
Sogar unter dem Schnee finden die Jäger... (Bild: Mareycke Frehner)Sogar unter dem Schnee finden die Jäger... (Bild: Mareycke Frehner)
... ganze Zäune. Darin verheddern sich die Tiere auf der Flucht. Die Gruppe sammelt...(Bild: Mareycke Frehner)... ganze Zäune. Darin verheddern sich die Tiere auf der Flucht. Die Gruppe sammelt...(Bild: Mareycke Frehner)
...nun Unterschriften gegen wie Zäune im und am Wald. (Bild: Mareycke Frehner)...nun Unterschriften gegen wie Zäune im und am Wald. (Bild: Mareycke Frehner)
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Jäger und Tierschutz gegen Zäune im Wald

Ein Tod im Oberland erzählt exemplarisch vom Ende der Geduld: Im Mai 2018 hatte sich eine Rehgeiss auf einer Alp in Murg an einem Stacheldraht tödlich verletzt, die drastischen Bilder sollte man Kindern nicht zumuten.

Im Herbst, zwei Monate nach der Alpabfahrt, schauten St. Galler Jäger und Naturschützer nach den Zäunen auf allen Alpweiden der Ortsgemeinde Murg. Mit für sie empörendem Resultat: zehn Kilometer Stacheldraht sowie 1,5 Kilometer Litzendrahtzaun, davon 95 Prozent entlang von Waldrändern, und mehrfach fand man Zaunpartien, die vom Rotwild im Wechsel zerrissen waren – die Folge sind schwere, oft tödliche Verletzungen.

Folglich bat man den Ortsverwaltungsrat im November 2018, das auf anderen Alpen beseitigte oder entschärfte Problem anzugehen. Die Antwort kam Mitte Januar: Die Ortsgemeinde Murg liess mitteilen, dass sie an den Stacheldrahtzäunen festhalte und diese erst abbreche, wenn dies der Kanton verlange.

«Niemand fühlt sich zuständig»

Der Fall Murg dient auf der Website «Stopp Tierleid» als Beispiel für die Dringlichkeit der gestern lancierten Initiative «gegen Zäune als Todesfallen für Wildtiere». Das Problem sei seit Jahrzehnten bekannt, doch fühle sich «niemand wirklich zuständig» und passiere mit freiwilligen Aufrufen zu wenig, sind sich der Jäger-Dachverband Revier Jagd St. Gallen und die regionalen Naturschutzorganisationen Pro Natura und WWF einig. Und machen für die kantonale Gesetzesinitiative gemeinsame Sache:

Seit der Publikation im Amtsblatt vom Montag ist der Vorstoss offiziell lanciert, innert fünf Monate bis 4. Juli müssen 6000 Unterschriften gesammelt werden.

Kilometer von verwahrlosten Zäune am St.Galler Stadtrand «gegen wen auch immer»

Alt FDP-Nationalrat und Jagdverbandspräsident Peter Weigelt, mehrere St. Galler Jäger, Christian Meienberger (Pro Natura) und Lukas Indermaur (WWF) zeigten gestern den Medien zwei drastische Beispiele an der östlichen St. Galler Stadtgrenze: Der viele Schnee verdeckt nicht, dass am Waldrand uralte und neu erstellte Stacheldrähte, verwahrloste Maschendrahtzäune und ein –mit Brombeeren verwachsenes – Weidenetz den Wildtieren ideale Äsungsplätze verwehrt und sie schlimmstenfalls tödlich verletzen kann, weil sie sich darin hoffnungslos verheddern.

Zum Schutz der Schafe werde an den Hängen in Guggeien zudem ein Elektrozaun installiert, sagt Weigelt.

«Die Stacheldrähte gegen wen auch immer sind unnötig, erst recht im Wald. Weil Zäune fast nichts mehr kosten, kümmert sich keiner: Aus den Augen, aus dem Sinn. Zum Leid der Tiere.»

«Wie sollen dann Private folgen?»

Freiwilligkeit genüge nicht, wie das Beispiel Murg zeige, erklärt Indermaur: «Wenn nicht einmal eine öffentliche Institution zum Umdenken bereit ist, wie sollen dann Private folgen...»

Auf die Interpellation von Marcel Dietsche (SVP) im Kantonsrat 2017 habe die Regierung das Problem anerkannt, aber erstaunlicherweise keinen Regelungsbedarf gesehen, betonen die Initianten. «Wir wollen kein neues Gesetz, aber ein griffigeres, verschärftes, vor allem auch kontrolliertes Gesetz», sagt Meienberger.

Das bisherige Verbot unnötiger Zäune, soweit diese den Lebensraum der Wildtiere «unverhältnismässig stören», ist den Jägern und Naturschützern zu offen. Ihre Gesetzesinitiative präzisiert den Artikel 41 des St. Galler Jagdgesetzes wie folgt: Stacheldraht wird ausnahmslos verboten (siehe Zweittext). Mobile Zäune dürfen nur so lange in der offenen Landschaft stehen, als sie auch tatsächlich in Betrieb sind. Im Wald sind Zäune verboten, bis auf forstliche und ökologische Ausnahmen.

Bauernverband enttäuscht

Dreh- und Angelpunkt für die Koordination und den Vollzug der Vorschriften ist die kantonale Wildhut, die auf eigene Beobachtung, Meldung anderer Behörden oder auf Anzeige Dritter tätig wird. Besonders bei den Übergangsfristen geben sich die Initianten «relativ grosszügig» – vier Jahre zur Entfernung von unsachgemässen Zäunen sehen sie als verhältnismässig.

Enttäuscht ist der St. Galler Bauernverband: Man habe Waldbesitzer angeschrieben, Aufrufe zum Aufräumen im Herbst hätten funktioniert und zudem liefen grössere und kleinere Projekte zur Entfernung gefährlicher Zäune, sagt Geschäftsführer Andreas Widmer in einer ersten Reaktion.

«Mit Gesprächen wären wir weitergekommen.»

Die gesuchte verbesserte Zusammenarbeit werde «auf die Probe gestellt», wenn Jäger und Naturschützer nun vorpreschten. Der Unterhalt der Zäune sei für die Bauern ein grosser Aufwand, sagt Widmer. Und sie seien dabei «im Clinch», wenn beispielsweise Zäune vor Wildschweinschäden, aber auch gegen den Wolf schützen müssten.

Der Kanton Graubünden hat Zäune aus Stacheldraht bereits verboten

Die St. Galler Jagd- und Naturschutzverbände wollen Stacheldraht klar verbieten: «Es gibt keinen Grund, weshalb Viehweiden mit Stacheldraht eingezäunt werden müssen. Wenn im Gebirgskanton Graubünden ein Stacheldrahtverbot umgesetzt werden kann, ist dies auch im Kanton St. Gallen möglich.» Tatsächlich hat Graubünden in seinem Musterbaugesetz «Zäune aus Stacheldraht oder anderen gefährlichen Materialien» verboten, vorhandene müssen innert drei Jahren entfernt werden. Die meisten Gemeinden haben dies in ihren Baureglements oder Polizeigesetzen übernommen. Glarus hat Stacheldraht an Wegen und Strassen verboten. Auch die Kantone Appenzell Ausserrhoden und Thurgau hätten griffigere Gesetze oder klarere Leitlinien, heisst es auf Seiten der St.Galler Initianten. (mel)

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