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St.Galler SVP sieht Ständeratswahl selbstbewusst entgegen: «Wir machen das bisher Unmögliche diesen Herbst möglich»

SVP-Nationalrat und Sportmanager Roland Rino Büchel will St.Galler Ständerat werden. Er fordert im Herbst Paul Rechsteiner heraus. Bildungschef Stefan Kölliker verzichtet, um den Sitz der Partei in der Regierung nicht zu gefährden.
Regula Weik
Roland Rino Büchel (SVP) will vom Nationalrat in den Ständerat wechseln. (Bild: Alessandro della Valle/KEY

Roland Rino Büchel (SVP) will vom Nationalrat in den Ständerat wechseln. (Bild: Alessandro della Valle/KEY

Die St.Galler SVP spricht an diesem Hitzesommerabend nicht lange um den heissen Brei herum. 32 Jahre sind genug. So lange politisiert Paul Rechsteiner bereits in Bern. Auch das Alter ist ein Punkt. 67 wird der Sozialdemokrat im August. Diese Zahlen seien das eine, der Inhalt das andere. «Der Ständerat muss wieder bürgerlicher und gewerbefreundlicher werden», fordert Toni Brunner, Wahlkampfleiter der St.Galler SVP.

«Heute ist die St.Galler Delegation Mitte-links, künftig muss sie Mitte-rechts sein.»

Richten soll das Roland Rino Büchel. Die St.Galler SVP hat den Oberrieter Nationalrat und Sportmanager am ­Mittwochabend in Rheineck als ihren Ständeratskandidaten nominiert. Die Voten klangen selbstbewusst: «Wir wissen, wofür wir einstehen, egal wie es rundum klingt.» – «Paul Rechsteiner muss ersetzt werden. Er gehört in Pension.» – «Wir werden das bisher Unmögliche diesen Herbst möglich machen.»

So elegant sich der Aussenpolitiker auf dem internationalen Parkett bewegt, so direkt bringt er es in seinem Rheintaler Dialekt auf den Punkt. Empört er sich über etwas, rutscht er immer mal wieder ins Du. Büchel ist unbestritten der internationalste St.Galler SVPler.

Seine jahrelange Tätigkeit im Sportmarketing führte ihn rund um den Globus. Er hat in über zwanzig Ländern gearbeitet und spricht fünf Sprachen. Wie passt diese Weltoffenheit zu seiner Parteizugehörigkeit? Gerade weil er gesehen habe, was überall in der Welt schieflaufe, sei er in der SVP. Geht es um die Eigenständigkeit der Schweiz, spricht er deutsch und ohne Umschweife.

Keller-Sutter, Klimajugend und Bundesanwalt

Büchel gilt als hartnäckig, scharfzüngig, bisweilen polemisch, bissig und arrogant. Er weiss darum.

«Wenn mir etwas zuwider ist, dann sage ich es.»

So stand er vor der Wahl von Karin Keller-Sutter in den Bundesrat offen zu seinen Vorbehalten: «Wer jahrelang nach links schielt, muss sich nicht wundern, wenn er von rechts weniger Unterstützung bekommt.» Viele in der SVP sähen die Wilerin nicht als Überfliegerin, als die sie «mit wohlwollender medialer Unterstützung» dargestellt werde. Auch die klimastreikende Jugend schonte er nicht. Es ergebe keinen Sinn, mit weltpolitischen Forderungen die lokale Mittelschule zu bestreiken.

«In meiner Jugend blieb keine Zeit für idealistische Träumereien.»

Büchel politisiert seit Frühling 2010 im Nationalrat; er rückte damals für die zurücktretende Jasmin Hutter nach. Innert kurzer Zeit wurde er zu einer ­beachteten Figur im Kampf gegen die Machenschaften des Fussball-Weltverbandes. Er hievte das Thema auf die politische Agenda – und schaffte damit, wovon gestandene Nationalräte träumen: Sein Name tauchte in unzähligen nationalen und internationalen Medien auf.

«Der Saubermacher» titelte die NZZ. Auch die WOZ, gefeit gegen jegliche Nähe zur SVP, widmete ihm damals eine ganze Seite. Inzwischen ist auch Bundesanwalt Michael Lauber unter Büchels Räder geraten. Er habe die Bundesanwaltschaft lange genug verteidigt, sagte der Fifa-Kritiker im Winter dieser Zeitung. Nun sei seine Geduld am Ende. «Als Bürger habe ich ein Anrecht darauf zu wissen, was das Resultat der jahrelangen Ermittlungen in Sachen Fifa ist.»

«Wir müssen beweisen, dass wir mehr können als reden»

Über all dies redet Büchel im Rheinecker «Hecht»-Saal nicht. Der 53-Jährige weiss: Der Wahlkampf wird kein Spaziergang. Die Delegierten trauen ihm dies zu – deutlich mehr als seinem einzigen Gegenspieler Mike Egger. Der Bernecker Nationalrat überzeugte 45 Delegierte, Büchel 73. Egger hatte bei der Ständeratsersatzwahl im Mai deutlich unter den Erwartungen abgeschnitten.

Büchel dürfte nicht nur die eigene Basis besser abholen, er dürfte auch im erweiterten bürgerlichen Lager Stimmen holen. «Heute Abend haben wir gezeigt, was Demokratie ist: Wir haben ausgemarcht», sagt Büchel und gibt sogleich die Parole für die kommenden Wochen durch: «Jetzt gehen wir zusammen.» Und weiter:

«Nun müssen wir beweisen, dass wir mehr können als reden.»

Zu Beginn des Abends hatte bereits Wahlkampfleiter Brunner gemahnt: «Wir treten geschlossen auf. Es gibt keine internen Streitereien. Eigeninteressen haben zurückzustehen.» So begründete denn auch Stefan Kölliker seinen Verzicht auf eine Kandidatur.

In der Partei sähen viele den Bildungschef gerne als ihren Vertreter in Bern. «Ich stehe euch später zur Verfügung», sagt Kölliker. Nun gehe es darum, den SVP-Sitz in der Regierung nächsten Frühling erneut «ins Trockene zu bringen» und mitzuhelfen, einen zweiten zu holen.

Die Einschätzungen der Wahlchancen scheinen innerhalb der SVP auseinander zu gehen. So schlug ein Delegierter vor, auf eine Kandidatur zu verzichten und stattdessen Marcel Dobler (FDP) zu unterstützen, um die bürgerlichen Kräfte zu bündeln. Andere Stimmen wünschten sich – ebenso erfolglos – eine Doppelkandidatur mit Büchel und Egger. «Wir dürfen nicht überstellig werden», sagt Wahlkampfleiter Brunner nach der Versammlung.

Nach der Nomination der SVP steht fest: Zwei Nationalräte, Roland Rino Büchel (SVP) und Marcel Dobler (FDP), fordern die beiden amtierenden Ständeräte Paul Rechsteiner (SP) und Benedikt Würth (CVP) heraus – ein illustres Quartett, das da antritt.

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