Staatsanwalt: Verdacht erhärtet

Im Juli starb eine junge Frau bei den Aufräumarbeiten nach dem Open Air in Frauenfeld. Die Strafuntersuchung der Staatsanwaltschaft läuft gegen ein Mitglied des Organisationskomitees und gegen einen Helfer.

Ida Sandl
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FRAUENFELD. Die Staatsanwaltschaft muss klären, ob die Organisatoren des Open Airs Frauenfeld alles getan haben, was möglich war, um den Tod der jungen Helferin zu verhindern. «Dabei geht es um die Frage, ob die Sorgfaltspflicht verletzt wurde», sagt Oberstaatsanwalt Stefan Haffter. Arbeitsrechtliche Belange würden ebenso eine Rolle spielen wie die Unfallverhütung. So müsse geklärt werden, ob alle Vorkehrungen zum Schutz der Mitarbeiter getroffen worden seien. Ebenso müssen die Regeln der Unfallverhütung eingehalten und überwacht worden sein.

Verdacht erhärtet

Nach dem Tod der 24jährigen Frau im Juli hatte die Kantonspolizei ein polizeiliches Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt eröffnet. Dieses sei jetzt abgeschlossen. Aufgrund der Ergebnisse habe sich «der Verdacht auf ein strafrechtlich relevantes Verhalten erhärtet», heisst es in der Mitteilung. Die Staatsanwaltschaft Frauenfeld werde deshalb die Strafuntersuchung gegen zwei Personen weiterführen.

Dabei handelt es sich um ein Mitglied des Organisationskomitees des Open Airs und um einen Helfer. Der Helfer sei dem Mitglied des Organisationskomitees direkt unterstellt gewesen, sagt Haffter. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung.

Unschuldsvermutung gilt

So lange die Strafuntersuchung nicht abgeschlossen sei, gelte die Unschuldsvermutung, betont Haffter. «Es ist möglich, dass die Staatsanwaltschaft aufgrund weiterer Ergebnisse das Verfahren gegen einen der beiden oder gegen beide Personen einstellen wird.» Möglich sei aber auch, dass ein Strafbefehl erlassen oder sogar Anklage erhoben werde. Wie lange die Ermittlungen dauern werden, kann Haffter nicht sagen. «Einen Zeitpunkt zu nennen wäre wie Kaffeesatz-Lesen.» Die Dauer hänge von den Befragungen ab, aber auch davon, ob weitere Gutachten in Auftrag gegeben werden müssten.

Sehr heftiges Gewitter

Der tragische Unfall passierte am 10. Juli 2012 bei den Aufräumarbeiten nach dem Open Air. Die junge Frau war mit anderen Helfern auf dem Gelände beschäftigt, als ein ungewöhnlich heftiges Gewitter über Frauenfeld niederging. Meteo Schweiz habe eine Sturmwarnung der Alarmstufe drei herausgegeben, sagt Oberstaatsanwalt Haffter. Fünf ist die stärkste Stufe.

Innerhalb kürzester Zeit herrschte der Ausnahmezustand auf dem Gelände. Die überraschten Helfer suchten Schutz in einem der Zelte, die noch nicht abgebrochen waren. Durch die starken Windböen wurde das Zelt aus der Verankerung gerissen. Herumfliegende Teile trafen die junge Frau und einen 21jährigen Mann und verletzten sie.

Tief betroffen

Noch in der Nacht auf Mittwoch erlag die junge Thurgauerin im Kantonsspital Frauenfeld ihren schweren Verletzungen. Das Organisationskomitee des Festivals war vom Tod der Helferin tief betroffen. Noch immer ist auf der Website des Open Airs Frauenfeld ein Foto der kleinen Gedenkstätte aufgeschaltet, die zur Erinnerung an die Verstorbene auf der Allmend eingerichtet worden ist.

Joachim Bodmer, Pressesprecher des Open Airs Frauenfeld, wollte die Mitteilung der Staatsanwaltschaft nicht kommentieren. Es handle sich um ein laufendes Verfahren. Momentan will das Organisationskomitee auch nicht über die Konsequenzen sprechen, die man aus dem tragischen Unfall für das kommende Open Air ziehen wolle.