Staatsanwalt fordert acht Jahre

Ein 24jähriger Mann hat eine ihm unbekannte Frau brutal vergewaltigt. Das Opfer leidet noch heute unter den Folgen der Tat. Gestern musste sich der Kroate vor dem Kreisgericht St. Gallen verantworten.

Claudia Schmid
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ST. GALLEN. Der Beschuldigte war an der Gerichtsverhandlung geständig. Er bestreite die Vorwürfe nicht, könne sich aber nicht mehr an alles erinnern, sagte er aus. Durch eine Blockade sei er auch nicht in der Lage, über seine Tat zu sprechen. Er hasse Frauen nicht, doch habe er kein Vertrauen mehr zu ihnen, weil eine ehemalige Freundin sein Kind abgetrieben habe.

Jeder Tag ein Kampf

Laut Anklageschrift ging der Mann äusserst brutal vor. Er schlich sich im Westen der Stadt St. Gallen von hinten an eine Frau an, als sie mit dem jungen Hund einer Freundin in der Nacht einen kurzen Spaziergang machen wollte. Er würgte sie fast bis zur Bewusstlosigkeit und missbrauchte sie mehrmals. Dabei stiess er immer wieder Todesdrohungen aus.

Seit der Vergewaltigung vor eineinhalb Jahren sei für sie jeder Tag ein Kampf, schilderte das Opfer die Folgen des Martyriums. Sie habe ein Angsttrauma erlitten, das ihr immer wieder schwer zu schaffen mache. Vor kurzem habe sie nun auch ihre langjährige Arbeitsstelle verloren.

Der Staatsanwalt forderte eine Freiheitsstrafe von acht Jahren und eine stationäre therapeutische Massnahme. Der Beschuldigte sei äusserst grausam vorgegangen, betonte er. Das Opfer habe während über einer halben Stunde Todesängste ausstehen müssen. Die Folgen der Misshandlung seien eine Wesensveränderung, welche das Leben der Frau aus den Fugen gebracht habe. Das Vorstrafenregister des Mannes weise Tätlichkeiten, sexuelle Belästigungen, Exhibitionismus und einen Angriff mit Messer aus.

Der Rechtsvertreter des Opfers beantragte für seine Mandantin Schadenersatz und Genugtuung. Auch er wies auf die Abscheulichkeit der Tat hin. Als Folge stehe die Frau heute vor einer ungewissen Zukunft. Sie benötige intensive psychiatrische Behandlung. Das von der Anklage geforderte Strafmass sei zu tief angesetzt.

Persönlichkeit gestört

Der Verteidiger verlangte eine Freiheitsstrafe von höchstens fünf Jahren. Er sprach ein Gutachten an, das dem Beschuldigten eine Persönlichkeitsstörung diagnostiziert. Dies müsse sich strafmildernd auswirken. Das Leben seines Mandanten sei nicht einfach gewesen. Er sei bei seiner alkoholkranken Mutter aufgewachsen und beim drohenden Kriegsausbruch in der Heimat Kroatien zu seinem dominanten Vater in die Schweiz gekommen.

Dieser habe ihn geschlagen und schliesslich aus dem Haus geworfen. Aus diesem Grunde habe er ein halbes Jahr vor dem Lehrabschluss die Ausbildung abgebrochen.

Zurzeit befindet sich der 24-Jährige im vorzeitigen Strafvollzug. Das Urteil des Kreisgerichts St. Gallen steht noch aus. Es wird in den nächsten Tagen erwartet.