Staat soll Bootsfahrschulen prüfen

Bis anhin gibt es in der Schweiz keine besonderen Anforderungen an Bootsfahrschulen. Zwei St.Galler Kantonsräte wollen dies ändern. Sie haben dafür Unterstützung im Nationalrat gesucht, wo nun ein Vorstoss zum Thema hängig ist.

Jana Rutarux
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Bootsfahrlehrer brauchen in der Schweiz bislang keine besondere Ausbildung. (Bild: fotolia)

Bootsfahrlehrer brauchen in der Schweiz bislang keine besondere Ausbildung. (Bild: fotolia)

Die Bootsfahrprüfung ablegen und am nächsten Tag bereits die ersten Fahrschüler begrüssen: Was im Strassenverkehr undenkbar wäre, ist in der Schifffahrt erlaubt – für die Gründung einer Bootsfahrschule braucht man keine Fahrlehrerausbildung.

Der Goldacher SVP-Kantonsrat Sandro Wasserfallen beschäftigt sich bereits seit einem Jahr mit diesem Thema. Im Februar vergangenen Jahres reichte er gemeinsam mit Ratskollege Felix Bischofberger (CVP, Altenrhein) eine Interpellation ein. «Wir mussten feststellen, dass wir auf kantonaler Ebene nicht weiter aktiv werden können. Dem Kanton sind die Hände gebunden», sagt Wasserfallen. Auf der Suche nach Unterstützung stiessen sie auf CVP-Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter. Sie hat sich nun des Themas angenommen und Mitte Dezember eine Interpellation mit zahlreichen Mitunterzeichnenden im Nationalrat eingereicht.

«Dass dieses Thema nun auf nationaler Ebene behandelt wird, macht Sinn. Schliesslich sind viele Seen kantons- oder gar länderübergreifend», sagt Wasserfallen.

Unzufriedene Fahrschüler

In der Interpellation schreibt Schneider-Schneiter, dass es an Minimalanforderungen für Motorbootschulen fehle. Dies führe zu einem erhöhten Unfallrisiko und auch zu grosser Unzufriedenheit bei Bootsfahrschülern. «Ich denke, es ist wichtig, dass die Kantone die Kompetenz erhalten, Schulen gezielt zu prüfen. Zwischen manchen herrschen nämlich grössere Qualitätsunterschiede», sagt Wasserfallen. Er selber wurde mit diesem Thema konfrontiert, als sich verschiedene Personen bei ihm über eine bestimmte Fahrschule am Bodensee beschwerten. In einem solchen Fall ist das kantonale Schifffahrtsamt lediglich dazu befugt, den Fahrlehrer zurechtzuweisen.

Kein Handlungsbedarf?

Deshalb hat auch die Vereinigung der kantonalen Schifffahrtsämter wiederholt – letztmals im Jahr 2008 – ähnliche Anläufe wie jene von Wasserfallen und Schneider-Schneiter unternommen. Sie blieben ohne Erfolg. «Der Bund sieht anscheinend keinen Handlungsbedarf. Dies widerspricht den Ansichten der Schifffahrtsämter und der aufgebrachten Fahrschüler, die sich an mich gewendet haben», sagt Wasserfallen. Deshalb hakt die Interpellation von Schneider-Schneiter diesbezüglich im Bund noch einmal nach.

Währenddessen können Wasserfallen und Bischofberger abwarten. Wasserfallen ist zuversichtlich: «Ich kann mir gut vorstellen, dass es später auf der nationalen Ebene in Richtung Motion weitergehen wird.»

Fahrlehrer hinterfragt Vorstoss

Für Robert Brühlmann, Inhaber von Brühlmann Yachtsport in Romanshorn, gehen die politischen Entwicklungen zu weit: «Mir sind im Bodenseegebiet etwa zwei fragwürdige Bootsfahrschulen bekannt. Wegen diesen gleich schweizweit neue Regelungen einführen zu wollen, ist übertrieben.»

Brühlmann arbeitet seit 40 Jahren als Fahrlehrer am Bodensee – eine Ausbildung hat er dafür nicht absolviert. «Erst seit kurzem ist eine freiwillige Ausbildung zum Bootsfahrlehrer mit eidgenössischem Fachausweis möglich», sagt Brühlmann. Die Ausbildung sehe er nicht als notwendig an – es genügten einzelne praxisorientierte Kurse. «Man darf nicht vergessen, dass Bootfahren im Unterschied zum Autofahren ein Hobby ist und es praktisch keine Unfälle auf dem See gibt. Die einzige Gemeinsamkeit zwischen Boot- und Autofahren ist, dass beide Gefährte ein Steuerrad haben.»

Die Qualitätsunterschiede, von denen Wasserfallen spricht, sind gemäss Brühlmann gering. Sie beträfen besonders Fahrlehrer, welche schon lange in diesem Bereich tätig seien. Das eigentliche Problem sei ein ganz anderes: «Erstaunlicherweise haben auch die fragwürdigen Fahrschulen immer wieder neue Schüler», so Bühlmann. Er mahnt, dass sich die Fahrschüler im Voraus besser informieren sollten.