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St. Galler Schüler werden teurer

In der Volksschule haben die Kosten pro Schüler zugenommen. Das zeigt das erste Bildungsmonitoring des Kantons. Eine Rolle spielen zusätzliche Lektionen – aber auch die bisherige Abnahme der Schülerzahlen beeinflusst die Pro-Kopf-Ausgaben.
Sina Bühler
Fächerübergreifendes Arbeiten ist in der Volksschule bedeutsamer geworden, trägt aber auch zu den Kosten bei. (Bild: Christian Beutler/KEY)

Fächerübergreifendes Arbeiten ist in der Volksschule bedeutsamer geworden, trägt aber auch zu den Kosten bei. (Bild: Christian Beutler/KEY)

Dass sich das Bildungswesen ständig verändert, ist nicht neu. Strukturen, ­Demografie, Lehrpläne, pädagogische Erkenntnisse – alles muss immer wieder aufeinander abgestimmt werden. Damit der Überblick nicht verloren geht, hat der St. Galler Erziehungsrat ein regelmässiges Monitoring in Auftrag gegeben. Nun ist der erste Bericht des Bildungsdepartements und der Fachstelle für Statistik da. Er deckt die Jahre 2007 bis 2016 ab und befasst sich mit der Volks- und Mittelschule.

Vieles darin dreht sich um die Finanzen, denn die Volksschulbildung ist der grösste Ausgabenposten bei Kanton und Gemeinden – zusammen sind es 1,57 Milliarden Franken im Jahr. Bei den Gemeinden sind dies mehr als die Hälfte der Ausgaben, beim Kanton etwas mehr als ein Viertel. 18300 Franken waren es auf eine einzige St. Galler Schülerin ausgerechnet im Jahr 2016. Ein Preis, der ziemlich zugenommen hat: 2007 kostete die Schülerin noch 15 500 Franken. Das Bildungsdepartement erklärt die Zunahme unter anderem mit zusätzlichen Lektionen. Mit dem Lehrplanwechsel im Jahr 2008 ist der Stundenplan nämlich um 8 Prozent erweitert worden. «Das betrifft mehrere Lektionen Frühenglisch, je eine zusätzliche Lektion Französisch und Musik und das sogenannte fächerübergreifende Arbeiten» führt Bernhard Thöny, Leiter Dienst für Finanzen und Informatik im Bildungsdepartement, aus.

Anstellungsbedingungen für Lehrer haben sich geändert

Die höheren Ausgaben in der Volksschulstufe seien aber auch auf eine Zunahme bei der Lehrerbesoldung zurückzuführen, heisst es im Bericht. Das ist eine interessante Aussage, denn die Gewerkschaften beklagen sich schon lange, dass der Kanton dem Personal seit Jahren keine Lohnerhöhungen mehr gewährt. «Die Statistik im Bericht bildet die Periode von 2006 bis 2017 ab», erklärt Bernhard Thöny, und enthalte damit noch eine letzte Lohnerhöhung, die 2011 gewährt wurde.

Viel stärker habe sich aber eine Veränderung in den Anstellungsbedingungen ausgewirkt: 2008 hat der Kanton eine Klassenlehrerzulage eingeführt, der Durchschnittslohn stieg damit um zwei Prozent. Der Kantonsrat hat diese Zulage auf das Schuljahr 2015/2016 hin aber wieder gekürzt – zur Kompensation einer gleichzeitig eingeführten zeit­lichen Entlastung. Ziemliche Veränderungen bei den Pro-Kopf-Kosten sind auch darauf zurückzuführen, dass In­frastruktur- und Personalkosten in etwa gleich bleiben, aber dazwischen auf weniger Köpfe verteilt werden können. Im beobachteten Zeitraum blieb die Zahl der Schüler nur auf der Kindergartenstufe konstant, in der Primarschule sank sie lange und ist erst jetzt wieder am Steigen, auf der Oberstufe sinkt sie immer noch.

Wie geht ein Kanton mit solchen Bewegungen um? Für Bernhard Thöny ist dies kein Problem, auf das kurzfristig reagiert werden muss: «Die Schülerzahlen sind recht gut planbar, denn die Zahl der Kinder mit einem bestimmten Jahrgang entspricht ziemlich genau der Zahl der Schülerinnen und Schüler der entsprechenden Klassenstufe. Man sieht also immer ein paar Jahre in die Zukunft.» Im Vergleich zur Volksschule steht die Mittelschule finanziell ausgeglichener da. Zum Beispiel, weil man bei der Klassengrösse reagiert habe, heisst es im Bericht. «Ohne Eingriffe des Bildungsdepartements hätten vermutlich 60 neue Klassen gebildet werden müssen» erklärt Tina Cassidy, Leiterin des kantonalen Amts für Mittelschulen.

80 Schülerinnen und Schüler wurden umgeteilt, sieben Mittelschul­klassen und damit 12 Millionen Franken (über die gesamte Ausbildung gesehen) konnten so eingespart werden. In diesem Jahr führten die Massnahmen dazu, dass die durchschnittliche Klassengrösse bei 22,3 Schülerinnen und Schülern liegt. Ohne Eingriffe wären es rund 19,5 gewesen. Die Informatikmittelschule, die erst im Sommer letzten Jahres eingeführt worden ist, erscheint in diesem Bericht noch nicht. Damit werde es aber nicht teurer, meint Tina Cassidy, die Kosten entsprächen denen anderer Ausbildungsgänge: «Wir rechnen damit, an den Kantonsschulen am Brühl St. Gallen und Sargans mittelfristig je eine Klasse pro Jahrgang zu führen.» Falls das Interesse sprunghaft ansteige, gehe aber auch mehr.

Maturitätsquote bleibt grosses Thema

Es wäre vermutlich wünschenswert, denn ein grosses Thema an den St. Galler Mittelschulen ist seit Jahren die Maturitätsquote. Sie liegt immer noch bedeutend unter dem Schweizer Durchschnitt. «Eine Arbeitsgruppe beschäftigt sich zurzeit mit dieser Frage», sagt Tina Cassidy. «Mit ersten sichtbaren Ergebnissen, wie einem neuen Auftritt an der Ostschweizerischen Bildungsausstellung und dem neuen Matura-Navigator.» (www.matura-sg.ch)

Auffällig ist im Monitoringbericht die Grafik zu den «Mehrjahrgangsklassen»: Immer mehr Volksschulkinder besuchen einen altersgemischten Unterricht. 2016 waren es ungefähr 20 Prozent. Bernhard Thöny meint: «Dafür gibt es zwei Ursachen: Man ist experimentierfreudiger geworden und hat in den letzten Jahren verschiedene Unterrichtsmodelle ausprobiert, beispielsweise den jahrgangübergreifenden Unterricht.» Und der Rückgang der Schülerzahlen habe diese Experimentierfreudigkeit in einigen kleinen Gemeinden zusätzlich gefördert.

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