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Staatliche Frühförderung bringt kaum etwas

«Die Schule alleine schafft das nicht», Ausgabe vom 4. Februar
René Walcher

Bernhard Hauser behauptet, dass rund 15 bis 30 Prozent der Kinder im Vorschulalter nicht genügend gefördert würden, die Eltern eines weiteren Drittels nicht wüssten, wie wichtig Frühförderung sei. Es müsse diesen Menschen signalisiert werden, dass der Hauptgrund für den schulischen Erfolg oder Misserfolg ihrer Sprösslinge bei ihnen läge. Er empfiehlt auch, was zu tun sei, um die Kinder adäquat zu fördern: Viel reden, in den Wald gehen, Geschichten erzählen und hohe Erwartungen hegen. Mit diesen Aussagen stellt Herr Hauser zwei Drittel der Eltern unter den Generalverdacht, sie seien für Schulschwierigkeiten selber verantwortlich. Das ist aus mehreren Gründen Nonsens: 1. Es gibt keine Studien, die belegen, dass Frühförderprogramme Schulleistungen oder IQ langfristig positiv beeinflussen. 2. Kognitive Leistungen haben eine erbliche Komponente und lassen sich durch die empfohlenen Tätigkeiten kaum fördern. 3. Eine Analyse der Studien zu Erwartungshaltungen zeigt, dass praktisch alle Eltern im Vorschulalter hohe Erwartungen hegen, diese aber infolge der Schulleistungen der Kinder nach unten oder oben korrigieren. 4. Kinder in Kleinklassen haben in der Regel Defizite im kognitiven und sprachlichen Bereich, erbringen aber oft überdurchschnittliche Leistungen in Bereichen wie Gedächtnis, Sport, Singen, Motorik oder sozialem Verhalten. Das wäre bei einer allgemeinen frühkindlichen Vernachlässigung kaum zu erwarten. Kinder in Regelklassen wiederum haben im kognitiven und sprachlichen Bereich weniger Probleme, aber viele sind etwa beim Singen unterdurchschnittlich begabt, was auch nicht mit Hausers Äusserungen kompatibel ist. Daher meine Empfehlung: Keine penetranten staatlichen Interventionen vor dem Kindergarten! Das bringt kaum etwas, kostet aber ordentlich. Und bitte etwas weniger Ideologie, dafür mehr evidenzbasierte Pädagogik.

René Walcher

Neugrubenstrasse 30, 9500 Wil

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